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Blutiger Familienausflug

1. Juni 2018

Menschen in Horror-Filmen sind echt ziemlich dumm. Ich frage mich manchmal, ob Menschen in Horror-Filmen selbst jemals einen Horror-Film gesehen haben. Also als Charaktere, die in unser Gegenwart leben, sollten sie doch zumindest von einigen Horror-Klischees gehört haben. Ganz ehrlich, sollte ich jemals (und ich hoffe, das passiert niemals nicht) in eine unheimliche, merkwürdige Situation kommen… gut, ich würde erst einmal zu einer Kugel zusammengerollt auf dem Boden liegen und weinen und nach Mama schreien. Aber vielleicht danach würde ich verheult und schluchzend versuchen NICHT alleine nach Hilfe zu suchen. Menschen in Horror-Filmen müssen trotzdem immer wieder alleine unterwegs sein. Auf der anderen Seite, was sollen sie auch machen? Wir wollen ja sehen, wie sie alle schön abgemetzelt werden. Wenn die alle brav in der Gruppe bleiben, macht das ja kein Spaß. Und schon unsere Urvorfahren haben das Jagd-Prinzip erkannt: Trenne die Gruppe und jage einzelne. So machen das dann auch die Mutanten aus „The Hills Have Eyes“ – nur müssen die die Gruppe nicht erst trennen, das macht die schon von alleine.

Ich sag’s gleich vorweg… es geht um das Remake von Aexandre Aja, das auf Wes Cravens Film basiert. Familie Carter – Papa Bob (Ted Levine), Mama Ethel (Kathleen Quinian), Sohnemann Bobby (Dan Byrd), die Töchter Brenda (Emilie de Ravin) und Lynn (Vanessa Shaw) sowie deren Ehemann Doug (Aaron Stanford) und deren Baby und die beiden Schäferhunde Beauty und Beast – hat die tolle Idee, mit dem Wohnmobil nach Kalifornien zu reisen. An einer schäbigen Tankstelle gibt ihnen ein noch etwas schäbigerer Tankstellenwärter (Tom Bower) den tollen Tipp, doch einfach eine nicht verzeichnete Abkürzung durch die Wüste zu nehmen. Papa Bob ist voll dafür – und gerät so natürlich schön in die Falle… in die Falle von den Bewohnern der Wüste.

Jetzt ’ne Dusche…

Ich sag’s gleich vorweg, ich habe das Original nie gesehen – obwohl ich es jetzt gerne tun würde. Denn das Remake war für Horror-Film-Verhältnisse wirklich sehr „unterhaltsam“ – was heißen soll, dass ich schon hier und da ein bisschen vor Aufregung gequiekt habe und tatsächlich schwer mit den armen Carters mitgefiebert habe.

Wobei ich tatsächlich sagen muss, dass mir Aja ein paar Chancen verpasst, um vielleicht mehr aus diesem Remake zu machen als einfach nur ein blosses Remake (wie gesagt, ich kenne das Original nicht und gehe jetzt wirklich nur von Ajas Film aus). Was er auf jeden Fall gut hinbekommt, ist ein ordentliches atomar-verseuchte-Menschen-meucheln-arme-Familie-tot-Gemetzel. Der Anfang ist schon sehr widerlich, gerade die ganze Szene mit den Frauen im Wohnwagen hinterlässt einen ziemlich flauen Magen. Aja spart nicht an ziemlich grausigen Bildern und liefert dazu auch sehr überzeugende Effekte – eine Sache, die er aus seinem „High Tension“-Film mit in diesem Film genommen hat. „The Hills Have Eyes“ ist definitiv nichts für zart Besaitete. Der Film stürzt die Familie erst ins Grauen, bevor sich dann einige Mitglieder auf irgendwie sehr zufrieden stellende Art und Weise an ihren Peinigern rächen (wobei ich dann am Ende doch sehr erstaunt war, wie viel ein Normalo wie Doug in diesem Film einstecken kann – Respekt!). Die Tatsache, dass Wes Craven als Produzent mit an Bord war, spricht zumindest sehr dafür, dass er diesem Film wohl gesonnen war.

