Zum Inhalt springen

Schön leise sein!

20. April 2018

Michael Bay hat einen neuen Film in den Kinos, der einfach mal so gar nicht Michael Bay ist und trotzdem seinen Namen trägt. Es gibt kaum nennenswerte Explosionen, es gibt keine minderjährigen kleine Mädchen, die uns als Sex-Objekte vorgeführt werden und Autos gibt es auch nicht wirklich. Dieser Michael-Bay-Film ist weder laut noch trashig noch voller Michael Bay. Stattdessen ist er still und sogar nicht trashig, aber ein bisschen Bay ist trotzdem drin, aber dazu später mehr. Ach ja, es geht natürlich um „A Quiet Place“, der neue Horror-Hype aus den USA, der tatsächlich von Michael Bay produziert wurde und deswegen offiziell als Michael-Bay-Film betitelt werden darf. Auch wenn das natürlich niemand will, denn alle „Transformers“-Fans würden von diesem Film ziemlich enttäuscht sein.

Im Jahr 2020 wurde ein Großteil der Menschheit von merkwürdigen Wesen vernichtet. Es sind Kreaturen, die blind sind, dafür aber perfekt hören und noch das kleinste Geräusch aufgreifen, um so ihre Opfer zu finden. Wer überleben will, muss also schön leise sein. Die Abbott-Familie – Papa Lee (John Krasinski), Mama Evelyn (Emily Blunt), Sohnemann Marcus (Noah Jupe) und Tochter Regan (Millicent Simmonds) – haben ein System entwickelt, mit dem sie ihr Leben so lautlos wie möglich gestalten. Was nicht einfach ist, vor allem, wenn Mama Abott hochschwanger ist und die komischen Viecher nicht weit vom Haus entfernt durch die Gegend schleichen.

Stille Post ist das beliebteste Spiel dieser Zeit…

„A Quiet Place“ im Kino zu schauen, ist schon ein echtes Erlebnis für sich. Das liegt daran, dass Regisseur John Krasinski im Film das Konzept der Lautlosigkeit wirklich knallhart durchzieht. Die Familie verständig sich durch Handzeichen und Zeichensprache und minimales Flüstern. Alles ist irgendwie gedämpft, um wirklich jedes unnötige Geräusch zu vermeiden. Das Sound-Design von „A Quiet Place“ ist absolut unglaublich. Der ganze Film ist eigentlich fast ein Stumm-Film und das Geile daran ist, dass überträgt sich so gut auf das Publikum. Anfangs hört man es hier und da noch rascheln, aber einem bestimmten Zeitpunkt wurde es bei mir im Kino einfach mal selbst mucksmäuschenstill. Das ist schon verdammt beeindruckend und es ist großartig, wie gut Krasinski damit im Film umgeht.

Toll ist auch, dass Krasinski uns überflüssige Erklärungen erspart. Stattdessen sehen wir auf seinem Schreibtisch im Film haufenweise Zeitungsartikel, über die wir die Geschehnisse bis zum Zeitpunkt des Films irgendwie zusammen klauben müssen. Für einen „Stumm-Film“ genau die richtige Methode.

Aber ich weiche vom Thema ab: Durch die Stille ist „A Quiet Place“ in den spannenden Szenen wirklich nervenaufreibend spannend. Man möchte selbst am liebsten den Atem anhalten, um ja keinen Mucks zu machen. „A Quiet Place“ hält die Spannung aufrecht, bis zur letzten Minute. Es ist ein Film, der wirklich gut inszeniert ist. Krasinski nutzt sein selbst auferlegtes Konzept der Stille perfekt aus und schafft über die 90 Minuten eine angespannte Atmosphäre…

… vorausgesetzt (was eine schönere Form des ABER ist) man denkt nicht zu viel nach. Und hier kommen wir dann zu dem Punkt, an dem „A Quiet Place“ dann ein kleines bisschen Bay beinhaltet. Es sieht alles top inszeniert aus, man darf sich nur nicht zu viele Fragen über den Film stellen. Es gibt da so einen Nagel in diesem Film, der eine äußerst zentrale Rolle spielt und dabei so plakativ dumm eingesetzt wird, dass es wirklich weh tut. Nicht nur, wenn der Nagel zum Einsatz kommt, sondern auch einfach so. Und ganz ehrlich, so gut „A Quiet Place“ auch ist, er hat mehrere solcher Momente, in denen die Logik so fies missachtet wird, dass sie (als einzige) wirklich laut aufschreit. Es gibt da Dinge innerhalb der Filme, die ich merkwürdig fand (besonders in Bezug auf Töchterchen Regan), es gab Dinge im letzten Drittel, die schon ein wenig absurd waren (weil sie uns suggerieren wollen, dass nie ein Mensch auch nur einmal für fünf Minuten über diese Wesen und ihre Fähigkeiten nachgedacht hat) und es gibt Dinge von denen ich gar nicht wusste, wie stark die Schall (vermeintlich) unterdrücken sollen. Deswegen meinte ich, man darf nicht zu viel nachdenken. Dann ist „A Quiet Place“ wirklich gut, wirklich spannend und ein interessantes Erlebnis im Kino, in dem wirklich alle einfach nur still werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein packender Film mit gut umgesetztem Konzept, das ein paar Logiklöcher aufweist, die den Spaß schnell ein wenig ruinieren könnten, wenn man zu lange darüber nachdenkt)

2 Kommentare leave one →
  1. 22. April 2018 19:22

    Sehr schön, wir sind ziemlich genau auf einer Linie 🙂
    Dass er von Michael Bay produziert wurde, ist mir bis zu den Credits aller kein bisschen aufgefallen

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2018 23:32

      Mir auch nicht 😀 Aber dann hing es auf einmal im Kopf wie nichts Gutes.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: