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Eine schrecklich korrupte Familie

29. Juni 2018

Okay, vielleicht setze ich mich jetzt total in die Nesseln mit dieser Frage, aber gibt es noch gute und vor allem aktuelle Sitcoms? Ich rede jetzt nicht von welchen, die immer noch laufen. Ich frage mich tatsächlich in letzter Zeit: Werden noch Sitcoms produziert? Ist das in diesem Serien-Kosmos, der mehr und mehr von Netflix, amazon und Co. beherrscht wird, überhaupt noch ein Konzept, das die Macher interessiert? Ich gucke ja wirklich gerne Sitcoms, weil sie so perfekt zum Frühstück oder mal kurz vorm zu Bett gehen immer noch gut funktionieren. Doch irgendwie kommt es mir so vor, als würde ich nur „altes“ Zeug schauen und nicht mehr wirklich was Neues (in diesem Sinne bitte ich euch auch inständig mir einfach so ein paar gute Sitcom-Vorschläge zu geben, ich brauche mal wieder was ganz neues). Nachdem ich bei Netflix erst vor kurzem mal wieder einmal komplett „Friends“ geguckt habe, wollte ich was für mich Neues… und bin so zu einer Serie gekommen, die ich irgendwann vor Ewigkeiten mal geschaut hatte, mich aber nicht mehr so richtig an sie erinnern konnte – außer, dass ich damit durchaus meinen Spaß hatte: „Arrested Development“.

Willkommen bei der Familie Bluth, einst reich und schillernd, geht auf einer Firmen-Party auf einmal alles den Bach runter. Vater George Sr. (Jeffrey Tambor) wird wegen Korruption und allerlei anderem Kram eingesperrt und hinterlässt eine ratlose Familie, die gar nicht weiß, wie sie mit der Situation umgehen soll. Zum Glück gibt es da aber noch Michael (Jason Bateman), der die Familie zusammenhalten und die Firma seines Vaters retten will. Was nie wirklich einfach ist, nicht bei der Firma und erst recht nicht bei der Familie: da wäre Mama Lucille (Jessica Walter), manipulativ und materialistisch wie es nur geht. Doch auch Michaels Schwester Lindsey (Portia de Rossi), die auch nur ans Geld denkt und starke Probleme mit ihrem Ehemann Tobias Fünke (David Cross) hat. Bruder Gob (Will Arnett) macht eigentlich auch nie was, hält sich aber für den Größten – ob nun als Zauberer oder als „Macher“ in der Firma. Mamas Liebling Buster (Tony Hale) hängt einfach zuhause rum und hat eine sehr ungesunde Beziehung zu seiner Mutter. Keine guten Vorbilder für Michaels eigenen Sohn George Michael (Michael Cera) und dessen Kusine Maeby (Alia Shawkat), in die George Michael zu allem Überfluss auch noch schwer verliebt ist.

Hier lacht bald keiner mehr

Uff… das war viel, aber „Arrested Development“ hat ja auch einen riesigen Cast – und damit habe ich jetzt nur die Hauptcharaktere abgefrühstückt, die für die von Fox produzierten ersten drei Staffeln vor der Kamera standen. Und ich will jetzt auch erst einmal nur über die Staffel 1, 2 und 3 reden. Was dann bei Netflix passiert, darüber reden wir an anderer Stelle.

Wie gesagt, ich hatte die ersten vier Staffeln vor Ewigkeiten eigentlich schon mal gesehen… jetzt also noch einmal eine Auffrischung. Und was soll ich sagen? „Arrested Development“ ist großartig. Allein schon Ron Howard als Erzähler ist mit seiner lakonisch-ironische Kommentation der Ereignisse ein Highlight. Überhaupt finde ich diesen recht ungezwungenen Mockumentary-Stil der Serie ganz cool. Das ist jetzt nicht so wie bei „Modern Family“ immer wieder durch Interviews unterbrochen. Vielmehr dürfen wir uns das Chaos Familie Bluth in seiner ganzen Rohheit anschauen – nur süffisant kommentiert von Ron Howard.

