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Operation Cobalt

9. Juli 2018

Mein bester Freund nervt mich seit Wochen und Monaten mal wieder damit, dass ich unbedingt eine ganz bestimmte Serie gucken soll. Und gut, ich wehre mich komischerweise immer wacker gegen seine Vorschläge, nur um sie am Ende doch anzunehmen und dann auch tatsächlich toll zu finden (so verdanke ich ihm „Bojack Horseman“, „Buffy“ und „Angel“ und meine wiederentdeckte Liebe zu „The Walking Dead“). „The Walking Dead“ ist dabei ein gutes Stichwort: Besagter Freund ist irgendwann ein wenig von Rick Grimes und Co. abgewichen. Er hat’s immer noch geguckt, aber seine Begeisterung war ein wenig dahin. Dafür hatte er die Spin-Off-Prequel-Serie aber mehr und mehr in sein Herz geschlossen – und liegt mir jetzt seit Wochen und Monaten damit im Ohr, ich müsse doch unbedingt „Fear The Walking Dead“ gucken. Die Serie sei mittlerweile viel besser als die Mutter-Serie und die aktuelle vierte Staffel wäre einfach nur der Hammer und mal was ganz Neues. Ich habe mir das brav angehört, aber immerhin wieder gesagt: „Ich glaube eher nicht. Es gibt so viele andere Serien. Bla bla bla…“ Was mich jetzt letztendlich umgestimmt hat, der Serie doch eine Chance zu geben, ist die nicht enden wollende Euphorie seinerseits über die vierte Staffel. Und da Staffel 1 von FTWD ja nur sechs Folgen hat (ganz im Sinne von „The Walking Dead“ Staffel 1) habe ich es mal geguckt.

Der Ausbruch eines unbekannten Virus trifft die Bewohner von Los Angeles vollkommen unerwartet. Keiner weiß, woher das Virus kommt. Sicher ist nur, es scheint die Toten wieder zu beleben. Doch anfangs will das niemand so richtig wahr haben. In den Wirren der anfangenden Zombie-Apokalypse versucht die kleine Patchwork-Familie von Madison Clark (Kim Dickens) mit dieser Situation klar zu kommen. Ihr Sohn Nick (Frank Dillane), ein Heroin-Süchtiger, hat den ersten Kontakt mit den Untoten, doch zu dem Zeitpunkt will ihm noch keiner so richtig glauben. Weder seine Mutter noch Schwester Alicia (Alycia Debnam-Carey) noch Madisons Verlobter Travis (Cliff Curtis). Doch irgendwann nimmt die Epidemie Übermaß – und das Militär schreitet ein.

Gruppenfoto – ohne Untote

Es ist wie mit jedem Prequel, oder? Die berühmte Frage, ob man so dringend erzählen muss, wie alles angefangen hat. Gut, Rick lag in „The Walking Dead“ ja ziemlich lange im Koma und hat nicht mitbekommen, wie die Welt den Bach runter ging. Aber muss man da jetzt noch eine Serie draus machen? Ich muss gestehen, ich bin nach Staffel 1 von „Fear The Walking Dead“ noch ein wenig unschlüssig. Immerhin kann „Fear“ dem ganzen Zombie-Ausbruchsszenario nicht wirklich etwas Neues hinzufügen, was wir nicht letztendlich schon tausend Mal in anderen Filmen oder Serien gesehen haben. Das Militär ist überfordert, die Menschen flüchten in Panik. Es werden Quarantäne-Zonen eingerichtet, die vermeintlich sicher sind, nur damit sie sich irgendwann als doch nicht so sicher erweisen und überrannt werden. Erzählerisch behandelt „Fear The Walking Dead“ all diese Dinge recht konventionell und ohne so wirklich was Neues dazu zu erfinden. In der Welt von „The Walking Dead“ ist das eine nette Randnotiz, aber jetzt auch nichts, was man sich nicht so hätte herleiten können.

Ihr merkt, so ganz hat es scheinbar doch nicht mit mir und „Fear The Walking Dead“ geklappt… aber auch wenn ich die Story jetzt nicht super aufregend fand, war es doch irgendwie auch interessant zu sehen. Es ist halt einfach mal ein anderer Blickwinkel und mit Madisons kleiner Familie ist eine interessante Gruppe aus unterschiedlichen Charakteren in diesem Chaos gefangen. Doch ich muss auch ehrlich sagen, dass mich außer Madison und Nick die anderen Charaktere nicht so wirklich interessiert haben. Madison und Nick sind noch am stärksten ausgebaut – Madison, weil sich halt alles einfach von Anfang an um sie dreht und wir erleben, wie ihre kleine, vermeintlich heile Welt so langsam zerfällt; Nick, weil er einfach ein Junkie ist und gleichzeitig auch ein gerissenes Schlitzohr, der irgendwie versucht, sein Ding durchzuziehen. Alle anderen sind schmückendes Beiwerk. Nur noch interessant sind der am Ende eingeführte undurchsichtige Strand (Colman Domingo), der zumindest vermuten lässt, dass er ein cooler Charakter werden könnte und Daniel Salazar (Ruben Blades), der sich schon mal als Foltermeister unter Beweis stellt und sicherlich noch für Ärger sorgen wird.

Alles in allem bin ich von „Fear The Walking Dead“ noch nicht so ganz überzeugt. Die ersten sechs Folgen, die erste Staffel war nett, aber mehr auch noch nicht. Ich weiß nicht, ob ich bei so einem Prequel noch mehr hätte sehen wollen, wie die Regierung reagiert, wie vielleicht die Wissenschaft reagiert. Vielleicht hätte man das Ganze mal komplett anders aufziehen können als nur wieder eine Familie in den Vordergrund zu rücken. Wie gesagt, das war alles nicht schlecht und liefert ein paar kleine neue Ansätze im „Walking Dead“-Universum, so richtig umgehauen hat es mich aber noch nicht.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Walking Dead Origins fängt langsam an)

5 Kommentare leave one →
  1. 9. Juli 2018 08:41

    Mit dieser ersten Staffel hast du das Beste schon gesehen. Danach geht es leider ziemlich rapide bergab, so zumindest mein Eindruck.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2018 23:05

      Ich höre eigentlich immer das Gegenteil. Dass es besser werden soll. 🙂

Trackbacks

  1. Los Muertos | Going To The Movies

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