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Random Sunday #8: Revival & The Great God Pan

29. Juli 2018

Okay, Schande über mein Haupt. Es ist jetzt über ein Jahr her, seit ich den letzten zufälligen Sonntag zelebriert habe – und seit ich letztens von Miss Booleana auch drauf angesprochen wurde, will ich mich da nicht länger verstecken. Ich mag meinen speziellen Sonntag, bin nur in letzter Zeit nicht so dazu gekommen. Eine Tatsache, die sich aber ab jetzt wieder etwas ändern soll. Womit wir dann bei diesem Stephen-King-inspirierten Sonntag angekommen sind.

Ich habe King ja wirklich als Kind gelesen wie nichts gutes. Irgendwann war dann aber die Übersättigung da und ich hörte auf. Erst mit dem Buch zu „Under the Dome“ und zu „11/22/63“ fing ich wieder ein wenig an. Doch so wirklich kommt meine Begeisterung nicht zurück. Mit meinen letzten King-Buch habe ich das einmal mehr deutlich gemerkt: „Revival“.

Darin geht es um Jamie, den seit seiner Kindheit etwas mit dem Prediger Charles Jacobs verbindet. Jacobs verliert bei einem schweren Unfall Frau und Sohn und wendet sich Gott ab und wendet sich der Elektrizität zu (ich weiß, klingt erst einmal komisch). Mit Hilfe seiner Forschung hilft er Menschen, doch zu welchem Preis? Jamie, der als Erwachsener schwer Drogen abhängig wird, wird von seiner Sucht durch Jacobs befreit, doch wird seitdem von merkwürdigen Erscheinungen geplagt – und seine Nachforschungen ergeben, dass es anderen ähnlich geht, die Jacobs angeblich geheilt hat. Jamie stöbert also tiefer nach und kommt so langsam hinter das Geheimnis von Jacobs‘ merkwürdigen Experimenten.

King ist nett, aber mittlerweile hat er für mich echt ziemlich stark an Reiz verloren. „Revival“ ist auch nur nett. Das Buch zieht sich vom 5-jährigen kleinen Jamie bis hin zum alten Jamie hin und umspannt ein ganzes Leben. Dabei ist es ein Leben, dass nicht einmal sonderlich aufregend ist. Jamie ist Musiker, dann Junkie, dann Musik-Produzent und zwischendurch trifft er immer wieder auf den einstigen Pfarrer.

Die Story von „Revival“ hätte meiner Meinung nach als Kurzgeschichte einfach sehr viel besser funktioniert. Mehr hat King nicht zu erzählen, aber darin kommt Kings große Kunst zutage. Erst ist mittlerweile ein wahrer Könner darin geworden, seine Geschichten zu strecken, ohne das es einem auf den ersten Blick langweilig erscheint. In den beiden oben genannten Romanen ist mir das auch schon aufgefallen, bei „Revival“ kommt es aber so richtig schwer zu tragen. Eigentlich geht es um die große Frage, was Jacobs mit seinen Elektrizitätsexperimenten vorhat. Wir werden immer wieder mit kleinen Anekdoten gefüttert, bekommen hier und da einen kurzen Blick darauf, dass diese Experimente nicht so ganz koscher sind. Aber das war’s dann auch.

Zwischendurch gibt ein bisschen Sex, ein bisschen Drogen und viel Rock’n’Roll. An und für sich keine schlechte Mischung, aber bei King wirkt das alles ein wenig plakativ. Zumal er auch nie zu tief in die ganze Materie eindringt, sondern musikalisch an der Oberfläche kratzt und dieses Lebenszeitalter von Jamie nur schwer füllen kann.

Trotzdem bleibt man am Ball und wird am Ende mit einem schaurigen Finale belohnt, bei dem man sich dann aber wieder denkt: Das Ganze hätte als Kurzgeschichte viel besser funktioniert. Zumal Kurzgeschichte bei „Revival“ ein gutes Stichwort ist, schöpfte King nach eigenen Aussagen sehr viel Inspiration von einer Kurzgeschichte, von der ich ohnehin schon sehr viel gehört habe: Arthur Machens „The Great God Pan“. Und liest man nur die ersten paar Seiten, in denen es auch um ein Experiment geht, ist man wieder genau bei „Revival“.

Ich habe „The Great God Pan“ direkt nach King gelesen… der „The Great God Pan“ als eine der besten Horror-Geschichten beschreibt, die je geschrieben wurde. Dafür, dass die Geschichte 1894 erschienen ist, wirkt sie wirklich sehr modern und spannend. Das bereits angesprochene Experimente schlägt in dieser Geschichte große Wellen und ist wirklich auch bei weitem spannender als Kings ganzer Roman. Was an „The Great God Pan“ spannend ist, ist die Tatsache, dass Machen innerhalb von kurzer Zeit mehrere Menschen mit einem Experiment in Verbindung bringt. Er baut eine umfassende Gruselgeschichte, die schön verschachtelt ist.

„The Great God Pan“ hat einen Rhythmus an sich, der viel fesselnder als Kings „Revival“ ist. Machen verknüpft fiktive Dokumente, fiktive Tatsachenberichte zu einer kleinen Mischung aus Detektiv-Geschichte und Horror-Märchen über andere Welten und eben diesen Gott Pan.

Stephen King hätte gut daran getan, aus „Revival“ eine ähnlich kurze Angelegenheit zu machen, aber dann hätte man ihm vielleicht noch sehr viel mehr des Kopierens beschuldigen können. Zumal sich King am Ende von „Revival“ und auch schon zwischendurch hier und da zusätzlich noch bei H.P. Lovecraft bedient, um seiner Horror-Story mehr Tiefe zu verleihen.

Hat nur alles nicht so ganz geklappt. Wie gesagt, in Kurzform wäre „Revival“ sicherlich unterhaltsamer… weswegen ich nicht abgeneigt bin, Josh Boones Filmversion mit Russel Crowe in der Hauptrolle zu sehen. Filmisch könnte „Revival“ sehr viel mehr hergeben, da man so einiges wirklich einfach weglassen könnte.

Als einstiger King-Fan werde ich mich wohl nun wirklich vom Lesen des einstigen König des Horrors abwenden, bei seinen Verfilmungen aber vielleicht noch bleiben. Sehr zu empfehlen ist aber tatsächlich Arthur Machens „The Great God Pan“.

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