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Reboot-Lara

25. April 2018

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich bei meinem Kumpel damals saß und ihm dabei zusehen durfte, wie er „Tomb Raider“ spielte. Das war aufregend, da wurden wilde Wölfe erschossen, Rätsel wurden gelöst, gefährliche Klippen wurden übersprungen und zwischendurch tauchte auch noch mal ein T-Rex auf. Das war 1996 und seitdem hat die taffe Lara Croft zahlreiche Abenteuer bestanden, wurde von Angelina Jolie verkörpert und erlebte dann 2013 ein würdiges Reboot, in dem man eine junge, noch unerfahrene Lara über eine Insel lenkte, sich mit Pfeil und Bogen verteidigte und der Legende von Himiko nachging. Genau das Gleiche soll uns jetzt auch im Kino passieren – die Reboot-Lara wird nun verkörpert von Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander in „Tomb Raider“.

Lara (Vikander) trauert ihrem Vater Richard (Dominic West) nach und verdingt sich als Fahrradkurier. Doch dann nimmt sie irgendwann ihr Erbe an, bekommt ein kleines Rätsel geschenkt und findet die geheimen Unterlagen ihres Vaters. Der suchte irgendwo im Nirgendwo eine unbekannte Insel, auf der Himiko, Königin von Yamatai, begraben wurde. Sie soll die Macht über das Leben und den Tod gehabt haben. Das suchte Papa Croft und jetzt, wo Tochter Croft weiß, wo sie suchen muss, zieht sie los. Mit der Hilfe des sympathischen Kapitäns Lu Ren (Daniel Wu) findet sie die Insel und trifft dort leider auch auf die Organisation Trinity, die Mathias Vogel (Walton Goggins) vor sieben Jahren auf die Insel schickte, um Himiko zu finden.

Schön festhalten…

Erst einmal muss ich gleich etwas vorwegnehmen, was ich gerade erwähnt habe… wie strunzdumm muss dieser Vogel bitte sein, dass er in sieben Jahren nicht ein Stück weitergekommen ist mit seiner Suche. So groß ist die Insel nun auch nicht und mit moderner Technik sollte es doch eigentlich möglich sein, eine unterirdische Grabkammer zu finden. Sollte, sollte, sollte… aber nein, man wartet lieber, bis eine junge Frau mit Pfeil und Bogen kommt, die dann mal eben alle aufmischt. Die armen asiatischen Fischer, die Vogel in bester „Indiana Jones und der Tempel des Todes“-Manier für sich arbeiten ließ, waren natürlich nicht in der Lage, sich selbst zu befreien. Da wartet man halt einfach brav auf Lara Croft.

Damit sind wir dann einfach mal direkt beim größten, größten Problem, das „Tomb Raider“ hat. Die Story ist einfach nicht gut. Der ganze Film streckt sich elendig in die Länge. Ständig werden wir mit öden (und vor allem gefühlt den immer gleichen) Rückblenden genervt, die dann aber mal eben schnell erklären, warum unsere Lara so gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Die ganze Sache will einfach nicht so richtig zu Potte kommen. Der Film möchte so gerne eine moderne Version von „Der Letzte Kreuzzug“ sein – mit den ganzen Prüfungen, um an Himikos Grab zu kommen und einer Art „Himiko-Tagebuch“, das Papa Croft anfertigte, aber „Tomb Raider“ entwickelt sich nie richtig zum Abenteuer-Film.

Dafür sind die Rätsel einfach zu öde – mal ein bisschen was hier hin und da drehen, ein paar Farbenspiele und das war’s. Es kommt einfach nie so richtig Spannung. Selbst die Action-Sequenzen fühlen sich im Film erzwungen an – Pfeil und Bogen gegen Maschinengewehre wirkt im Film irgendwie ziemlich albern (obwohl es im Spiel immer saucool war). Die beste Action-Szene ist eine Fahrrad-Jagd zu Beginn des Films, die mit nichts wirklich zusammenhängt.

Auch das Drama um Lara funktioniert nie so wirklich. Das Spiel hat ja auch versucht, eine neue Lara zu etablieren, die erst all ihre Fähigkeiten lernen musste (die aber nicht ihren Vater suchte). „Tomb Raider“ hätte versuchen können, das mehr auszuarbeiten. Aber stattdessen wird uns in der ewig langen Einleitung gezeigt, dass sie cool kämpfen kann, Rückblenden zeigen uns ihre Fähigkeiten mit Pfeil und Bogen und als Fahrrad-Kurier ist man offensichtlich besonders cool und kann schnell reagieren… ist es das, was wir daraus lernen sollten??? Lara Croft kommt nie richtig zur Geltung. Wir erfahren eigentlich nichts über sie.

Somit ist „Tomb Raider“ als Charakter-Drama (um Gottes Willen!!!) auch ein Reinfall. Also was hat dieser Film zu bieten? Ein paar nette Schauwerte, ein paar Anspielungen an das Spiel (wie etwa das Flugzeug-Geklettere, Pfeil und Bogen und die Spitzhacke zum Klettern sowie ein paar Zeitlupen, die offensichtlich nur gedreht wurden, um coole Clips für den Trailer zu haben) und Schauspieler, die sich allergrößte Mühe geben, diesem dummen Skript irgendwas zu geben. Alicia Vikander ist dabei genau so unterfordert wie Walton Goggins, der mal den plakativsten Schurken überhaupt spielt. Und Daniel Wu… naja, da freue ich mich lieber, wenn es mit „Into the Badlands“ weitergeht.

Der norwegische Regisseur Roar Uthaug, den ich nur durch seinen großartigen Horror-Thriller „Cold Prey“ kenne, geht mit „Tomb Raider“ ziemlich baden. Der Film ist weder Abenteuer-Film noch Action-Film. Man hätte sich eine ganz eigene Story ausdenken sollen – mit ein wenig mehr Tiefgang oder Hirn, dann hätte das vielleicht was werden können. So ist „Tomb Raider“ leider ziemlich langweilig…

Wertung: 3 von 10 Punkten (die nächste Game-Verfilmung, die keiner gebraucht hat)

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