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Krieg in Azeroth

21. Mai 2018

Ich habe absolut keine Ahnung von „World of Warcraft“… obwohl ich mir ziemlich sicher, dass ich – wenn ich damals die Mittel dazu gehabt hätte – mich in dieser riesigen Online-Spiele-Welt sau wohl gefühlt hätte. Das war nämlich genau auch die Zeit, in der ich Spiele wie „Gothic“ und was weiß ich nicht alles spielte. Fantasy-Rollenspiele fand ich cool, nur war ich technisch einfach nicht in der Lage, am Ball bleiben zu können. Irgendwie bin ich jetzt auch froh, weil ich ziemlich sicher weiß, dass ich da wirklich hätte süchtig von werden können. Also: Ich kam auch ohne „WoW“ klar… weswegen ich 2016 auch null Begeisterung für den „Warcraft“-Film aufbringen konnte. Kurz war ich interessiert, als ich hörte, dass Duncan Jones die Regie übernehmen würde, aber als ich dann erste Trailer sah, war das Ding für mich gestorben. Riesige CGI-Orks kämpfen gegen Menschen – das sah mir irgendwie wie ein grell-bunter Versuch, „Lord of the Rings“ nachzumachen und das Ganze schön als „WoW“-Film zu verkaufen, um die Fans ins Kino zu locken (was ja leider nicht so richtig geklappt hat). Doch jetzt habe ich mir den Film aus einer puren Laune raus angeschaut (gut, ich kam gerade aus der Vorführung von „Solo: A Star Wars Story“ und wollte irgendeine Art von Ablenkung haben) und war doch ein wenig überrascht – so super doof ist der Film gar nicht.

Die Heimatwelt der Orks wird von der Fel-Magie mehr und mehr zugrunde gerichtet – was auch am gemeinen Ork-Magier Gul’dan (Daniel Wu) liegt. Je mehr er diese Magie einsetzt, die Leben einsaugt, um zu wirken, desto mehr stirbt diese Welt. Aushilfe soll die Flucht nach Azeroth verschaffen – die Welt von Menschen, Elfen und Zwergen. König von Azeroth Llane Wrynn (Dominic Cooper) sieht sich auf einmal einer Übermacht von riesigen Orks gegenüber. Gemeinsam mit dem Guardian Medivh (Ben Foster), seinem besten Kämpfer Anduin Lothar (Travis Fimmel), dem Magier Khadgar (Ben Schnetzer) und noch ein paar gefühlt tausend Charakteren mehr zieht der König in den Krieg. Doch es sind nicht alle Orks wirklich schlecht…

Große grüne Männchen

„Warcraft“ ist eine wahrhaftige CGI-Schlacht, an die man sich erst einmal ein bisschen gewöhnen muss. Gerade die riesigen Orks wirken auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, doch irgendwie überträgt Duncan Jones diesen CGI-Look gekonnt auf den ganzen Film, so dass es am Ende doch irgendwie ein tolles Bild ergibt. Ich mochte diese Welt, die verschiedenen Orte, an die uns der Film führt und die Bewohner. Ich mochte vor allem diese fetten Rüstungen, die die Menschen tragen und dabei ihre überriesigen Waffen schwingen. Das war alles over-the-top, aber es war irgendwie für eine Spiele-Verfilmung passend. Und ich habe auch mit ein paar Fans der Spiele gesprochen, die diesem Look ebenfalls einiges abgewinnen konnten. Allein das Optische war für einen Fantasy-Film dann doch viel besser als ich es erwartet hatte. Die Welt von Azeroth hat Jones einem Unwissend wie mir schön vorgestellt. Und ich mochte sie…

Auch die Story an sich fand ich dann überraschend spannend. Klar ist sie relativ simpel gehalten, aber trotzdem ist sie packend. Was für mich vor allem daran lag, dass es nicht alles so super schwarz-weiß gezeichnet wurde. Orks gleich böse, Menschen gleich gut. Gerade bei seiner Darstellung der Orks baut Jones schön die Traditionen aus, bringt uns mit Oberork Schießmichtot (ich habe die Namen alle nicht behalten können) und seiner kleinen Familie jemanden, der stark daran zweifelt, ob diese Invasion so gut ist, der sich gegen seine Clanmitglieder stellt und nicht nur blind tötet. Oberork Schiemichtot erkennt die Gefahren der Fel-Magie und wehrt sich. Das war toll – und somit wurden die Orks für mich fast schon interessanter als die Menschen.

Die Menschen, das waren einfach zu viele Charaktere, die ich nicht auseinander halten konnte, die mir Jones aber auch nie so wirklich interessant vorstellen konnte. Das war eine kleine Massenabfertigung: Hier ist der, da ist der und das ist der König und das ist der Beschützer der Welt und dann gibt es noch da eine Vater-Sohn-Geschichte und und und. Keiner der menschlichen Charaktere bekommt wirklich Tiefe – selbst der vermeintliche Held des Films, dargestellt von Travis Fimmel) bleibt ziemlich blass zurück – sieht aber gut in seiner Kampf-Rüstung aus.

Die Einzigen, die mir im Gedächtnis geblieben sind, waren Dominic Cooper und seine Frau Ruth Negga, weil ich ja ein begeisterter „Preacher“-Fan bin und es irgendwie cool fand, in diesem Haufen an Charakteren zumindest zwei Gesichter zu erkennen, die ich mir merken konnte.

Alles in allem fand ich „Warcraft“ überraschend unterhaltsam – ich mochte die Fantasy, die Zauberei und die Kämpfe und die Welt, war aber schwer überfordert mit den tausend Charakteren und am Ende auch ein bisschen gelangweilt, weil sich der Film zum Finale hin doch sehr streckte. Trotzdem muss ich gestehen: Sollte es jemals ein „Warcraft 2“ geben, ich würde mir das angucken – sogar im Kino.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ist das eine gute Spiele-Verfilmung? Sie hat auf jeden Fall Spaß gemacht)

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