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D-Fens

16. Mai 2018

Es ist eigentlich schon ziemlich schade, dass sich Joel Schumacher allein wegen seinen beiden Batman-Filmen so in Verruf gebracht hat. Schließlich war der Mann doch auch für Filme verantwortlich, die man sich tatsächlich anschauen kann. „The Lost Boys“ (den ich immer noch nicht gesehen habe, aber von dem ich nur gutes höre), „Flatliners“ (der soll ja auch ganz okay gewesen sein), „Der Klient“ (habe ich gut in Erinnerung), „Nicht auflegen!“ (siehe „Der Klient“) oder auch „8mm“. Aber so ist das halt… mach einen Fehler und es bleibt haften. Mach den gleichen Fehler noch einmal und du wirst es nie wieder los! Der arme Joel… aber Bat-Kreditkarten und Nippel sind auch ein schweres Vergehen, auch wenn da noch so gute Filme in der Filmografie lauern. Einen Film, den ich letztens aus nostalgischen Gründen mal wieder nachgeholt habe, hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm als einen Joel-Schumacher-Film: „Falling Down“ mit Michael Douglas (und dem etwas merkwürdigen deutschen Untertitel: „Ein ganz normaler Tag“).

William Foster (Douglas) lebt getrennt von seiner Frau Beth (Barbara Hershey) und seiner kleinen Tochter. Zudem darf er sich seiner Familie nicht nähern, hat gerade seinen Job verloren und steckt zu Beginn des Films im schlimmsten Stau fest – eine letzte Situation, die das Fass William zum Überlaufen bringt. Er steigt aus seinem Auto (mit dem Kennzeichen D-Fens) und will zu seiner Tochter, die gerade Geburtstag hat. Doch der frustrierte Mann trifft auf dem Weg nach Hause nur noch mehr Leute in der Stadt der Engel, die so gar keine Engel sind und die seine Frustration üble Ausmaße annehmen lassen (sagen wir nur so viel: irgendwann rennt der gute William mit einer Sporttasche voll Waffen durch die Stadt). Wegen dieser Ausmaße wird auch der Polizist Prendergast (Robert Duvall) auf William aufmerksam – und das an seinem letzten Tag in der Einheit. Also alles andere als ein ganz normaler Tag für die beiden!

Er will doch nur nach Hause

Ich weiß noch, dass „Falling Down“ zu diesen Filmen gehörte, die ich in recht jungen Jahren geschaut habe. Und mich der Film damals schwer beeindruckt hatte – gerade weil der so unfassbar war. Das war mehr wie Science Fiction als alles andere: Wie kann ein Mann in einem Stau sein Auto verlassen und wie kann sich dann daraus so ein ungewollter Amok-Lauf durch die Stadt entwickeln? Auch jetzt habe ich diesen Film beeindruckt und fasziniert geschaut. Denn er ist immer noch gut, ein bisschen unheimlich, aber auch gut. Unheimlich, einfach deswegen, weil es irgendwie bei so manchen Nachrichtenmeldungen gar nicht mehr so abwegig erscheint, dass irgendwo irgend jemand zu so einem Tag getrieben werden kann. Aber ich will da jetzt auch nicht zu viel in „Falling Down“ rein interpretieren. In erster Linie ist es eigentlich ein Film über einen ziemlich traurigen Mann, über den wir eigentlich gar nichts wissen. Es ist interessant, dass man erst so zum Schluss feststellt, dass William wirklich ein sehr aufbrausender Mensch und vielleicht auch nicht immer der beste Mensch gewesen ist. Zu diesem Zeitpunkt distanziert man sich dann auf einmal doch etwas stärker von ihm. Während seiner Lauf durch L.A. kann man sich aber auf eine verquere Art und Weise irgendwie in ihn hinein versetzen.

