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In 48 Stunden zum Zombie

6. Juni 2018

Ich bin jemand, der eigentlich nie so richtig unvoreingenommen in einen Film gehen kann. Viel zu oft habe ich einfach viel zu viel Informationen vorab. Ich kenne die Trailer, ich kenne vielleicht sogar die Produktionsgeschichte oder was auch immer es zu einem bestimmten Titel zu wissen weiß. Am Ende muss man ja auch ein wenig abschätzen, für was für Filme man sein sauer verdientes Geld ausgibt. Dementsprechend bin ich gerne informiert, einfach nur um zu wissen, ob sich ein Film für mich lohnen könnte oder nicht. In Sneak-Previews war ich bislang tatsächlich noch nie, sollte ich aber vielleicht mal in Betracht ziehen. Bis dahin erfreue ich mich an den Vorschlägen, die mir Netflix und prime so um die Ohren hauen. Und bei Netflix schlage ich dann auch öfter mal zu… letztens wurde mir „Cargo“ groß auf der Startseite vorgeschlagen (und nicht etwa der Schweizer Science-Fiction-Film „Cargo“). Ich sah nur Martin Freeman und einen merkwürdigen Zombie, dem so gelbliche Soße übers Gesicht lief. Sagte mir alles nichts, weswegen ich das Experiment mal wagte… und zum Glück nicht enttäuscht wurde.

Andy (Martin Freeman), seine Frau Kay (Susie Porter) und ihre kleine, ein Jahr alte Tochter Rosie kämpfen sich durch ein Australien, das von einem gefährlichen Virus heimgesucht wurde. Dieses Virus verwandelt Menschen innerhalb von 48 Stunden in Zombies. Als Andys Frau gebissen wird, macht sich die kleine Familie auf, um zu einem Krankenhaus zu kommen. Auf dem Weg dahin verstreichen jedoch die 48 Stunden… Kay stirbt, beißt aber noch Andy, der nun 48 Stunden Zeit hat, um seine kleine Tochter irgendwie in Sicherheit zu bringen. In der Einöde Australiens, die nur noch von wenigen Menschen und von sehr vielen Zombies bevölkert wird, kein leichtes Unterfangen.

Eine (weitere) unerwartete Reise

„Noch ein weiterer typischer Zombie-Film“, war irgendwie anfangs mein erster, zugegeben gelangweilter Gedanke. Doch „Cargo“ beweist sich ziemlich schnell, dass er nicht unbedingt so typisch ist, wie man meinen möchte. Zu allererst sieht der Film echt ziemlich toll aus. Das Regie-Pärchen Yolanda Ramke und Ben Howling zeigen die Reise von Papa Andy und Töchterchen Rosie immer wieder vor dem schönen Hintergrund der weiten australischen Landschaft. In vielen Szenen muss man den wandernden Vater förmlich suchen, weil „Cargo“ in atemberaubenden Totalen den hilflosen kleinen Menschen verfolgt…

Zweitens bleibt „Cargo“ herrlich schwammig, wenn es um die Ursprünge dieses Virus‘ geht beziehungsweise was die Zombies an sich angeht. Sie verhalten sich untypisch. Sie vergraben, wie Strauße, ihren Kopf im Sand, sie wirken auf den ersten Blick nicht so blutrünstig – was sich dann aber schnell als katastrophale Fehleinschätzung herausstellt. Beißen können sie dennoch. Aber woher kommen sie? Darauf gibt „Cargo“ keine zufriedenstellende Antwort. Es gibt aber ein paar Hinweise, was verantwortlich sein könnte… ich will da jetzt nicht zu viel verraten, aber der Film versucht seine Zuschauer schon in eine bestimmte Richtung zu locken. Eine interessante Richtung, die sogar ein bisschen aktuelle Kritik mit in die Zombie-Entstehung packt.

Wirklich begeistert hat mich aber letztendlich, dass dieser Film praktisch auch ohne Zombies super funktioniert hätte. Der Film hätte wie „The Road“ auch ohne die Untoten auskommen können, erzählt er doch eine enorm packende emotionale Geschichte. Es ist die verzweifelte Geschichte eines Mannes, der seine Tochter beschützen will… vermischt mit der Geschichte der Aboriginies, die unter den Geschehnissen, die sie nicht hervorgerufen haben, leiden. Natürlich hätte man diesen Aspekt noch weiter ausbauen können, um „Cargo“ auch noch eine politische Note zu geben. Aber auch das braucht der Film nicht. Die kleinen, feinen Andeutungen sind mehr als genug, um auch diesen Punkt, dem Zuschauer deutlich zu machen. Noch mehr wäre zu viel gewesen, so finden die Macher des Films aber genau die richtige Mitte.

Ramke und Howling sind am Ende halt auch einfach mehr an der Vater-Tochter-Geschichte interessiert – und hier brilliert dann Hobbit Martin Freeman als Papa mit Ablaufzeit auf einer etwas anderen unerwarteten Reise 😉 Es ist sein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit, seine Fürsorge für seine Tochter, der absolute Wille, seine Rosie zu retten, die „Cargo“ tragen und vollkommen gefangen nehmen. Dieser Film kommt ohne Blut und Gedärme und eklige Horror-Effekte aus, sondern überzeugt emotional und erzählt gefühlvoll seine Geschichte. Ganz ehrlich, am Ende kullerte bei mir eine Träne… dieser Film nimmt einen wirklich mit. Danke, Netflix, diese Empfehlung war wirklich wunderbar!

Wertung: 9 von 10 Punkten (schaut vorher bitte nur nicht den Kurzfilm, auf der dieser Film basiert, erst nachher)

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