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Los Muertos

23. Juli 2018

Ich kann auch nicht aufhören. Das ist eigentlich das Schlimme daran. Ich habe mal zusammen mit einem sehr guten Freund die komplette „Wayward Pines“-Trilogie gelesen, einfach nur, weil wir uns auf die gleichnamige Serie von M. Night Shyamalan vorbereiten wollten. Es war eine ziemliche Katastrophe. Was Crouch da in drei Bücher packt, hätte ein fähigerer Autor in ein Buch gepackt. Aber vielleicht war Crouch auch einfach nur clever, immerhin hatte er mit mir und meinem Kumpel schon zwei Dumme gefunden, die alle drei Bücher gekauft hatten. Wenn man uns gefragt hat, warum wir uns den Mist angetan haben, war die Antwort stets: „Naja, wir wollten wissen, wie es zu Ende geht… und naja, irgendwie ist die Idee ja ganz cool… blablabla….“ Ein wenig ergeht es mir jetzt mit „Fear the Walking Dead“. Ich kann nicht aufhören. Staffel 1 war gerade mal so okay. Viele Dinge haben mir gefehlt und eigentlich denke ich mir immer wieder, es gibt tausend andere Serien, die ich lieber gucken würde. Aber ich kann nicht aufhören. Ich habe ein wenig Potenzial gesehen und gucke erst einmal weiter… so lande ich dann heute bei der zweiten Staffel von „Fear the Walking Dead“.

Madison (Kim Dickens) und Travis (Cliff Curtis) sind mit Victor Strand (Colman Domingo) und ihrer kleinen Truppe auf einer Jacht unterwegs Richtung Mexiko. Schon die Fahrt übers offene Meer erweist sich als kleines Abenteuer, gibt es da doch verrückte Inselbewohner (die wenigstens eine coole Folge abgeben) und komische Piraten (die ziemlich nervig waren). Anschließend geht es in Mexiko aufs Land auf eine Farm (TWD Staffel 2 lässt grüßen), bevor die Gruppe dann aufgespalten wird: Travis und sein nerviger Sohn Chris (Lorenzo James Henrie) ziehen alleine los, Madison ist mit Strand und Alicia (Alycia Debnam-Carey) in einem Hotel voller Untoter und Nick (Frank Dillane) findet eine Kolonie, in der er nicht nur die taffe Luciana (Danay Garcia) trifft, sondern auf viele Los Muertos und Drogenkartelle, die jetzt mit Wasser handeln.

Der Moment, ab dem Staffel 2 interessant wird

Ich sag es frei raus: Die erste Hälfte von Staffel 2 war nett. Nicht mehr und nicht weniger. Victor Strand erweist sich hier als bester Neuzugang der Serie, der knallhart sein Ding durchzieht und sich kaum einen Dreck darum schert, was die anderen sagen: sein Boot, seine Regeln. Cooler Typ. Ansonsten kann man von der ersten Hälfte nicht sonderlich viel berichten. Ich dachte noch, dass dieses „Alle-auf-einem-Boot“-Kammerspiel irgendwie ja ganz witzig sein könnte, aber in der Gruppe selbst gibt es jetzt nicht so viele Reibereien, weil sich ja schon alle kennen. Deswegen kommen von außen welche hinzu… die Insel-Folge war wirklich cool, die Episoden mit den Piraten waren selten dämlich und hatten sich, obwohl es nur so zwei, drei waren, extrem lang angefühlt. Das war furchtbar hinkonstruiert und albern dargestellt.

Zum Glück war das schnell vorbei und dann kam diese Farm, die doch in so ziemlich allen Belangen extrem stark an Hershels Farm-Story aus TWD Staffel 2 erinnert hat – inklusive der Auflösung, was die Herrin der Farm so in ihrem Keller hat. Das sind die ersten sieben von 15 Folgen, die sich ein wenig ziehen… und in denen ich mich schon gefragt habe, ob ich nicht doch lieber aufhören sollte. Aber dann macht „Fear the Walking Dead“ etwas, dass die Mutter-Serie mal kurz ausprobiert, aber nie wirklich voll und ganz durchgezogen hat: Die Gruppe wird gespalten und alle drei Parteien: Travis und Chris, Madison und Co. und Nick bekommen ihre eigenen Geschichten. Die allesamt dann doch sehr viel spannender sind als gedacht, zumal die Macher hier und da innerhalb der Folgen auch ein wenig mit der Chronologie spielen, uns das Ende zum Anfang liefern und dann erzählen, wie es dazu kam und solche Sachen. Das macht das Ganze dann doch wieder interessant.

