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Wenn Elefanten fliegen

25. Juni 2018

Warum muss Disney eigentlich anfangen, alle Disney-Klassiker in Live-Action-Filme zu verwandeln? Gut, ich war durchaus positiv überrascht von Jon Favreaus „Jungle Book“, trotzdem bleibe ich im Allgemeinen eher skeptisch. Es hat fast den Anschein, als würde Disney die Innovationen jetzt endgültig Pixar überlassen, um einfach nur alte Sachen neu aufzukochen. Das Problem dabei ist, dass Nostalgie echt zu helfen scheint – ich habe den „Beauty and the Beast“-Live-Action-Film nicht gesehen, aber er war sau erfolgreich, obwohl er auch nur ein warmer Aufguß war. Was ist aus dem einstigen Studio geworden, das unsere Kindheit so beeinflusst hat? Und dabei so bahnbrechend war? Jetzt scheinen sie endgültig eingeschlafen zu sein – ich merkt es, ich bin kein wirklich Live-Action-Disney-Fan. Da bleibe ich dann lieber bei den gezeichneten Sachen… und es gibt ja noch genügend Filme, die ich immer noch nicht gesehen habe. Deswegen habe ich jetzt endlich mal „Dumbo“ nachgeholt (der ja von Tim Burton ebenfalls eine Live-Action-Auffrischungskur bekommt).

Nach langem Warten bringt der Klapperstorch der Zirkus-Elefanten-Dame Mrs. Jumbo endlich den gewünschten Nachwuchs: der kleine Jumbo Jr. wird von ihr und auch von ihren Elefanten-Damen aus dem Zoo rührend begrüßt… bis sich seine riesigen Ohren entfalten. Daraufhin wird er von den anderen Elefanten-Damen als Dumbo ausgelacht. So einer wie er gehöre nicht zu ihnen. Er sei eine Missgeburt, die unter den edlen Elefanten-Damen nichts zu suchen hat (und ich finde es schon krass, dass er wirklich als Missgeburt bezeichnet wird, das tut weh). Nur seine Mama steht zu ihm, doch als sie ihn vor ein paar Kindern beschützen will, wird sie als verrückt eingestuft und eingesperrt. Dumbo scheint nun ganz allein zu sein, doch dann trifft er auf die Zirkus-Maus Timothy, die ihm als Freund zur Seite steht.

Wenn man seine Hausmaus ausführt…

Oh mein Gott… was für ein tieftrauriger Film. Ich glaube, wenn ich den als Kind gesehen hätte, hätte der mich vielleicht zu sehr fertig gemacht. Ich meine, Disney und Regisseur Ben Sharpsteen setzen auf die volle Dröhnung Niedlichkeit und Trauer. Dumbo ist einfach so zuckersüß, wenn er gebadet wird oder wenn er mit seiner Mama Verstecken spielt oder wenn er versucht zu laufen und über seine langen Ohren stolpert oder oder oder… und dann kommt dieser krasse Haken. Diese Geschichte von Ausgrenzung und Verlust, vom Verlacht-Werden als Missgeburt, nur weil dieser kleine Elefant sich ein wenig von den anderen Elefanten unterscheidet. Es ist die Geschichte vom hässlichen Entlein – nur mit einem niedlichen kleinen Elefanten, der zu sich selbst finden muss. Der alleine zu sein scheint und dann doch einen Freund findet, der ihm zur Seite steht. Die kleine Maus Timothy ist toll… und es hat mich jedes Mal auf so eine unendlich rührende Weise fertig gemacht, wenn Dumbo sich mit seinem Rüssel an Timothys Schwanz festhält – so wie er es vorher bei seiner Mama gemacht hat. Das ist wirklich eine schöne, tieftraurige Geschichte.

Wenn ich „Dumbo“ als Kind gesehen hätte, hätte mich aber auch eine Szene ziemlich fertig gemacht… und zwar die, in der Dumbo aus Versehen Alkohol trinkt und plötzlich Halluzinationen von singenden und tanzenden rosa Elefanten hat. Anfangs wirkt das noch sehr witzig, irgendwann hat es etwas verstörendes an sich – und schließlich fragt man sich, warum diese Sequenz überhaupt da drin ist. Wirkt fast so wie eine Deleted Scene aus „Fantasia“, der ein Jahr vor „Dumbo“ in die Kinos kam. Sehr verwirrend, sehr verstörend – wirkt wie so, als hätte man den Film einfach durch eine irrwitzige Animationsstrecke – ja – strecken wollen. Aber gut, das dürfte was für Tim Burton sein. Wenn er diese Szene in seiner Live-Action-Version behält, könnte er sich da so richtig austoben.

Aber gut, „Dumbo“ hat ja zum Glück mehr zu bieten als nur den betrunkenen kleinen Elefanten. Es ist wirklich eine süße, rührende Geschichte mit einem kleinen tapferen Helden, den ich sofort in mein Herz geschlossen hatte. Ein kleiner süßer Freak, der überhaupt keiner ist… ich muss gestehen, ich finde diesen Film sehr viel trauriger als „Bambi“ und ich glaube, „Dumbo“ hätte mich sehr viel mehr „geschädigt“ als das kleine Reh.

Wertung: 9 von 10 Punkten (flieg, kleiner Elefant, flieg und zeig allen, was du kannst – ein wunderschöner Film!!!)

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3 Kommentare leave one →
  1. 14. Juli 2018 10:31

    Bin ich ganz bei dir. Hab den Film ja im Zuge der Filmreise-Challenge wiederentdeckt und finde ihn auch (und gerade) im Erwachsenenalter als besonders gelungenes Disney-Exemplar.

    • donpozuelo permalink*
      16. Juli 2018 10:59

      Ach… die Filmreise-Challenge – gut, dass du mich erinnerst. Da wollte ich ja auch mal mitmachen.

      Aber ja, Dumbo ist schon echt toll. Mal was anderes…. noch fernab vom Disney-Prinzessinnen-Kitsch.

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