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Sonder-Agent Elvis

8. August 2018

Meine Mama ist der größte Elvis-Presley-Fan, den ich kenne. Wann immer ich irgendwas finde, was auch nur im Entferntesten mit dem King zu tun hat, bringe ich ihr das mit. Von den Filmen über Elvis war sie bisher aber nie wirklich begeistert… bis ich auf einen Film stieß, der mir vom Inhalt so absurd vorkam, dass ich mich erst gar nicht traute, ihr den zu kaufen. Über den King darf man sich schließlich nicht lustig machen 😉 Doch dann erzählte ich ihr davon und sie bestätigte, dass sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen haben soll. Also kaufte ich „Elvis & Nixon“ und jetzt während meines „Heimaturlaubs“ haben wir uns den zusammen geguckt… aber weder der Über-Fan von Elvis noch der Über-Fan von Filmen (also meiner Einer 😛 ) waren begeistert.

1970 bekommt Elvis (Michael Shannon) eine Eingebung: Er möchte Undercover-Sonder-Agent für die Regierung werden, um den Verfall der US-amerikanischen Gesellschaft zu verhindern. Also schreibt er einen Brief an den Präsidenten der USA, Richard Nixon (Kevin Spacey) und bittet um ein Treffen. Nixon ist davon nicht begeistert, seine Berater hingegen schon. Nur widerwillig und weil seine Tochter unbedingt ein Autogramm haben will, lässt sich Nixon auf das Treffen ein.

The King and I, Nixon

80 Minuten haben sich schon lange nicht mehr so lang angefühlt. Was an zwei Dingen liegt: Zum einen tatsächlich an Michael Shannon und zum anderen (was viel schwerer wiegt) an dem furchtbaren Drehbuch.

Bleiben wir vorerst beim Drehbuch… was für ein Schnarchfest und eine merkwürdige Ansammlung von verschiedenen Genre-Versuchen. „Elvis & Nixon“ weiß irgendwie nie, ob es jetzt ein lustiger Film über die verrückte Idee einer Berühmtheit mit Über-Ego sein möchte, Polit-Satire oder ein Prequel zur Serie „Entourage“, wenn Elvis „PR-Manager“ Jerry (Alex Pettyfer) alles versucht, um den Plan von seinem Freund aufgehen zu lassen (und diese Story ist so belanglos und uninspiriert erzählt. Wir sollen glauben, das wären richtige Freunde und es kommt einfach nichts davon rüber.) Es dauert knapp eine Stunde, bis dieser Film seinem Titel gerecht wird und Elvis endlich auf Nixon trifft. Vorher gibt es langweiligen Bürokratie-Kram und einen Elvis, der verzweifelt durch die Gegend rennt und mit Leuten dummes Zeug quatscht. Nichts daran wirkt stimmig, weil es super langweilig und unspektakulär erzählt wird. Der einzige witzige Moment ist der, als Elvis von einem Elvis-Imitator am Flughafen auf sein schlechtes Elvis-Kostüm angesprochen wird. Ansonsten rennt Michael Shannon von einem weiblichen Fan zum nächsten und wird angehimmelt und macht sich bei den Behörden zum Trottel.

Und bei diesem Trottel bleiben wir dann mal, denn was zur Hölle hat Michael Shannon zu dieser Rolle bewegt? Der Mann ist doch ein wunderbarer Schauspieler, der mit tollen Rollen sein Können unter Beweis gestellt hat. Aber in „Elvis & Nixon“ ist er furchtbar (und wirkt auch nicht wirklich wie ein 35-Jähriger, sondern wie ein alter, alter Mann). Er macht Elvis zu einer absoluten Lachnummer, bei der man wirklich nicht mehr weiß, ob man wirklich lachen oder sich einfach nur schämen soll. Da es wohl leider auch keine wirklichen Aufzeichnungen zu diesem Treffen gab (nur ein berühmtes Foto der beiden ist der Beweis für dieses Treffen), wird wild herum gesponnen… Elvis frisst die M&M’s des Präsidenten, trinkt seine Cola, zeigt ihm Karate-Stücke. Das wirkt alles gestelzt und sehr absurd – weil es aber unter dem Stempel „Nach einer wahren Begebenheit“ steht, darf das dann wohl so sein. Hmm… ich weiß nicht, meiner Mama hat’s so gar nicht gefallen und mir auch nicht. Natürlich ist dieses Anliegen wirklich absurd und verrückt und noch vieles anderes, aber dieser Film kriegt es nicht wirklich zu packen – dieses Absonderliche dieser Situation und verfällt mehr und mehr ins Lächerliche.

Erzählerisch und darstellerisch war das einfach nur mies… und dabei wünscht man sich, die Herrschaften rund um Regisseurin Liza Johnson hätten a) sich mal „Frost / Nixon“ angeschaut, um zu sehen, wie man ein unspektakuläres Treffen interessant inszenieren kann; b) Michael Shannon durch einen anderen Darsteller ersetzt (warum nicht Nic Cage? Der ist so ein großer Elvis-Fan, dass er sogar dessen Tochter heiratete – der wäre perfekt für diesen albernen Film gewesen); c) bessere Kostüme gehabt – Michael Shannons Perücke sieht einfach nur furchtbar aus.

Der Einzige, der in diesem Film positiv zu erwähnen ist, ist Kevin Spacey, der einen ziemlich guten Nixon abgibt.

Ansonsten kann man „Elvis & Nixon“ wirklich gerne umgehen. Die 80 Minuten sind einfach viel zu schade.

Wertung: 3 von 10 Punkten (und dann noch nicht einmal einen einzigen Elvis-Song im Soundtrack, da wurde wirklich an allen Ecken gespart)

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