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Das erste Reinemachen

11. Juli 2018

Prequels… ich weiß nie so richtig, ob ich davon nun ein Fan sein soll oder nicht. „Star Wars“ hat mir gezeigt, dass ich besser kein Fan sein sollte. Das „Planet der Affen“-Prequel-Reboot-Sequel-Was-auch-immer-Ding hat wiederum gezeigt, dass sowas mit einer guten Idee wirklich funktionieren kann. Am Ende ist es aber trotzdem ein Schritt, der in vielen Fällen nicht unbedingt notwendig ist. Wenn die Filme gut ausgebaut sind, weiß man genug über die Vorgeschichte und kann seine Fantasie ein wenig spielen lassen. Dann braucht es kein Prequel. Aber Hollywood gibt ja bekanntlich einen feuchten Dreck, was wir brauchen und was nicht. Deswegen MUSS auch jeder wichtige Film irgendwann ein Prequel bekommen – und gerade Horror-Filme sind prädestiniert dafür, uns die Vorgeschichte von XY zu zeigen. Ob wir nun wollen oder nicht. Aber wie gesagt, manchmal kann eine Vorgeschichte ja auch interessant sein… vorausgesetzt, man macht es gut. James DeMonaco hat sich selbst eigentlich eine gute Vorlage gegeben, aber sie nicht so ganz zur Vollendung geführt. Nach den ersten drei „Purge“-Filmen kommt jetzt mit „The First Purge“ die allererste Purge-Nacht.

In den USA herrscht Chaos… und die Regierung hat Schwierigkeiten, diesem Chaos Herr zu werden. Aus diesen Wirren steigt eine neue politische Partei hervor – die New Founding Fathers of America. Die kommen, dank der Psychologin Dr. May Updale (Marisa Tomei), auf die Idee, den wütenden Menschen eine Chance zu geben, ihrer Wut freien Lauf zu lassen. Für 12 Stunden… denn angestaute Wut muss abgebaut werden, dann geht es den Menschen sofort besser. Als Testort wird Staten Island auserkoren und die NFFA bietet den Anwohner sogar Geld, wenn sie bei dieser ersten Purge mitmachen. Ein cleverer Schachzug, leben dort doch hauptsächlich die Armen New Yorks. Trotz Protesten findet die erste Purge-Nacht statt… und die junge Nya (Lex Scott Davis) versucht mit ihrem Bruder Isaiah (Joivan Wade) und ihrem Ex-Freund und Obergangster von Staten Island Dmitri (Y’lan Noel) diese erste Nacht zu überleben.

Alles hat einen Anfang…

Ich mag die „Purge“-Filme, vor allem eben wegen diesem Gedanken-Experiment: Was würde es wirklich bringen, wenn man den Menschen gestatten würde, einmal im Jahr für 12 Stunden alles machen zu können, um jedweden Stress und Frust einfach abzubauen? Wie viel kaputtes Tier würde aus einem selbst herauskommen, wenn man diese Chance hätte? Eine gute Frage für einen Film. Natürlich sind die „Purge“-Filme Horror-Filme, dementsprechend eskaliert hier alles immer sehr heftigt (an dieser Stelle denkt euch bitte alle selbst das „Anchorman“-Meme „That escalated quickly!“). Jeder Teil wurde noch härter, noch blutiger und brutaler.

Teil 4 macht da keine Ausnahme und bleibt der Reihe treu. Nach anfänglichem Zögern wird auch hier bald gemetzelt, was das Zeug hält. Allerdings – und dafür bin ich James DeMonaco echt sehr, sehr dankbar – versteckt er einen kleinen Twist in dieser ersten Purge, damit wir nicht sofort den Glauben an die Menschheit verlieren. Und dennoch hätte ich mir mehr von diesem Film gewünscht – eben gerade weil er das Prequel ist. Letztendlich erzählt uns „The First Purge“ wirklich gar nichts neues, was wir nicht schon kannten. Am Ende ist er einfach nur ein weiterer Purge-Film, der nach der typischen Säuberungsformel vorgeht: kleine Gruppe versucht diesen Alptraum zu überleben. Als Film so an sich ist das „unterhaltsam“ und auch spannend, aber als „Purge“-Prequel hat mir das einfach nicht gereicht.