Natürlich spitzt der Film die Dinge extrem zu, aber nehmen wir nur mal allein die vielleicht beste Szene im ganzen Film: William im Burger-Laden, der erst Frühstück will (das ihm verweigert wird, weil die Frühstückszeit vor zwei Minuten endete) und dann einen Burger will (der ein trauriges Abbild von dem ist, was er da eigentlich auf dem Bild gesehen hat). Den Ausbruch da kann man schon gut nachvollziehen. Schumacher überspitzt natürlich zum Wohle des Actionfilms, der „Falling Down“ nun einmal ist… und macht dabei eine interessante Gratwanderung. Denn oftmals kommt man mit William auch an einen Punkt, wo er zu krass reagiert, wo er sich über alle stellt, aber dann doch irgendwie als Symbol für den kleinen Mann herhalten soll – fast so, als ob ein kleines bisschen Wut hier und da nicht schlecht wäre. Ich glaube, „Falling Down“ ist ein kleiner Rorschach-Test, jeder mag in William etwas anderes sehen und hat damit nicht unrecht. Er ist ein dummes Arschloch und er ist irgendwie auch zu bemitleiden, anzufeuern. Er will doch nur nach Hause.

Egal, wie man seine Handlungen nun sieht, „Falling Down“ ist schon ein spannender Film mit einem umwerfend stoischen Michael Douglas und einem sympathischen Robert Duvall, der das perfekte Gegenstück zu Douglas liefert. Duvall hätte theoretisch auch allen Grund zum Explodieren, hält sich aber unter Kontrolle – Schumacher zeigt also beide Varianten auf und lässt am Ende dann doch die bessere gewinnen. Und das ist am Ende gut so… ich mag den Film auch jetzt noch, auch wenn es die Art von Film ist, die heutzutage kein Mensch mehr wirklich machen würde, aber wofür sind die 90er sonst da? 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein irrer Trip durch L.A. mit einem irren Typen, der irres Zeug erlebt – ein komplett kaputter Film, der dennoch seinen Reiz hat)

8 Kommentare leave one →
  1. 16. Mai 2018 08:13

    Flatliners war nicht nur ganz okay, der war mega! Hatte mich damals als junger Mensch jedenfalls sehr beeindruckt. Falling Down fand ich auch gut zu seiner Zeit, hätte jetzt aber tatsächlich erwartet, dass er etwas schlechter gealtert wäre. Aber scheint ja immer noch gut zu gehen.

    • donpozuelo permalink*
      16. Mai 2018 09:23

      Damit habe ich auch gerechnet. Ich habe ihn, wie gesagt, aus reinen Nostalgie-Gründen geguckt und schwer damit gerechnet, dass mich der Film jetzt nicht mehr so fesseln würde. Aber es ist nach wie vor ein gut gemachter Film, den man sich echt anschauen kann.

      „Flatliners“ muss ich dann unbedingt mal auf meine Liste setzen.

      • 16. Mai 2018 12:51

        Noch eine Stimme für Flatliners 😉

        • donpozuelo permalink*
          16. Mai 2018 13:11

          Gut zu wissen… aber ich lasse lieber die Hände von dem Remake, oder? Das soll ja wirklich furchtbar gewesen sein.

        • 16. Mai 2018 14:03

          Es gibt eins? Oh Schreck. Nee, find ich jetzt spontan überflüssig.

        • donpozuelo permalink*
          16. Mai 2018 20:17

          Ja, ich glaube, letztes oder vorletztes Jahr – sogar mit Ellen Page in einer der Hauptrollen. Aber von dem weiß ich halt nur, dass der nicht so gut ankam.

  2. 18. Mai 2018 17:48

    Falling Down und ich… Es ist ein brillanter Film, ohne Frage. Douglas und Duvall je in Topform, aber irgendwas hindert mich daran, dem Film auch eine entsprechende Wertung (8/10) zu geben und ich weiß ums verrecken nicht, warum. Man kann hier alles nachvollziehen, so absurd es auch sein mag und zahlreiche Szenen bleiben haften (Raketenwerfer), aber irgendwie fehlt letztn endes doch immer der magische Funken. Merkwürdig. Aber trotzdem muss ich dem Film einiges an Qualität zusprechen.

  3. 20. Juli 2018 19:42

    Wow, den sollte ich auch mal wieder schauen. 🙂 Es ist leider eine Weile her und ich erinnere mich nur noch, dass Douglas stoische Rolle ziemlich cool fand, weil ich ihn so vorher noch nie gesehen hatte. Und ich glaube das ist immer noch so!?
    Und bei all den Menschen die er trifft, dachte ich, dass es kein Wunder ist, dass er ausrastet … aber vermutlich wäre es nicht schlecht den Film aus heutiger Perspektive nochmal zu sehen.

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