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Die Hard 2.0

13. Juli 2018

Stirb Langsam“ ist Kult – soviel steht wohl fest (obwohl ich schändlicherweise immer noch Freunde habe, die diesen Film nicht gesehen haben. Ich weiß, ich weiß, da bin ich meiner Verpflichtung als Filmbotschafter nicht wirklich gut nachgekommen.) Und ich muss sagen, ich habe immer wieder Angst vor dem Moment, an dem jemand in Hollywood auf die Idee kommt: „Mensch, die Kids von heute kennen doch bestimmt gar nicht mehr John McClane. Das müssen wir dringend ändern! It’s remake time!!!“ Davor habe ich wirklich Angst. Das wäre schon wirklich ein Affront, eine absolute Sünde. Weit davon entfernt scheinen wir aber mittlerweile nicht mehr zu sein, denn niemand geringeres als Dwayne Johnson und „We’re the Millers“-Regisseur Rawson Marshall Thurber wagen den ersten Schritt und bedienen sich in ihrem Action-Film „Skyscraper“ maßlos an dem alten Klassiker.

Der ehemalige FBI-Agent Will Sawyer (Johnson) soll für den Architekten Zhao Long Ji (Chin Han) die Sicherheit der „Pearl“ überprüfen. Die „Pearl“ ist ein riesiger Wolkenkratzer in Hongkong mit eigener Energie-Versorgung, einem mehrere Stockwerke hohem Park innerhalb des Gebäudes – kurz gesagt, es ist eine Kleinstadt im Inneren eines Wolkenkratzers. Sawyer bestätigt dem „Pearl“ die beste Sicherheit – ein großer Fehler, denn kaum ist das alles geklärt, überfallen Terroristen das Hochhaus, stecken ein Stockwerk in Brand und halten somit auch Wills Familie (Neve Campbell spielt seine Frau) fest. Der einstige FBI-Agent macht sich auf, den Turm in Hongkong zu erzwingen.

Klebeband hilft immer!!!

„Skyscraper“ ist kein guter Film, aber er ist auch kein schlechter Film. Es ist ein Dwayne-Johnson-Film. Der Typ will unterhalten, spielt gerne den Helden und rettet am Ende den Tag. „Skyscraper“ ist Popcorn-Kino der Art „Hirn aus und Spaß haben“! Logik darf und sollte man dringend draußen lassen, denn ansonsten gerät man in diesem Film arg ins Straucheln. Wie zur Hölle hat dieser heroische Sprung vom Kran ins Hochhaus jemals funktionieren können? Wie kommt dieser Muskelberg innerhalb von wenigen Augenblicken durch dieses Hochhaus? Was zur Hölle tut dieser mächtige Rock, als er irgendwann „eine Brücke stablisiert“ (Wirklich eine Frage, die ich mir nach wie vor stelle)? Wieso ist Duct Tape nur so effektiv? Ganz ehrlich, wenn Tom Cruise für „Mission: Impossible 4“ Tape gehabt hätte, wäre er den Burj Khalifa in Nullkommanichts hochgeklettert.

Kurz gesagt: „Skyscraper“ macht keinen Sinn – in all seinen Action-Sequenzen, aber wenn ein Will Sawyer selbst einmal sagt: „Das ist einfach nur bescheuert!“, dann hat man wenigstens die Gewissheit, dass Johnson und Thurber diesen Film nicht zu ernst nehmen. Und das rettet ihn zum Glück und macht ihn ganz unterhaltsam – auf eine dumme, unterhaltende Art und Weise.

Wenn man dann eben auch noch ein Fan von „Stirb Langsam“ ist, kann man sich die Zeit zusätzlich noch damit vertreiben, die gefühlt tausenden Verweise auf John McTiernans Klassiker zu finden. Vom Sprung aus dem Fenster (McClane benutzte einen Schlauch, Sawyer nimmt einfach Seil), vom Cop-Sidekick (der im Original viel cooler ist) und dem anfänglichen Verdacht, McClane würde zu den Terroristen gehören (das passiert Sawyer auch) bis hin zu abstürzenden Hubschraubern und Tresoren in einem Hochhaus, die dringend geknackt werden müssen: Es ist alles da. „Skyscraper“ ist zum Glück trotzdem kein Remake, wir könnten uns wohlwollend auf den Begriff Hommage einigen. Das wäre noch okay. Immerhin steckt ja auch noch ein bisschen „Flammendes Inferno“ mit dabei.