In diesen einzelnen Geschichten baut Frank Dillane sich noch mehr zu meinem Serien-Favoriten auf, zumal seine Story in Staffel 2 auch am interessantesten ist. Wenigstens wird hier mit dem Wasser verkaufenden Drogenkartell ein wenig gezeigt, wie andere die Situation ausnutzen. Es gibt zwar immer noch nichts von den Regierungen oder dem Militär, aber hey… Staffel 3 vielleicht 😀 Auf jeden Fall gefielen mir die Nick-Episoden allesamt richtig gut (zumal er – chronologisch gesehen – der erste ist, der sich mit Zombie-Blut einschmiert und er sowieso ein bisschen loco ist).

Madisons Hotel-Story war okay… und die Travis-Story war auch so lala… bis zu dem Punkt, an dem man Sohnemann Chris so richtig stark zu hassen anfängt und Travis ihn an eine Gruppe junger Männer verliert. Die Auflösung der Geschichte in der vorletzten Folge zeigt nicht nur Travis als absolutes Tier, sondern ist vielleicht auch die brutalste Folge, die ich je im „Walking Dead“-Universum gesehen habe. Meine Fresse, da haben sich die Macher echt gedacht: „Okay, komm, wir brauchen jetzt was, worüber die Leute so reden können!“ Mission accomplished!!! Au weia… das war hart und meine Güte, was sie damit aus Travis machen, ist schon ziemlich krass.

„Fear the Walking Dead“ bleibt auch in Staffel 2 eher durchwachsen, zeigt aber gerade zum Ende hin, dass sie spannender erzählen können, als es die Mutter-Serie jemals konnte. Somit kann ich dann auch jetzt noch nicht mit der Serie aufhören, denn sie zeigt noch ein bisschen mehr Potenzial (und immerhin ging es bei „Fringe“ damals auch erst so richtig mit dem Ende von Staffel 2 los – meine Go-to-Serie, wenn es um das Thema Geduld geht). Außerdem wird mir ja immer wieder gesagt, dass Staffel 3 richtig, richtig gut sein soll. Also schauen wir mal…

Wertung: 7 von 10 Punkten (erste Hälfte lahmt, zweite Hälfte überzeugt – die Serie sucht nach wie vor ein wenig ihren eigenen Weg)

7 Kommentare leave one →
  1. 23. Juli 2018 08:37

    Oh, vielleicht hätte ich dann doch dranbleiben sollen? Bin ja nach der ersten Hälfte ausgestiegen.

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2018 16:06

      Nicht wirklich, glaube ich. Ich hänge jetzt gerade in der Mitte von Staffel 3, die mir von Fans in meinem Freundeskreis als die beste Staffel überhaupt angepriesen wurde und ich finde es nicht besonders berauschend. Es zieht sich wie Kaugummi und am Ende hocken die da jetzt gerade auch nur auf einer Farm rum und warten.

      Ich würde mal sagen, du hast alles richtig gemacht 🙂

      • 23. Juli 2018 19:22

        Yeah! 😁

        • donpozuelo permalink*
          23. Juli 2018 21:17

          Hier kannst du dann weiterlesen, was du nicht verpasst. Denn ich werde wohl nicht aufhören können 😀

  2. 23. Juli 2018 13:46

    Rein gefühlt habe ich davon bereits 10 Staffeln gesehen, der Mist zieht sich wie Kaugummi und ich weiß, ich muss die vierte Staffel auch ertragen. Und gerade sehe ich, dass ich nichts zur dritten geschrieben habe *kreisch* wie konnte mir das entgleiten?
    Wahrscheinlich hatte ich so nie Nase voll… :))
    Aber ich will nichts vorwegnehmen, nur: Madison bleibt uns erhalten!

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2018 16:07

      Du hast vollkommen Recht. Es zieht sich wirklich wie Kaugummi. Ich stecke gerade mitten in Staffel 3, die mir von vielen als die beste Staffel verkauft wurde und finde es gerade extrem langweilig.

      Naja, mal schauen…

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