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Chat mit einem Unbekannten

4. Juli 2018

Ist Kristen Stewart eigentlich mehr als nur Bella aus „Twilight“? Eine Frage, die ich mir noch nie so richtig beantworten konnte. Ich kenne sie ja nur aus diesem einen Film, den ich tatsächlich auch gesehen habe und all den Trailern zu den anderen Vampir-Filmen, die ich gesehen habe (also die Trailer, aber nicht die Filme). Dann war sie irgendwann ein verschlafenes und langweiliges Schneewittchen und das war’s für mich mit Madame Stewart. Letztens habe ich sie dann noch in „American Ultra“ gesehen, aber auch das war nicht wirklich so nennenswert. In meinen Augen steht Stewart da als Schauspielerin also nicht sonderlich hoch im Kurs… doch ich höre natürlich, dass auch sie immer wieder in tollen Filmen mitgespielt haben soll. Filme, die ich nicht gesehen habe. Deswegen und weil ich letztens darüber bei Miss Booleana darüber gelesen habe, bin ich beim „Personal Shopper“ mit Stewart in der Hauptrolle gelandet.

Unter der Führung des „Die Wolken von Sils Maria“-Regisseurs Olivier Assayas, der Stewart ja mehrere Auszeichnungen bescherte, wird die einstige Vampir-Liebhaberin zu einem Personal Shopper. Als Maureen kauft sie für das Starlet Kyra (Nora Waldstätten) Klamotten, Schmuck und sonstiges. Dafür reist sie immer wieder zwischen Paris und London hin und her. Gleichzeitig muss sie aber auch den Tod ihres Bruders Lewis verarbeiten. Der starb sehr jung an einem Herzinfarkt, doch Maureen ist noch nicht bereit, sich von ihm zu verabschieden. Denn die beiden glauben fest daran, dass es nach dem Tod noch weiter geht und so wartet Maureen auf ein Zeichen ihres Bruders… und schon bald bekommt sie auch eins. Als sich dann auch noch ein Unbekannter per Telefon-Nachrichten bei ihr meldet, fragt sich Maureen, ob das möglicherweise ihr Bruder sein könnte.

DEN Pulli hat sie sich allein gekauft.

„Personal Shopper“ entführt uns in eine recht skurrile Welt. Ich finde allein die Tatsache, dass jemand als Personal Shopper für einen Star seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, wahnsinnig interessant. Leider ist die Beziehung zwischen Shopper und Star für diesen Film nicht sonderlich wichtig – und auch das Shoppen selbst, ist dann eher unspektakulär. Aber gut, ich bin auch froh, dass es nicht mehr Gewicht hatte, denn wer will schon einen Film, der den Titel „Personal Shopper“ zu ernst nimmt?

Stattdessen verbindet Assayas das eher unspektakuläre Leben einer jungen Frau in Trauer und Einsamkeit mit einer interessanten Frage: Gibt es etwas nach dem Tod? Sprechen die Geister mit uns? Bleiben die Seelen irgendwie bei uns? Das Schöne an „Personal Shopper“ ist, dass der Film jetzt dadurch kein wirklicher Horror-Film wird. Es bleibt trotz einiger „gruseliger“ Szenen doch mehr ein Drama um eine junge Frau. Eine junge Frau, die ihren Platz nicht wirklich gefunden hat. Die ihrem Bruder nachtrauert und die scheinbar nur so dahin treibt. Eine Frau, die dann natürlich auf diesen unbekannten Jemand sehr schnell anspringt – trotz anfänglicher Bedenken.

Hier kommen wir aber zu einem Punkt, bei dem ich ein wenig zwiegespalten bin. Auf der einen Seite ist das ein interessanter Aspekt im Film, gerade, weil man es automatisch irgendwie mit Maureens Bruder verbindet und dann doch nie so wirklich weiß, wer es dann eigentlich ist. Auf der anderen Seite hat es mich tierisch genervt, gefühlt die Hälfte der Zeit Kristen Stewart dabei zu zusehen, wie sie Nachrichten schreibt, Nachrichten liest, Nachrichten ignoriert, ihr Telefon ausschaltet, ihr Telefon wieder anschaltet, auf Nachrichten wartet. Das war wirklich nicht meins, zumal sie die Frage nach dem unbekannten Chatter nie wirklich weiter verfolgt

Doch das ist der einzige Punkt, an dem ich bei „Personal Shopper“ meckern würde. Ansonsten ist es ein ziemlich spannender Film mit einer – und Achtung, jetzt kommt’s – einer großartigen Kristen Stewart, die diesen Film ganz allein auf ihren Schultern trägt. Denn letztendlich hängen wir an ihr wie Geister. Wir beobachten sie beim Schreiben, beim Lesen, beim Shoppen, beim schlimme Dinge entdecken – und Stewart verleiht dieser Maureen die nötige Tiefe, um mit ihr auch ein wenig mitleiden zu können.

Eine Sache habe ich jetzt verschwiegen… auch wenn „Personal Shopper“ mehr ein Drama ist, so hat der Film doch auch ein paar Grusel-Elemente, die tatsächlich ziemlich gut platziert sind und effektiv genutzt werden (es ist jetzt kein „Hereditary“, aber gerade, weil man es in diesem Film so manchmal gar nicht erwartet, sind die kleinen, aber fein platzierten Szenen extrem gut). Horror funktioniert also auch in der Welt von „Personal Shopper“. Ein Film, der dann am Ende noch mit einer wunderbaren letzten Szene ein wenig vom Hocker haut. Es ist eine äußerst interessante und spannende Schlussnote, die Assayas setzt. Ein letzter furchtbar faszinierender Gedanke, der noch lange in den Abspann hinein nachwirkt und zum Denken anregt – und dem ganzen Film clever eine kleine neue Note gibt. Hut ab dafür!!!

Wertung: 8 von 10 Punkten (cleveres und intensives kleines Indie-Drama mit einer schönen Note Horror und einer umwerfenden Stewart)

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4 Kommentare leave one →
  1. 4. Juli 2018 09:33

    Auch wenn der Film mich jetzt nicht soooo gepackt hat, ist Stewart hier wirklich gut. In „Willkommen bei den Reillys“ übrigens auch. Und demnächst schaue ich mir „Speak“ an. Da könnte sie auch glänzen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. Juli 2018 21:56

      Danke dir. Zwei Filme, die ich mal auf meine Liste packen werde. Von beiden noch nicht wirklich viel gehört. Aber ja, Stewart kann ja doch was, wenn sie nicht gerade, Glitzer-Vampire anschmachten muss 😀

  2. 14. Juli 2018 17:35

    Nur mal als Anregung: „The Cake Eaters“, „The Runaways“, dein erwähnter „The Clouds of Sils Maria“ und auch „Equals“ sind schöne Beispiele für das schauspielerische Talent der werten Kristen Stewart, die ich persönlich für eine der besten ihrer Generation halte. (Vergiss „Twilight“!)

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2018 10:57

      Vielen, vielen Dank!

      Ja, ich will ja auch „Twilight“ vergessen, zumal ich ja nur einen einzigen Film davon gesehen habe. Aber es ist schon erschreckend, wie sehr man davon trotzdem irgendwie beeinflusst ist. Deswegen, ja: Auf jeden Danke für die Film-Titel. Will ich echt mal schauen.

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