„Skyscraper“ möchte einfach ein bisschen altes Katastrophen-Kino und Action-Film mit einander verbinden. Innovativ ist der Film dabei kein Stück, aber auf seine komplett überzogene Art und Weise unterhaltsam. Dwayne Johnson spielt den sympathischen Held – so wie immer und wird zum Superman, der links und rechts die Feinde wegkloppt und am Ende noch einen coolen Spruch auf den Lippen hat. Mit diesem Film wandelt er wirklich auch ein wenig auf den Spuren eines Schwarzeneggers – Muskelprotz-Action pur.

Ich habe es ja schon mehrfach gesagt: „Skyscraper“ ist unterhaltsam – auf eine Gaga-Weise. Der Film nimmt sich nicht ernst, also sollte man ihn wirklich auch nicht ernst nehmen. Dann kann man wirklich Spaß damit haben. Große Spannung kommt aber einfach nicht auf. Als ob Super-Johnson wirklich fehlbar wäre…

Wertung: 6 von 10 Punkten (dieses Hochhaus mag zwar größer sein, aber ich bleibe dann doch lieber beim Nakatomi Tower)

6 Kommentare leave one →
  1. 13. Juli 2018 10:41

    „Mensch, die Kids von heute kennen doch bestimmt gar nicht mehr John McClane. Das müssen wir dringend ändern! It’s remake time!!!“

    Keine Sorge, Hollywood hat bereits andere Pläne und macht ein Prequel mit einem jungen John McClane vor dem ersten Teil. Wird sicher ein spannender Streifen, in dem John den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt oder auf Streife geht, ohne jegliche Ereignisse, denn wie wir alle wissen, ist ihm vor der Nakatomi-Sache nichts weiter aufregendes passiert. Nur Hollywood weiß das vermutlich nicht.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2018 17:41

      Soll der wirklich immer noch kommen? Und sollte das nicht eigentlich so eine Art Prequel-Sequel sein? So von wegen ein Teil die Vorgeschichte (warum auch immer) und ein Teil als Fortsetzung, in der immer noch Bruce Willis mit spielt?

      Aber ganz ehrlich, sie sollten es lieber einfach sein lassen. Die letzten „Die Hard“-Filme hat doch schon kein Mensch mehr gebraucht.

      • 13. Juli 2018 20:05

        4 fand ich sogar noch ganz okay, bis auf das Ende, wo McClane dann zum Superheld mutiert und den Jet surft. 5 war natürlich komplette Scheiße.

        Und ja, ich glaube, das ist immer noch der Plan, auch wenn ich absolut nicht raffe, was dabei für eine Grütze rauskommen soll.

        • donpozuelo permalink*
          16. Juli 2018 11:16

          4 fand ich auch noch okay – bis zu einem gewissen Grad. Teil 5 war einfach kein „Stirb Langsam“ mehr, sondern einfach nur noch generischer Action-Kram.

          Aber echt… diese Prequel-Sequel-Mischung kann doch nur in die Hose gehen. Dann sieht man auf der einen Seite einen gelangweilten Bruce Willis und auf der anderen irgend einen traurigen Versuch einer Vorgeschichte. Warum können sie das nicht einfach in Ruhe lassen?

        • 16. Juli 2018 18:50

          Weil sie einfach absolut keine Ideen mehr haben (oder nicht haben wollen). Es wird einfach alles so lange wiederholt, ausgegraben und neuaufgelegt, bis man auch die letzte Filmreihe zerstört hat. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, den ganzen Quatsch nicht mehr als Kanon zu sehen, damit ich nicht auch noch das kalte Kotzen kriege, wenn ich mir mal wieder die guten alten Filme angucke.

        • donpozuelo permalink*
          17. Juli 2018 21:46

          😀 😀 😀

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