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Social Media tötet!

22. Juni 2018

Hat Netflix „Black Mirror“ kaputt gemacht? Die erste und die zweite Staffel liefen noch über den britischen Channel 4. Das waren dann jeweils drei Folgen, die ganz schön an die Nieren gegangen sind, wunde Punkte in aktuellen Themen angesprochen haben und so ein äußerste unterhaltsame und auch schockierende Art und Weise den Moralapostel gespielt haben. 2016 tauchte dann aber auf einmal Netflix auf und bot Endemol 40 Millionen Dollar für die Ausstrahlungsrechte an – und tja, seitdem gehört „Black Mirror“ zu Netflix. Jetzt werden wir wohl nie eine Folge bekommen, in der die Gefahren von Online-Filmseiten aufgedeckt werden 😉 Aber gut, solange die Serie gleich bleibt, sollte das ja kein Problem sein… doch ich muss sagen, Staffel 3 von „Black Mirror“ hat mich etwas kalt gelassen.

In sechs Folgen geht es viel darum, wie Social Media sich auf das Leben auswirkt – da ist Folge 1 mit Bryce Dallas Howard in der Hauptrolle, die in einer Welt lebt, in der ein Mensch nur so viel wert ist wie die Bewertung, die er von anderen bekommt. Folge 2 führt uns in ein Virtual-Reality-Horror-Game, das viel realer wird als gedacht. In Folge 3 werden Menschen bestraft, die im Internet und / oder im wahren Leben ziemlich große Scheiße gebaut haben. Es folgt eine Episode über ein vermeintliches Leben nach dem Tod, danach kämpfen Soldaten gegen Monster, die doch irgendwie keine sind und zum Schluss werden Roboter-Bienen und Hashtags dazu genutzt, um Menschen umzubringen, die das Internet ausgewählt hat.

Fear the Smombies…

Was man Staffel 3 lassen muss, die Themen sind wirklich krass. Wie gesagt, Social Media tötet. Gerade in der ersten und in der letzten Folge von Staffel 3 wird das wirklich sehr stark thematisiert und da zeigt „Black Mirror“ mal wieder, dass es schon die Hand am Puls der Zeit hat und genau die Themen umsetzt, die schon nicht mehr wirklich wie Science-Fiction klingen. Wir sind vielleicht noch nicht an diesen Punkten angekommen, aber Staffel 3 greift schon erschreckend realistisch voraus, was bald mal sein könnte. Das ist das, was „Black Mirror“ ausmacht, weswegen man die Serie auch einfach nicht ignorieren kann. Es ist alles nicht so weit hergeholt, ob nun Social-Media oder eben auch die Folge mit den Soldaten – was hier gezeigt wird, ist ein interessantes Konzept und ich bin mir sicher, dass in der Vergangenheit sicherlich auch schon über solche Dinge nachgedacht wurde (ich meine, allein „Akte X“ hat diese Thematik auch schon mehr als einmal aufgegriffen). Deswegen… aktuell bleibt die Serie auch in Staffel 3.

Trotzdem habe ich mich dieses Mal sehr durch die jetzt sechs Folgen gequält… weil es einfach daran lag, dass die Episoden an sich nicht besonders gut waren – in meinen Augen. Thematisch war jede Folge spannend, aber inszenatorisch fand ich die alle nicht so aufregend. Abgesehen von Folge 4 über die beiden Frauen, die sich im digitalen Jenseits ein Leben aufbauen wollen, versinkt jede Folge in absolutem Pessimismus. Jetzt ist das für „Black Mirror“ ja nicht verwunderlich, aber hier fiel mir das irgendwie noch viel mehr auf. Am Ende der Folgen steht auch nicht wirklich eine Moral oder ein letzter Gedanke dahingehend, das es vielleicht doch auch anders geht. Nein, jede Folge lässt einen noch deprimierender zurück. Als würde uns die Zukunft einfach wirklich komplett töten. Ich weiß auch nicht, ist vielleicht gerade bei dieser Serie ein blöder Kritik-Punkt an sich, aber ein bisschen ausgeglichener hätte ich mir das schon interessanter vorgestellt. Nehmen wir nur mal die erste Folge mit den Bewertungen… was haben wir am Ende gelernt? Sie hockt im Knast, hat keine Bewertungen mehr und dann… was kommt dann? Gibt es die Kommune der Nuller, die sich trotzdem irgendwie glücklich fühlt? Kommt die Revolution? Oder bleibt einfach alles so, wie es ist? Bei der Premieren-Folge hatte ich echt das Gefühl, da fehlt noch sehr viel zu dieser Geschichte.

Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Krassheit (gibt’s das als Wort überhaupt) des Themas in dieser Staffel noch sehr viel wichtiger war als die Geschichte selbst – und so sind die Stories nicht so packend wie die Idee, die hinter ihnen steckt. Deswegen habe ich mich ein wenig durch Staffel 3 gequält… und deswegen schiebe ich Staffel 4 gerade noch ein wenig auf.

Trotzdem bleibt „Black Mirror“ natürlich sehenswert, gerade wegen der Thematiken… auch wenn die Geschichten vielleicht nicht immer gut sind, zum Nachdenken regen sie dennoch an.

Wertung: 6 von 10 Punkten (das Internet wird also doch unser Untergang – na toll…)

5 Kommentare leave one →
  1. 22. Juni 2018 07:35

    Meiner Meinung nach ist die gestiegene Anzahl an Episoden das Problem. So viele unterschiedliche Settings zu entwickeln, das geht einfach nicht auf Knopfdruck und damit schleichen sich viele Mittelmäßigkeiten ein. Lass drei Folgen der Staffel weg und das Niveau steigt.

    Die beiden Frauen in den 1980ern fand ich mit Abstand die beste Folge der Staffel, vieles andere hatte man irgendwo anders oder sogar in den ersten beiden Staffeln so oder so ähnlich gesehen.

    Netflix ist halt mehr an Quantität als an Qualität interessiert.

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2018 09:10

      Sie hätten sich wirklich lieber auf Qualität konzentrieren sollen… die Frauen in den 80ern Folge war wirklich noch eine der besten der ganzen Staffel!

  2. 17. Juli 2018 14:17

    Amen! Mir geht es original genauso. Netflix hat das Ding getötet. Ich glaube vieles wirkte davor intensiver eben wegen dem geringeren Budget und dem Fokus auf britische Schauspieler, die einfach mehr shakespearean und weniger glatt hollywood sind und da eher ein Kammerspiel abgeliefert haben mit wenigen wirkungsvolleren Effekten. Mich haben sie am meisten damit gekillt, dass es auf einmal quasi happyends gibt und die 4. Staffel kann ich auch nach der super beschissenen zweiten Folge nur alle paar Monate weiter gucken.

    • donpozuelo permalink*
      17. Juli 2018 21:46

      An Staffel 4 habe ich mich noch gar nicht gewagt… wird auch wohl noch eine Weile dauern, bis ich die gucken werden 😀

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