Zum Inhalt springen

Der Dämonen-Eisbär

15. Juni 2018

Ich bin immer wieder schwer beeindruckt von den Entdeckern dieser Welt, die irgendwann – aus welchen Gründen auch immer – entschieden haben, sie müssten, keine Ahnung, den Nordpol entdecken, den Amazonas durchstreifen, die Welt umsegeln, um die letzten weißen Flecken auf den Karten der Erde zu erforschen. Mich fasziniert so was… wie die damals zwar vorbereitet, aber doch irgendwie auch ein wenig auf gut Glück ins Unbekannte gegangen sind, nicht sicher, ob sie finden würden, was sie suchen; nicht sicher, ob sie jemals wieder zurückkehren würden, aber trotzdem wild entschlossen. Einige taten es für Ruhm, andere für ihre Könige und Königinnen, wieder andere einfach nur, weil sie mehr wissen wollten. Wie gesagt, mich beeindruckt sowas schwer und deswegen schaue und lese ich viel über solche Menschen. Weswegen ich dann auch über kurz oder lang bei der von Ridley Scott produzierten Serie „The Terror“ gelandet bin.

„The Terror“ ist eine zehnteilige amazon-Miniserie, die die „wahre“ Geschichte der Schiffe Erebus und Terror erzählt. Dies war die letzte große Expedition von Sir John Franklin (Ciarán Hinds), der die Nordwestpassage finden wollte – ein Seeweg, der nördlich von Amerika den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Gemeinsam mit seinem zweiten Kapitän Francis Crozier (Jared Harris) und einer Crew macht sich Francis auf – wird jedoch bald vom Packeis überrascht… und von einer unheimlichen Erscheinung in Form eines merkwürdigen Eisbären.

Eiswanderer

Jetzt seht ihr, warum ich das mit der „wahren“ Geschichte in Anführungszeichen gepackt habe. Denn so wirklich weiß niemand, was wirklich aus der Expedition der Erebus und der Terror wurde. Sicher ist nur, dass die Männer nie wieder auftauchten und die Schiffe erst 2014 und 2016 überhaupt wieder entdeckt wurden. Das inspiriert natürlich zu wilden Spekulationen, zu denen sich Romanautor Dan Simmons in seinem Buch „The Terror“ dann auch hinreißen ließ. Achtung, Schocker: Das Buch habe ich nicht gelesen! Aber Ridley Scott offensichtlich schon, denn er hat die Serie dazu produziert.

Was ich an der Serie mag, ist die Tatsache, dass sie nicht zu sehr im Fantastischen versinkt. Ja, dieser Dämonen-Eisbär spielt schon eine sehr wichtige Rolle und macht aus „The Terror“ auch eine Horror-Serie, doch spielt der Bär keineswegs die große Hauptrolle. Das ist jetzt nicht „Alien“ im dicken Nordeis, wo einfach einer nach dem anderen weggetötet wird. Es geht „The Terror“ mehr als nur um Horror.

In erster Linie versuchen die Macher (und sicherlich auch Dan Simmons in seinem Roman) ein glaubwürdiges Bild von dem zu zeichnen, wie es bei so einer Expedition unter diesen Bedingungen zugegangen sein muss. Und es werden auch andere Theorien aufgeworfen, die noch eher deutlich machen, warum die Expedition scheiterte (so werden die einzelnen Egos angesprochen, aber auch Dinge wie ungenießbares Essen, verursacht durch verunreinigte Konservendosen, die extreme Kälte, die Ausweglosigkeit). „The Terror“ zieht einen in seinen Bann, weil man vor seinen eigenen Augen sieht, wie die Männer mehr und mehr verzweifeln – und das Ding ist, man kann nachvollziehen, was im weiteren Verlauf passiert. Die Crew handelt auf ihre Weise, weil sie selbst überleben wollen; der Kapitän handelt, weil er seine Crew retten will… doch sie kommen nie auf einen gemeinsamen Nenner. Viele dieser Männer waren unerfahren, sie wollen Ruhm und Ehre und kommen dann nicht mehr mit der Situation klar.

Das macht „The Terror“ wirklich fast mehr zu einer Art Doku, die extrem spannend und sehr fesselnd ist. Zudem ist die Serie wirklich gut besetzt. Der König hinter der Mauer aus „Game Of Thrones“ Ciarán Hinds spielt den erfolgshungrigen Polarforscher John Franklin, der trotz seiner Erfahrung nicht immer rational vorgeht. Jared Harris‘ Kapitän Crozier ist da immer die Stimme der Vernunft, die aber nie so richtig gehört wird. Er ist die wirklich tragische Figur, weil man das Gefühl nicht los wird, unter seiner Führung hätte die Expedition ein Erfolg werden können. Harris trägt die Serie enorm… doch auch die zahlreichen anderen Darsteller sind großartig… wie Adam Nagaitis, der den Unruhestifter Cornelius Hickey spielt und damit die Mannschafter perfekt in ihrer Sprunghaftigkeit repräsentiert.

„The Terror“ ist wirklich große Unterhaltung für den kleinen Bildschirm. Die Serie sieht gut aus (auch wenn man manchen Einstellungen schon ansieht, dass sie „nur“ im Studio gedreht wurden), die Darsteller sind durch die Bank großartig (auch wenn Harris allen ein wenig die Show stiehlt) und die Geschichte, dieser Mix aus Horror und Realismus, funktioniert wunderbar.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Ridley Scott kann also doch noch aufregende Unterhaltung liefern)

2 Kommentare leave one →
  1. 15. Juni 2018 07:50

    Habe leider kein Amazon Prime, aber als der erste Trailer vor ein paar Monaten zu sehen war, war ich auch ziemlich schnell angefixt. Schön, dass die Sere dann anscheinend auch halten kann, was sie verspricht.

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2018 15:30

      Ja, absolut. Vor allem, weil es auch wirklich nur als Mini-Serie gemacht wurde – da wird jetzt auch nichts ewig in die Länge gezogen. Ist eigentlich so ein runder 10-Stunden-Film.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: