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Koma-Komiker

25. Juli 2018

Wie sicher der ein oder andere weiß, bin ich romantischen Komödien nicht abgeneigt. Ich hatte ja vor kurzem so eine kleine Phase, in der ich mir ein paar gute (und auch weniger gute) Vertreter dieses Genres angeschaut habe. Aber es war auch wirklich nur eine kleine Phase, sind sich die Vertreter dann doch recht ähnlich (und okay… ich wollte jetzt auch nicht den Ruf bekommen, nur noch sowas hier zu rezensieren). Doch dann und wann kommt dann doch dieser ein oder andere Film vorbei, der mal genauer unter die Lupe genommen werden will. „The Big Sick“ wurde mir dann irgendwann mal von amazon prime empfohlen und da habe ich – dank Hören-Sagen, dass der Film wirklich gut sein soll – mir das Ganze mal angeschaut.

Der aufstrebende Stand-Up-Komiker Kumail Nanjiani (eben dieser Kumail Nanjiani) widersetzt sich nicht nur mit seinem Berufswunsch den Wünschen seiner streng traditionsbewussten pakistanischen Eltern. Er will auch nicht in eine von seinen Eltern arrangierte Ehe einwilligen, obwohl die ihm jedes Wochenende eine neue Dame aus Pakistan vorstellen. Stattdessen verliebt sich Kumail in Emily (Zoe Kazan) und beginnt eine Beziehung mit ihr – ohne seinen Eltern davon zu erzählen oder ihr von den Heiratsbestrebungen seiner Eltern zu sagen. Es kommt, wie es kommen muss: Sie findet die zig Steckbriefe der Frauen, es kommt zum Streit und zur Trennung. Wochen später erfährt Kumail, dass Emily wegen einer Lungeninfektion im Koma liegt. Im Krankenhaus lernt er dann ihre Eltern kennen: Beth (Holly Hunter) und Terry (Ray Romano), die nicht nur selbst Probleme haben, sondern natürlich auch nicht Kumail sehen wollen. Doch der bleibt hart – und so müssen sich alle irgendwie mit einander arrangieren.

Humor ist wichtiger als Aussehen

„The Big Sick“ ist ja mal so gar nicht die Art von romantischer Komödie, die ich erwartet hatte – und das sage ich mit einem zufriedenen, breiten Grinsen auf den Lippen. Klar, der Anfang ist sehr typisch nach dem Motto: „Junge trifft Mädchen, Junge und Mädchen verlieben sich!“ inklusive einem großen Problem und einem dramatischen Ende. Was für andere Filme gefühlt 80 Prozent der Handlung ausmacht, ist bei „The Big Sick“ wirklich gerade einmal die erste Hälfte des Films. Danach geht es vielmehr darum, wie Kumail sich Emilys Eltern annähert und darüber mehr zu sich selbst findet und auch einen Weg, seinen eigenen Mann zu stehen. Ab da ist „The Big Sick“ eine etwas verkehrte Coming-Of-Age-Story, in der verschiedene Kulturen, unterschiedliche Ansichten und Meinungen aufeinander treffen. „The Big Sick“ ist da auch ein wenig das amüsante Aufeinander-Treffen der Kulturen.

Was man sich bei diesem Film dann auch immer ein wenig vor Augen halten muss, ist die Tatsache, dass er auf wahren Begebenheiten beruht – und vielleicht gerade deswegen so gekonnt die Schwierigkeiten einer typischen romantischen Komödie gekonnt umschiffen kann. Diesen Film als romantische Komödie zu bezeichnen, wird ihm eigentlich auch nicht wirklich gerecht. Denn „The Big Sick“ geht nicht nur der Frage nach der Liebe zwischen Mann und Frau nach, sondern auch der Liebe zur Familie, zur eigenen Herkunft und und und…

Dabei lebt der Film von seinem super sympathischen Hauptdarsteller Nanjiani. Ich glaube, das ist mein erster Film mit ihm in einer Rolle, aber ich fand ihn von Anfang an super (und nein, das lag nicht nur daran, dass er das „Akte X“-Theme als Handyklingelton hatte). Ich mag seinen Humor und gerade auch wie er diesen Humor in diese doch sehr tragische Geschichte einbaut. Er trägt diesen Film gekonnt auf seinen schmächtigen Schultern und hält dabei immer wieder super die Balance zwischen Tragödie und Komödie. Und das ist das Spannende an sich: Diesen Film hätte man auch wirklich als absolut tragischen Film erzählen können – und er wäre auch packend gewesen. Es kommt halt nur auf die Perspektive an, Kumail ging es bei seiner eigenen Geschichte aber nicht darum, einfach auf die Tränendrüse zu drücken. Er will von sich erzählen, von seinem Werde-Gang als Mensch – und das gelingt ihm großartig.

Selbst ein Ray Romano, den ich nur aus seiner Sitcom kenne, ist in „The Big Sick“ gut aufgehoben und zeigt von sich eine Seite, die ich zumindest noch nicht kannte. Das mal nur so nebenbei.

„The Big Sick“ ist ein bisschen Bollywood (auch wenn Nanjiani Pakistani ist) nur ohne Singen, es ist Tragödie, Komödie und Culture-Clash-Film in einem. Eine ungewöhnliche Mischung, die aber wunderbar funktioniert – und eine spannende Geschichte von zwei Menschen erzählt, die ohne Kitsch, aber sehr authentisch erzählt wird.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Komiker macht auf ernst – und trifft voll ins Schwarze)

4 Kommentare leave one →
  1. 25. Juli 2018 08:08

    Oh ja, den mochte ich auch sehr! 🙂
    Für mich sogar die beste RomCom (wenn man so will), die ich seit langer Zeit gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      25. Juli 2018 14:48

      Absolut. Wie gesagt, ich tue mich noch schwer, es wirklich RomCom zu nennen, weil es einfach noch so viel anderes ist. Aber ja, ein toller Film!

  2. 25. Juli 2018 11:04

    Wunderbarer Film, den ich letztes Jahr zum Glück noch im Kino erwischt hatte. Schau dir auch mal Silicon Valley mit Nanjiani an, da hat er zwar nicht die Hauptrolle, aber die ganze Serie macht Spaß.

    • donpozuelo permalink*
      25. Juli 2018 14:48

      Danke für den Tipp. Werde ich mir mal merken!

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