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Der unglaubliche Fliegenmann

16. April 2018

Das klingt jetzt zu sehr nach Superhelden-Film, aber es geht eigentlich um einen der besten Body-Horror-Film aller Zeiten: natürlich soll es jetzt um David Cronenbergs „Die Fliege“ gehen. Aber als ich den jetzt vor kurzem mal wieder geschaut habe, konnte ich nicht anders, als das Ganze als schiefgegangenen Superhelden-Film zu betrachten. Ich habe immer nur gedacht: „Mensch, wenn Peter Parker das Gleiche passiert wäre, wie Seth Brundle in diesem Film, dann wäre Spider-Man ein ziemlich ekliges Viech geworden und sicherlich nicht die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft.“ Der Gedanke hat mich ungemein amüsiert. In Wirklichkeit war das aber bestimmt nur ein unterbewusster Ablenkungsversuch, denn auch wenn „Die Fliege“ so knapp 32 Jahre alt ist, ist es immer noch ein Film, der sich gerade wegen seiner Effekte nicht verstecken muss und immer noch großartig widerlich aussieht.

Der exzentrische Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) hat eine Maschine entwickelt, mit der es ihm gelingt, Dinge zu teleportieren. Damit beeindruckt der einsiedlerische Seth auch die Journalistin Veronica (Geena Davis) – und um sie noch mehr zu beeindrucken, wagt Seth den Selbstversuch. Dabei fällt ihm nicht auf, dass in seiner Teleportationskammer auch eine kleine Fliege steckt. Seth wird zwar erfolgreich teleportiert, doch seine DNS vermischt sich mit der der Fliege.

Not looking good…

Es klingt ja nun auch wirklich ein bisschen wie die Origin-Story von Fliegenmann – und auf nicht unähnliche Art und Weise sind ja viele, viele Superhelden tatsächlich entstanden. Aber ein Cronenberg ist nicht dafür berühmt, Superhelden-Filme zu drehen. Der Mann dreht Horror-Filme, abgefuckte und großartig anzuschauende Horror-Filme mit irrwitzigen Effekten. Und wenn man „Die Fliege“ wegen etwas dringend lobend erwähnen muss, dann sind es die Wahnsinnseffekte von Chris Walas, der dafür zurecht mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Es ist unglaublich beeindruckend, diese langsame Transformation von Brundle zu verfolgen. Erst denkt er sich noch: „Oh Wunder, was ich für tolle Fähigkeiten habe!“, aber diese Fähigkeiten kommen zu einem recht hohen Preis. Jeder, der „Die Fliege“ schon einmal gesehen hat, wird wissen, wovon ich spreche. Jeder, der den Film nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen. Es ist nicht wirklich zu beschreiben, weil dieses Kreaturen-Design und diese Liebe zum Detail für jeden kleinen Punkt der Transformation einfach nur der Hammer sind. Selbst nach 30 Jahren sieht das kein bisschen billig oder albern aus, sondern einfach nur eklig. Eklig und verdammt gut.

Allerdings wäre es großer Fehler, „Die Fliege“ nur auf die Effekte und den Horror zu reduzieren. Denn Cronenberg erzählt auch eine ziemlich dramatische und auch echt traurige Geschichte. Es geht um eine wunderbare Liebe, die durch den Ehrgeiz ein besserer Fliegenmann zu werden, auf tragische Weise in die Brüche geht. Ganz ehrlich, wer sich am Ende nicht ein kleines Tränchen für Fliegenmann wegwischt, der hat kein Herz 😉 Gut, so schlimm ist es jetzt auch nicht, aber die Story ist schon echt gut. Vielleicht startet die Romanze zwischen Seth und Veronica etwas sehr schnell, aber alles was dann kommt, ist toll gemacht.

Was natürlich an dem unsterblichen Jeff Goldblum liegt, der als exzentrischer Wissenschaftler einfach bestens besetzt ist. Er spielt das auf charmante Art und Weise. Er ist witzig und goofy und später dann, selbst als schon fast fertiger Fliegenmann immer noch mit wissenschaftlicher Begeisterung dabei – auch wenn die so nach und nach in Verzweiflung umschlägt. Aber ein Jeff Goldblum kriegt das alles super hin – selbst in seinem schlimmer und schlimmer aussehenden Kostüm. Geena Davis spielt seinen bezaubernden Gegenpart und es ist aufregend zu sehen, wie sehr sie im Laufe des Films hin und her gerissen wird von ihren Gefühlen. Es ist ein bisschen „Die Schöne und das Biest“ – mit der Ausnahme, dass selbst ein Kuss wahrer Liebe nichts mehr ausrichten kann (und selbst wenn… da gehört schon richtig viel Liebe dazu, Fliegenmann einen ordentlichen Schmatzer aufzudrücken). Aber Davis macht das super…

„Die Fliege“ ist der Film, der zeigt, dass nicht alle zu Spider-Man werden und das auf so eine großartige und auch emotionale Art und Weise. Dieser Film ist einfach nur großartig!!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (definitiv keine Fliegenklatsche für diesen Fliegenmann)

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4 Kommentare leave one →
  1. 16. April 2018 12:15

    Ist bei mir ne echte Hassliebe. Ich mochte den alten mit Vincent Price und dann kam das Ding hier und alles wurde so unappetitlich :))

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2018 08:06

      Das Ding hier ist auch ziemlich unappetitlich. Das muss ich schon zugeben 😀

      Den alten Film mit Price kenne ich nur aus einzelnen Szenen. Muss ich mir auch mal anschauen. Genauso wie das Original zu „The Thing“

  2. 18. April 2018 07:45

    Hab den Film auch gerade erst geschaut und kann Dir nur zustimmen, 10/10 – wow! Richtig guter Body-Horror und in der Tat eine interessante Überlegung wie das wohl mit Spiderman geworden wäre, wenn da was schief gegangen wäre 😉
    Liebe Grüße …

    • donpozuelo permalink*
      18. April 2018 22:18

      Obwohl ich mir das mit einer Spinne bei meiner Phobie nie hätte angucken können. Da wäre ich wahrscheinlich einfach gestorben.

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