Ich hätte mir ein wenig mehr von Dr. May Updales vermeintlicher Forschung gewünscht. Ich hätte gerne mehr vom Aufstieg der NFFA erfahren. Das Problem ist dabei nur, dann wäre das halt kein „Purge“-Film mehr gewesen. Es wäre ein Polit-Thriller geworden, in dem eine verworrene Ideologie auf Basis der Wissenschaft ihren Weg in die Köpfe der Menschen findet. Sicherlich wäre das ein interessanterer Film geworden, wenn DeMonaco mit seinen ersten drei Filmen nicht schon die Horror-Schiene eingeschlagen hätte. „The First Purge“ hätte wirklich ein wenig tiefer in die Ursprünge dieser Nacht eintauchen können. Dem Ganzen ein bisschen mehr Hand und Fuß geben können – mit ein wenig Bullshit-Wissenschaft. Warum auch nicht? Sicherlich hätte man auch das irgendwie Horror-mäßig mit fiesen Experimenten vorab untermauern können. Wäre dann halt kein typischer Purge-Film gewesen, aber warum auch nicht?

So wird halt brav die Purge-Formel eingehalten und nicht viel neu gemacht. Ich muss gestehen, die Geschichte von Nya und ihrem Bruder fand ich noch spannend – gerade weil sie gegen das Purgen ist und er es doch versuchen will. Wer mir aber sehr auf den Keks ging, war Gangster Dmitri, der im Film mehr und mehr zu Rambo und Superman in einer Person wird, große Sprüche klopft und alles niedermäht, was sich ihm in den Weg stellt. Frank Grillo war in Teil 2 wenigstens noch wirklich kampferprobt. Dmitri ist einfach nur von 0 auf 100 Superheld!

„The First Purge“ macht nichts neu, was wünschenswert gewesen wäre (gerade für eine Vorgeschichte). „The First Purge“ macht aber auch nichts wirklich falsch – in seinem eigenen Purge-Universum. Es ist halt alles wie immer. Und am Ende wirklich nur was für Fans der Reihe.

Wertung: 6 von 10 Punkten (unterhaltsam auf seine Weise, aber schon eine verpasste Chance, das Purgen ein wenig mit eigener „Mythologie“ zu untermauern)

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4 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2018 07:51

    Wie auch die anderen Filme der Reihe fand ich auch diesen hier wieder gelungen und fühlte mich in den nicht mal 2 Stunden gut unterhalten. Handgemachte Action zieht doch mehr als dieses bunte Blue-Screen Gedäns bei Marvel. Aber ich fand es auch schade, dass sie dem ganzen nicht mehr Hintergrund gegeben haben. Mit Zeitsprüngen zwischen der Purge-Nacht und der Vorgeschichte wäre das eigentlich auch kein Problem gewesen.

    • donpozuelo permalink*
      11. Juli 2018 18:41

      Gerade bei einem Prequel hätte man auch wirklich mehr Vorgeschichte bieten können. Dafür ist es ja da. So war es einfach nur das Gleiche zum vierten Mal. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut.

  2. 14. Juli 2018 15:41

    Mich reizen diese Filme mal so gar nicht. Wie schon bei Saw hab ich das Gefühl, hier wird stupide Gewalt in eine pseudo-sozialkritische Geschichte verpackt. Habe keinen gesehen, aber so ist zumindest mein Eindruck…

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2018 10:58

      Ja, da trifft es dein Eindruck eigentlich schon recht gut. Am Ende ist es wirklich nicht mehr als das. Aber wenigstens geht es nicht ganz so ins Extreme wie Saw.

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