Letztendlich sind es bei dieser Sitcom, wie auch bei jeder anderen gut funktionierenden Sitcom, aber die Darsteller und die Charaktere, die sie verkörpern. „Arrested Development“ liefert eine wunderbar schräge, total verrückte Ansammlung von Menschen, unter denen wirklich nur Batemans Michael noch halbwegs als normal zu bezeichnen ist. Aber gerade deswegen macht das alles so viel Spaß. Tobias Fünke ist vielleicht mein Fan-Favorit… als never-nude, der sich nackt machen kann und Jeans-Shorts trägt, der sich als Schauspieler versucht und seine unterdrückte Homosexualität nicht wahrhaben kann. Aber auch Will Arnett als Gob ist cool (wobei ich bei seiner Stimme jetzt immer auch ein wenig „Bojack Horseman“ vor Augen habe) oder Tony Hale als Buster, der irgendwann noch seine Hand verliert und die Wahrheit über seinen (wahren) Vater herausfindet.

Diese Serie macht Spaß, weil sie nie vorhersehbar ist. In Staffel 3, als auf einmal Charlize Theron als Michaels neue Freundin auftaucht, wird’s wunderbar gaga. Oder wenn sich Tobias in Staffel 2 der Blue Man Group anschließen will – nur um festzustellen, dass es nicht um „traurige“ Männer geht. Oder Maebe, die sich einen Job als Film-Produzentin erschwindelt – ohne es je wirklich gewollt zu haben. Dazu kommen merkwürdige Irak-Deals und was nicht alles.

In seinen ersten drei Staffeln feuert „Arrested Development“ wirklich aus allen Rohren und trifft immer genau ins Schwarze. Scheinbar ohne Probleme balancieren die Macher diese vielen, unglaublich verschiedenen Charaktere aus, ohne das einer zu kurz kommt.

Die ersten drei Staffeln sind wirklich perfekt. Es gibt eine Episode, die überflüssig wirkt, es gibt einen inneren Fluss der Handlung, durch den sich alles so anfühlt, als würde man wirklich eine ewig lange Dokumentation sehen, statt einfach nur aneinander gereihte Einzelepisoden. Das ist wirklich großartige Unterhaltung.

Ich bin jetzt mal gespannt, wie es unter Netflix weitergeht – mit dem Re-Cut der vierten Staffel und der ganz neuen fünften.

Wertung: 10 von 10 Punkten (drei Staffeln beste Unterhaltung mit einer großartig schrägen TV-Familie)

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4 Kommentare leave one →
  1. 29. Juni 2018 07:52

    Oh ja! Eine fantastische Serie, die ich auch sehr liebe. Großartigst! Weiter als die ersten drei Staffeln habe ich, mangels Netflix, nie geschaut. Was hat es denn mit dem Re-Cut auf sich?

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2018 11:42

      Die ersten drei Staffeln sind wirklich super. Die machen einfach nur sau viel Spaß.

      Die vierte Staffel hatte damals doch das Problem, dass nicht alle Darsteller zur gleichen Zeit am Set waren. Deswegen wirkte die vierte Staffel sehr zerstückelt. Eine Episode drehte sich immer nur um einen Charakter und so was.

      Netflix hat das jetzt neu gemixt – und mal eben aus 15 Folgen 22 gemacht. Die haben mit nicht verwendetem Material die Folgen aufgebessert und es angeblich mehr so werden lassen wie die ersten Folgen.

      Ich habe bislang nur vier Folgen vom Remix gesehen, aber es sieht echt gut aus (auch wenn es ein wenig ulkig wirkt, dass bei dem alten Footage der ersten drei Staffeln so ein schönes 20th Century Fox Wasserzeichen mitten im Bild ist)

  2. 29. Juni 2018 13:20

    Arrested Development ist super. Will Arnett fand ich ja schon in 30 Rock großartig, hier ist er es ebenfalls. Sehr komisch.

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2018 17:29

      30 Rock muss ich immer noch mal gucken. Steht auch schon lange auf meiner Liste. Aber ja, Will Arnett ist großartig.

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