Aber ich meinte ja schon, dass man aus „The Hills Have Eyes“ auch noch ein bisschen mehr hätte machen können – aber gut, dann wäre es wahrscheinlich kein Alexandre-Aja-Film mehr gewesen. Punkt 1: Die Mutanten… die bekommen eigentlich eine ziemlich tragische Hintergrund-Geschichte. Die Regierung wollte sie aus der Wüste haben, sie wollten ihre Heimat aber nicht verlassen und wurden so Opfer der Atom-Experimente. Zu Zeiten des Kalten Kriegs war das sicherlich ein aufregendes Thema, bei dem vielleicht auch noch ein bisschen mehr Kritik an der Regierung steckte und diese Mutanten vielleicht auch noch ein wenig mehr selbst als Opfer da standen. Das wäre auf jeden Fall mal ein interessanter Twist gewesen – die bemitleidenswerten Mutanten… nur leider kann man sie nach allem, was sie in diesem Film tun halt nicht bemitleiden. Und hätten sie diese Dinge nicht getan, wäre „The Hills Have Eyes“ ein tragisches Drama, bei dem Familie Carter am Ende noch für die Rechte der Mutanten kämpft. Wäre eine Option, würde aber wahrscheinlich kein „unterhaltsamer“ Horror-Film mehr sein.

Punkt 2: Familie Carter hätte man durchaus schon ein bisschen mehr ausbauen können. Hier treffen einfach nur so die üblichen Klischees aufeinander und am Ende gibt es einen Charakter, der weit über sich hinauswächst. Typisch Horror-Film halt – irgendwie hätte ich mir da mehr gewünscht, dass der Film sich ein wenig mehr auf die Familie stützt. Quasi Mutanten-Familie gegen „normale“ Familie.

Aber gut, wie gesagt… „The Hills Have Eyes“ ist – in meinen blutigen Augen (kleine Spitze auf den merkwürdigen deutschen Titel „Hügel der blutigen Augen“) – ein packender, ziemlich krasser Horror-Film, der zwar nicht unbedingt viel Horror-Atmosphäre hat (obwohl man das in der atomaren Geisterstadt auch gut hätte machen können), dafür aber harte Action und extrem viel blood and gore liefert…

Wertung: 8 von 10 Punkten (sollte ich mich jetzt auch noch an den zweiten Teil wagen?)

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13 Kommentare leave one →
  1. 1. Juni 2018 09:22

    Danke für die Warnung, ich hatte den Film auf Netflix in der Watchlist, da fliegt er wieder raus. Übermäßig viel Blut und Gewalt mag ich gar nicht.

    • donpozuelo permalink*
      1. Juni 2018 10:11

      Ja, wenn du mit sowas nichts anfangen kannst, dann solltest du den Film wirklich von der Watchlist nehmen.

      Wie gesagt, man hätte auch etwas anderes daraus machen können. Aber man entschied sich halt für Blut und Blut und noch einmal mehr Blut…

  2. 1. Juni 2018 09:30

    Der zweite Teil ist nicht so gut wie der Erste. Primär, wenn ich mich recht erinnere, weil die Bindung zu den Figuren schwerer ist.

    • donpozuelo permalink*
      1. Juni 2018 10:12

      Okay. Danke für den Tipp… vielleicht werde ich den mal gucken, aber ihm jetzt keine große Priorität geben.

  3. 1. Juni 2018 10:28

    Aja macht durchaus mehr als ein Remake daraus. So ab der Mitte geht der Film in eine andere Richtung, als das Original. Das solltest du dir aber auch mal geben. Ist wunderbar schlecht gealtert.

    • donpozuelo permalink*
      5. Juni 2018 22:05

      Ich werde mir das Original auf jeden Fall mal anschauen. Würde mich ja schon mal interessieren, wie das damals ausgesehen hat. Und wenn du noch sagst, dass das Original inhaltlich doch anders ist, bin ich gespannt… auch wenn er wunderbar schlecht gealtert ist 😀

      • 5. Juni 2018 23:23

        Also „inhaltlich anders“ ist etwas übertrieben, aber ab der Mitte gehen die Filme zum Teil unterschiedliche Wege. Die Grundidee und der Aufbau sind natürlich schon recht identisch. Schlecht gealtert ist der aber auf jeden Fall. Das muss man natürlich abkönnen.

        • donpozuelo permalink*
          5. Juni 2018 23:44

          Okay. Verstehe… Ich werde es trotzdem mal versuchen…

        • 5. Juni 2018 23:48

          Solltest du. Der macht aus seine Art schon noch ne Menge Spaß und geht auch gut ab.

        • donpozuelo permalink*
          6. Juni 2018 07:40

          Wird gemacht 😀

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