Skip to content

Von Bären und Mäusen

1. August 2018

Es gibt Zeichentrickfilme, bei denen weiß man innerhalb von wenigen Minuten, ob man sie lieben wird oder nicht. Das ist für mich ein wenig so wie mit der Auswahl von Comics. Da blättert man ein wenig drin rum und guckt jetzt gar nicht mal so vordergründig auf die Story, sondern mehr auf den Stil. Ich liebe mittlerweile auch Comics, die mal etwas ausgefallener sind, die vom Stil etwas wagen und ausprobieren und natürlich am Ende am besten das Optische mit dem Erzählerischen perfekt verbinden. Bei Zeichentrickfilmen sehe ich das mittlerweile ähnlich. Klar, Disney und Pixar sind immer gut, aber doch recht vorhersehbar. Zuletzt wirklich beeindruckt hat mich „Song of the Sea“ (von den Machern von „The Secret of Kells“). Das war optisch ein Fest und erzählerisch auch. Bei beiden Filmen wusste ich ziemlich schnell, dass ich sie mögen werde… und jetzt bin ich zu einem Film gekommen, der schon viel zu lange in meinem Regal verstaubte, den ich jetzt aber endlich geguckt und sofort lieben gelernt habe: „Ernest & Célestine“.

Célestine ist ein junges Mäuse-Mädchen, das immer und immer wieder vorm bösen Bären gewarnt wird. Der frisst mit Vorliebe kleine Mäuse, deswegen müssen Célestine und ihre Freunde sehr vorsichtig sein, denn sie müssen immer wieder in die Welt der Bären über ihrer Mäusestadt gehen. Dort holen sie sich die Zähne der Bären, aus denen Zahnersatz für die Mäuse gemacht werden, die ihre Nagezähne verloren haben. Bei einem ihrer Ausflüge in die Welt der Bären lernt Célestine den Bären Ernest kennen. Sie hilft ihm.. und später hilft er ihr und aus den beiden werden Freunde. Doch diese Freundschaft wird weder von den Bären noch von den Mäusen toleriert… und schon bald werden die Beiden gejagt.

Beste-Freunde-Stille-Post

Wenn ihr „Ernest & Célestine“ noch nicht gesehen habt, dann holt das bitte unbedingt nach. Ich habe schon lange nicht mehr so einen wunderschönen Film gesehen. Das Faszinierende daran ist, der Film basiert auf einer Kinderbuch-Reihe und man merkt auch, dass sich der Film an Kinder richtet. Aber er tut dies ohne seine Zuschauer für dumm zu verkaufen. „Ernest & Célestine“ geht unglaublich gefühlvoll und behutsam, aber auch verdammt clever mit diesem Thema des „Fremdenhass“ um. Wir bekommen einen Blick auf beide Welten und erlangen ein Verständnis von beiden Welten und sehen mit unseren beiden Protagonisten die Fehler dieser Welten. Hier wird eine Geschichte über Freundschaft erzählt, ein kleiner Kampf gegen das Regime – auf kindgerechte Art und Weise, ohne dabei zu naiv oder albern zu sein. Nein, „Ernest & Célestine“ ist wirklich ein intelligenter, sanfter Film, der nicht vor großen Themen zurückschreckt, diese aber perfekt auf den Punkt bringt. Dabei sind mit der süßen Maus Célestine, die die kindliche Offenheit repräsentiert und der brummelige Einsiedler Ernest super sympathische Identifikationsfiguren geschaffen worden, mit denen man von Anfang an mitfiebern, mitlachen und mitleiden kann.

Neben der tollen Story und der wunderbaren Charaktere sieht „Ernest & Célestine“ einfach nur umwerfend aus. Ahhh… ich ärgere mich, dass ich das wahrscheinlich nicht ansatzweise in Worte fassen kann, aber ich versuche es mal. Dieser Film lebt von einem unglaublichen poetischen Zeichenstil, der mal nur sehr wenig von der Bildfläche füllt, dann wieder in vollen satten Farben strahlt und dabei immer aussieht, als hätte jemand direkt mit dem Pinsel diese wunderbaren Charaktere gemalt. Dazu kommt eine der besten Sequenzen überhaupt, in der der Übergang vom Winter zum Herbst musikalisch und bildlich untermalt wird. Mit jedem Ton entsteht ein kleiner Klecks, aus dem eine Blüte, ein Baum oder eine Wolke wird. Mit jedem Ton wandelt sich das Weiß des Winters zum Frühling… allein wegen dieser Szene lohnt es sich, zumal sie stellvertretend für den Einfallsreichtum der Macher von „Ernest & Célestine“ steht.

Dieser Film ist ein kleines Meisterwerk, in dem wirklich Optik und Geschichte in perfekten Einklang miteinander Hand in Hand gehen. Dieser Film regt zum Nachdenken an, lädt zum Mitlachen ein und einfach nur zum Genießen. Ich wünschte wirklich, ich hätte ihn auf der großen Leinwand gesehen. Dieser Film hat therapeutische Wirkungen, möchte ich jetzt mal sagen. Ich glaube wirklich, diesen Film kann man immer und immer wieder gucken und er wird einen immer mit einem wohligen Gefühl im Bauch und auf der Seele entlassen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein Gedicht von einem Animationsfilm – in jeglicher Hinsicht)

2 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2018 18:25

    Ich liebe diesen Film auch! Hab ihn meinem Neffen zu seinem 3. Geburtstag geschenkt und nachdem er erst mal Angst vor Ernest hatte, hat sich das ganz schnell gelegt ^^
    Ich weiß auch nicht, wie genau man den Zeichenstil bezeichnen kann, aber ist das nicht im Prinzip Aquarell?

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2018 23:59

      Ja. Das ist ein wundervoller Film. Und ja, wahrscheinlich würde man es schon Aquarell nennen. Bei sowas bin ich mir nie so sicher. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: