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Der Wagen vom Chef

6. Juli 2018

Manchmal wünschte ich, ich würde nicht so eine innerliche Verpflichtung zu meinem Blog und natürlich zu euch, meinen treuen Lesern haben. Denn dann würde es mir wahrscheinlich leichter fallen, zuhause einfach mal einen Film auszumachen, der mir einfach nur auf den Keks geht. Doch nach knapp 10 Jahren des Bloggens schaltet sich in dem Moment, an dem ein normaler Mensch einfach ausschalten würde, ein Schalter bei mir um… ich fange an, die Dinge, die mich stören, noch weiter zu analysieren. Ich fange schon an mir zu überlegen, was ich alles an diesem Film zerreißen möchte – und schaue gefühlt nur noch halb richtig hin, während ich in Gedanken schon die Liste für den kommenden Verriss schreibe. Und wenn ich ehrlich sein soll: Es macht ja auch Spaß, dann und wann mal einen Verriss zu schreiben. Immer nur gute Filme vorzustellen, ist doch langweilig 😀

Also zum Wohle des Blogs, zur Freude (hoffentlich) von euch – kommt jetzt die Warnung: Lasst die Finger von dem Film „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“. Ich weiß, der Titel klingt verdammt cool und war eigentlich auch das, was mich zu diesem französischen Film in allererster Linie gezogen hat. Doch leider ist der Titel auch schon fast das Einzige, was an diesem Film cool ist – zumal der Titel eine kleine Lüge ist: es gibt die Lady, es gibt das Auto und auch die Brille, nur auf die Waffe müssen wir verdammt lange warten müssen. Aber ich greife voraus.

Die junge Sekretärin Dany (Freya Mavor) soll über Nacht bei ihrem Chef ein wichtiges Projekt beenden, während er mit seiner Frau auf eine Party geht. Pflichtbewusst erfüllt Dany ihre Aufgabe, nur um am nächsten Tag eine neue zu bekommen. Chef und Frau (Benjamin Biolay und Stacy Martin) wollen in den Urlaub und Dany soll sie zum Flughafen fahren. Anschließend soll sie dann bitte den Wagen, einen schicken Thunderbird, zurückfahren. Statt jedoch nach Paris zu fahren, will Dany ans Meer und „entführt“ den Wagen vom Chef. Und dann wird es merkwürdig… mehr und mehr Leute auf ihrer Fahrt zum Meer behaupten, sie schon einmal gesehen zu haben, was eigentlich unmöglich ist. Nur es hört da einfach nicht auf.

 

„The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ versucht ganz verzweifelt auf Mystery zu machen. Allerdings tut sich Regisseur Joann Sfar extrem schwer damit, diese Mystery-Geschichte auch nur ansatzweise aufzubauen. Es kommen halt einfach nur ständig irgendwelche Leute, die Dany anquatschen, die ist irgendwann genervt, faucht die Leute an und fährt quasi weiter zur nächsten Person, die sie solche Sachen fragt. Das nervt nicht nur Dany, sondern nervte auch mich extrem schnell. Sfar baut hier kein Geheimnis auf, es ist einfach nur merkwürdig – und wird nur noch merkwürdiger, als Dany in einer Tankstelle angegriffen wird und keiner bemerkt was. Dabei saßen gerade noch gefühlt 10 Leute da rum, aber keiner bemerkt es, dass da auf einmal noch eine andere Person auftaucht, einen junge Frau überfällt und wieder abhaut.

Wie gesagt, „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ möchte gerne super mysteriös sein, klatscht aber einfach nur eine Abfolge von sonderbaren Situationen aneinander, ohne diese clever miteinander zu verbinden. Ganz zu schweigen von der nicht minder absurden Episode mit einem Typen namens Georges (Elio Germano), die gefühlt auch nur dazu da war, um ein bisschen Sex in den Film zu bringen. Es macht einfach nichts an dieser Geschichte einen Sinn. Beim Gucken hatte ich echt das Gefühl, Sfar hatte einfach nur irgendwann diesen coolen Titel im Kopf und hat verzweifelt versucht, daraus einen Film zu machen. „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ wäre besser gewesen, wenn sie wirklich einfach nur durch Frankreich gewesen wäre und einfach so ein paar Leute getroffen hätte. Diese Mystery-Sache, in der dann irgendwann auch noch eine Leiche auftaucht, macht keinen Sinn und wird nur noch bescheuerter, wenn man die Auflösung serviert bekommt, bei der man dann wirklich einfach nur mit dem Kopf schütteln kann. Einfach nur dumm.

Das Einzige, was der Film kann, ist tatsächlich gut aussehen. Das liegt zum einen an dem tollen Auto und zum anderen liegt das an Freya Mavor. Von der konnte Joann Sfar und sein Kamera-Mann Manuel Dacosse offensichtlich nicht die Augen lassen. Denn gerade zu Beginn des Films ist diese Kamera schon teilweise sehr unangenehm voyeuristisch. Mavor ist wirklich eine sehr attraktive Frau, aber wir starren ihr ständig nur auf die langen Beine, auf den Hinter und in den Ausschnitt. Wer diese Dany ist, die sie da spielt, interessiert hier nach fünf Minuten scheinbar niemanden mehr. Womit die Probleme dann weitergehen: Wenn man sich wenigstens für diese junge Frau interessieren würde, würde man sich ja vielleicht noch wundern. Aber sie ist langweilig ohne Ende – ihre plötzlichen Selbstgespräche machen keinen Sinn, ihr ganzes Verhalten macht keinen Sinn, dieser Film macht einfach keinen Sinn. Sfar hat kein Gespür für seine Hauptdarstellerin, kein Gespür für seine Geschichte – alles was er hat, ist ein schönes Auto, eine schöne Frau und einen schönen Titel. Leider macht das keinen guten Film.

Wertung: 3 von 10 Punkten (eine Schlaftablette von einem Film, der so gerne cool und kultig sein wollte und nichts davon hinbekommt)

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4 Kommentare leave one →
  1. 6. Juli 2018 19:45

    Hm, der Titel ist schon cool… und er ist doch mit Benjamin Biolay! Singt der wenigstens etwas? :-))
    Bislang habe ich von diesem Film noch nichts gehört und jetzt stößt Du mich mit der Nase drauf und die 3-Trash-Punkte sind schon verführerisch…das war doch Absicht! :-))

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2018 23:08

      😀 sorry, das war keine Absicht. Und Trash ist es leider auch nicht. Eher prätentiöser, langweiliger Mist, der nur gut aussieht. Mehr nicht.

      Biolay kannte ich leider gar nicht vorher. Und nein, er singt auch nicht.

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