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Wie bekämpft man einen Gott?

4. Juni 2018

Was zur Hölle passiert hier gerade? Das war gefühlt die ersten Folgen von „Buffy“ Staffel 5 der einzige Gedanke, der in meinem Kopf herumgeisterte. Buffy hat eine Schwester namens Dawn und das nehmen wir jetzt einfach mal so hin? Hier stimmt doch was nicht. Gut, natürlich wusste ich, dass da irgendwas hintersteckte und ich glaube, mein bester Freund hat all meine verrückten Theorien, wer oder was Dawn wirklich ist, abgefeiert und sich ins Fäustchen gelacht. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, so sehr mich das auch alles irritiert hat, so sehr hat es auch Spaß gemacht, Staffel 5 zu gucken. Denn neben der ganzen Dawn-Sache gilt es eben noch einen Gott zu töten.

Wie gesagt, herzlich willkommen, Dawn (Michelle Trachtenberg), Schwester von Buffy (Sarah Michelle Gellar), die es ja offensichtlich schon seit je her gab. Neben Neuzugang Dawn bekommt es die Scooby Gang dieses Mal mit einer Göttin zu tun – Glory (Clare Kramer). Sie ist auf der Suche nach dem mysteriösen Schlüssel, um in ihre Hell-Dimension zurückzukehren, aus der sie verbannt wurde. Sollte sie den Schlüssel bekommen, würde sie die Hölle auf Erden auslösen – und das will natürlich niemand.

Das große Mysterium der kleinen Schwester – das ist so ein Punkt, den Staffel 5 wirklich grandios hinbekommt. Das Ganze rast immer ein bisschen haarscharf daran vorbei, sich wie eine Art Verarsche anzufühlen. So nach dem Motto: „Wir führen auf die billigste Methode einen neuen Charakter ein, den wir unbedingt in der schon lange etablierten Gruppe haben wollen.“ Ich schwankte wirklich manchmal sehr stark hin und her, aber genau im richtigen Moment füttert uns Joss Whedon dann kleine Happen – Happen, die andeuten, dass wir recht haben, dass Dawn nicht wirklich da hingehört. Das fand ich irgendwann dann auch wirklich super spannend – und spätestens mit der Auflösung ist das Ganze richtig aufregend.

Großartig ist aber auch Göttin Glory selbst. Nach der komischen Initiative aus Staffel 4 war mir Glory eine sehr, sehr willkommene Abwechslung. Zumal Clare Kramer ihre Rolle auch einfach verdammt gut gespielt hat. Die war so wunderbar süffisant, mal total nett, aber in Sekunden eben auch ein absolut fieses Monster – in trendigen Designer-Kleidern. Ein schöner Kontrast, der zeigt, dass nicht alle Schurken eklige Monster sein müssen. Es kommt eben am Ende doch nur auf die inneren Werte an. Mit Glory hat Whedon dann auch wirklich gut die Schwächen in der Gruppe ausbauen können.

Richtig ans Herz gegangen ist mir da echt dieser Moment, an dem sie Tara (Amber Benson) in den Wahnsinn treibt und Willow (Alyson Hannigan) ihre böse Seite zeigt. Da zeigt sich, dass die Dunkle Seite der Macht auch bei „Buffy“ durch Wut und Zorn und Hass angetrieben wird und erschreckendes offenbart. In diesem Zusammenhang wird dann aber auch die Geschichte von Joyce Summers (Kristine Sutherland) verdammt, verdammt traurig. Ich hätte im Leben nicht daran gedacht, dass die Serie auch so weit gehen würde, die einfach sterben zu lassen. Das war echt der Punkt, wo ich gedacht: „Uff… ist ja hier wirklich nix mit Teenie-Monster-Serie mehr in Staffel 5!“

Hier muss man dann aber auch echt sagen, dass Staffel 5 wirklich aus allem was rausholt – was ja auch gut ist, wenn man bedenkt, dass Staffel 5 eigentlich die letzte Staffel hätte sein sollen. Dafür hat sich Whedon dann aber auch wirklich eine Finale ausgedacht, bei dem ich mich am Ende gefragt, zwei Dinge gefragt habe: 1) Wäre ich mit dem Ende zufrieden gewesen, wenn es wirklich das Ende der Serie gewesen wäre? (Und ganz ehrlich… nein, nicht wirklich. Als Serienfinale hätte mich das irgendwie angekotzt, trotz Buffys heroischem Akt und bla bla bla. Aber als Ende-Ende hätte mich das nicht befriedigt.) 2) Ich wusste ja, dass eine Staffel 6 kommen würde und habe mich gefragt, wie sie das wieder rückgängig machen wollen.

Abgesehen von der ganzen wirklich runden Staffel fand ich auch alles rund um Spike (James Marsters) mal wieder spitze. Der einst blutrünstige Vampir leidet ja immer noch unter dem Chip in seinem Kopf, der verhindert, dass er Menschen anfallen kann – und jetzt, zu allem Überfluss – leidet er auch noch an großen Gefühlen, hat er sich doch in Buffy verliebt. Eine Story, die zu merkwürdigen Buffy-Robotern führt und witzigen, aber auch harten Szenen zwischen Buffy und Spike, der mir dann hier und da ein wenig leid getan hat.

Staffel 5 war super, das muss ich einfach so sagen. Das war weg von zu vielen Monster-of-the-Week-Folgen (obwohl ich Graf Draculas Auftritt in der ersten Folge schon auch irgendwie witzig fand) und hin zu einer starken zusammenhängenden Geschichte, die regelrecht zum Bingen auffordert. So kann es gerne weiter gehen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Slayer vs. Gott – ein harter Kampf)

7 Kommentare leave one →
  1. 4. Juni 2018 08:18

    Ich persönlich fand Staffel 5 am schwächsten. Zum einen bin ich mit Dawn überhaupt nicht klargekommen und zum anderen war mir Glory zu sehr dieses größer, höher, böser Prinzip mit dem viele Serien zu kämpfen haben

    • donpozuelo permalink*
      5. Juni 2018 22:08

      Bei Glory gebe ich dir noch recht… und zum Teil ehrlich gesagt auch bei Dawn. Anfangs bin ich gar nicht mit ihr klargekommen, habe meinen Kumpel, mit dem ich die Serie schaue, immer wieder mit Fragen gelöchert (er kennt die Serie schon). Aber ich fand das am Ende trotzdem irgendwie ziemlich cool… ich kann dich aber gut verstehen. Leicht ist das nicht gerade zu schlucken… weil es einfach so aus dem Nichts kommt.

  2. 4. Juni 2018 09:23

    Oh ja, tolle Staffel! Und der Twist mit Dawn war wirklich ein Mind-Fuck erster Güte… 😀

    • donpozuelo permalink*
      5. Juni 2018 22:09

      Oh ja, Mind-Fuck passt echt gut. Ich habe echt gedacht, Buffy ist im Koma, träumt sich durch einen Fluch irgendeinen Mist zusammen oder sowas… das war schon cooles Rätsel-Raten – leicht am Rand der Verzweiflung, weil es so absurd wirkte.

      • 5. Juni 2018 22:18

        Ging mir damals auch so. War ein echt cooler Moment. Toll ausgedacht von Whedon 🙂

        • donpozuelo permalink*
          5. Juni 2018 23:44

          Absolut. Ist wirklich mal was ganz anderes gewesen. So etwas „verrücktes“ habe ich bisher noch bei keiner anderen Serie erlebt.

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