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Der Höllenvater

2. Juli 2018

Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit schwer durch Herman Melvilles „Moby-Dick“ gequält – eine nicht gerade dünne Ausgabe. Aber offensichtlich scheint die indonesische Taschenbuchausgabe ziemlich gekürzt zu sein. Vielleicht haben sie da einfach all die Sachen über Ausgucke, Harpunen und die unterschiedlichen Walfang-Arten rausgelassen und sind einfach gleich zum spannenden Teil übergegangen. Wieso ich über die indonesische Ausgabe von Melvilles Klassiker rede? Sie spielt eine nicht unwichtige Rolle im Film „Headshot“ mit „The Raid“-Star Iko Uwais. Da liest nämlich jemand eine verdächtig dünne Ausgabe von Moby-Dick. Und das ist mir sofort aufgefallen… aber gut, „Headshot“ ist jetzt kein Wal-Film, sondern knallharte Martial-Arts-Action mit Literatur-Anleihen.

Der gefährliche Gangster-Boss Lee (Sunny Pang) bricht aus dem Gefängnis aus. Zwei Monate später wird am Strand ein junger Mann mit einer Kopfschusswunde (Iko Uwais) angespült, der sich aber an nichts mehr erinnern kann. Die junge Ärztin Ailin (Chelsea Islan), die eben auch großer Moby-Dick-Fan ist, nennt ihren Patienten daraufhin einfach Ishmael (und ich habe wirklich den ganzen Film darauf gewartet, dass er einmal sagt: „Nennt mich Ishmael“ – aber, Spoiler, er tut es nicht). Ishmael versucht nun also sein Gedächtnis zurück zu erlangen und muss bald feststellen, dass er auf irgendeine Art und Weise mit Lee verbunden ist. Der entführt nämlich kurzer Hand Ailin und so muss Ishmael hinterher… zum Glück hat er dabei nicht vergessen, dass er ziemlich krasse Kampf-Moves drauf hat.

„Headshot“ ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Die Story ist absolut Banane. Und ja, ich weiß, bei einem Martial-Arts-Film bei der Story zu meckern, ist fast so, als würde man sich beschweren, dass ein Beat-Em-Up-Videospiel keine gute Story hat. Aber es gibt einfach auch mal genügend Beweise für Martial-Arts-Kampf-Filme, die neben tollen Kampf-Szenen auch mit einer guten und spannenden Story glänzen. Iko Uwais hat ja selbst schon in einem mitgespielt – „The Raid“ war toll. Spannend und einfach nur grandios anzuschauen.

Das größte Problem hat „Headshot“ einfach tatsächlich damit, dass die beiden Regisseure Kimo Stambeol und Timo Tjahjanto, der auch das Drehbuch geschrieben hat, auch noch eine unglaublich tiefgründige Geschichte erzählen wollen. Eine Geschichte, die sehr stark an „Unleashed“ mit Jet Li erinnert. Nur hatte Luc Besson da eine bessere, ergreifendere Geschichte geschrieben, in der Jet Li seine Kampfkunst unter Beweis stellen konnte und bei der einem auch die Schicksale der Charaktere ans Herz gingen. „Headshot“ möchte das auch gerne, bemüht sich aber nicht im Geringsten darum, diese Geschichte auszubauen. Allein, wie billig Ailin und Ishmael zusammengeworfen werden… so funktioniert das nicht. Auch später, als Ishmael wieder alles aus seiner Vergangenheit erfährt, kommt der Film nicht über ein paar Oberflächlichkeiten hinweg. Die Geschichte hätte man besser ausbauen können, weil sie tatsächlich ziemlich spannend sein könnte. Aber am Ende geht es „Headshot“ nur darum, eine Rahmenhandlung für Kämpfe zu liefern. Die ist dann aber so platt, dass man sich bei einer Laufzeit von 2 Stunden ziemlich schnell langweilt.

Immerhin entschädigt „Headshot“ zwischendurch mit ein paar sehenswerten Kampfeinlagen, bei denen man aber auch immer wieder ein wenig mit dem Kopf schütteln muss. Ja, es ist ein Martial Arts Film. Und ja, die sollen sich schön brav mit Händen und Füßen die Schädel kaputt hauen. Aber in diesem Film müssen sie – schlimmer als Storm Trooper – erst einmal wild mit ihren Maschinengewehren und Pistolen auf kürzeste Distanz immer und immer wieder ihr Ziel verfehlen. Das wird in diesem Film irgendwann echt nervig, weil es so verdammt, verdammt albern wirkt. Sie schießen und schießen und würden nicht einmal einen Elefanten treffen, wenn die Mündung direkt an dessen Haut wäre (und nein, ich befürworte nicht das Töten von Elefanten, mir fiel nur jetzt gerade kein besseres Beispiel ein).

Aber gut, wenn alle Kugeln irgendwann sinnlos verballert sind, geht das Gekloppe los und hier darf Iko Uwais dann endlich zeigen, was er drauf hat. Das sieht grandios fies aus, beinhaltet fiese Knochenbrüche und ist wunderbar in Szene gesetzt – sprich: es gibt gar nicht so viele wilde Schnitte, sodass man sich ganz auf das Kampf-Spektakel einlassen kann.

„Headshot“ ist ein guter Kampf-Film, der einfach viel zu lange mit seiner Story langweilt, die nie richtig zum Tragen kommt. Dann lieber nur 90 Minuten und einfach schönes Gekloppe. Würde mir auch schon reichen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Kloppe gut, Story nicht)

2 Kommentare leave one →
  1. 7. Juli 2018 14:45

    Leider wirklich kein guter Film – und dank des Darstellers kommt Lama auch nicht um einen bewussten oder unbewussten Vergleich mit The Raid umher, der ja einfach mal großartig ist

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2018 23:06

      Oh ja… The Raid ist super. Dieser Film hat viele nette Ansätze, aber mehr auch nicht. Was schade ist, der hätte besser sein können.

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