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Zocker-Oase in Gefahr!

11. April 2018

Ich liebe Ernest Clines „Ready Player One“. Mittlerweile habe ich das Buch bestimmt schon drei oder vier Mal gelesen. Und ja, es ist nicht ohne Fehler, es hat hier und da echt seine (unnötigen) Längen, aber ich mag es trotzdem sehr. Es ist ein witziges Abenteuer, das halt irgendwie gekonnt, einen guten Mix aus 70er und 80er Jahre Popkultur mit viel Liebe zum (Nerd)Detail verbindet und dazu eine zwar recht gradlinige und vorhersehbare Geschichte erzählt, diese jedoch so gut macht, dass es trotzdem spannend ist. Von daher war ja wohl klar, dass ich mir die Verfilmung anschauen musste – wenn natürlich auch mit Vorsicht. Denn die ersten Trailer zu Steven Spielbergs „Ready Player One“ hatten mich nie so richtig überzeugen können. Aber hey, Ernest Cline ist ein riesiger Spielbergfan und spielt ja selbst auf den Märchenonkel in seinem Buch an, was könnte also schief gehen, wenn eben dieser Märchenonkel das Buch einfach selber verfilmt? Und tatsächlich geht nicht wirklich viel schief…

Im Jahr 2045 halten sich die meisten Menschen in der virtuellen Welt der Oasis auf und leben hier ihre Träume aus. Als eines Tages der Schöpfer der Oasis, James Halliday (Mark Rylance), stirbt, ruft der in seinem Nachlass zu einer Schnitzeljagd durch die Oasis auf: Er habe drei Schlüssel versteckt – und wer alle drei Schlüssel findet, wird nicht nur stinkreich, sondern gebietet auch über die Oasis selbst. Als großer Halliday-Fan lässt sich der junge Wade Watts (Tye Sheridan) natürlich nicht lange bitten und begibt sich auf die Suche. Dabei lernt er in der Oasis Art3mis (Olivia Cooke) kennen – und gerät auch ins Visier von Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn), der die Oasis für seine miesen Machenschaften ausnutzen will.

„Ready Player One“ ist ein wirklich unterhaltsamer Film. Das sage ich als Fan des Buchs mit einer gewissen Erleichterung. Ich hatte ja wirklich Angst, aber die Angst ist unbegründet. Ja, es wurde ein wenig an der Handlung herumgedoktort, aber auf eine gute durchaus gute Art und Weise. Während Wade im Buch für den ersten Schlüssel ein Dungeons-and-Dragons-Verlies durchspielen muss, muss dafür ein wildes Rennen gefahren werden. Das war zwar cool anzusehen, aber ich hatte mich mehr auf das Verlies gefreut. Mit dem Rennen sorgt Spielberg natürlich gleich für ordentlich Action, während er mit der Verlies-Nummer an gute alte „Indiana Jones“-Zeiten hätte erinnern können. Aber gut, wahrscheinlich hatte man einfach Angst, dass Dungeons-and-Dragons dann doch nicht Mainstream-tauglich genug sein würde – und entschied sich für ein etwas überfrachtetes Autorennen, das zwar durchaus seine Momente hat, aber nicht sonderlich vom Sockel haut.

Cooler wird es bei der zweiten Aufgabe. Im Buch muss Wade den Film „War Games“ Szene für Szene durchspielen. Für den Film… hat man sich einen anderen Film ausgesucht, einen sehr viel cooleren Film (den ich jetzt nicht verraten will). Das war dann wirklich verdammt gut gemacht. Aufgabe Nummer 3 und das Finale sind dann recht Buch getreu.

Insgesamt ist „Ready Player One“ als Film aber einfach gutes Blockbuster-Kino. Ja, man darf jetzt nicht zu stark ausgearbeitete Charaktere erwarten, aber sie erfüllen ihren Zweck. Ja, man darf leider auch keinen super krassen Schurken erwarten. Ben Mendelsohn spielt zwar gut, aber dieser Sorrento macht auch viele, ziemlich dumme Sachen. „Ready Player One“ ist einfach gestrickt, aber lebt einfach von einer erfrischenden Geschwindigkeit. Spielberg lässt uns nur selten Zeit zum Luft holen, sondern serviert uns gute, unterhaltsame Action-Sequenzen, die in der virtuellen Welt sogar verdammt gut aussehen.

Dazu kommen natürlich die gefühlt Millionen von Anspielungen und der coole 80er-Jahre-Soundtrack (vorausgesetzt, man mag das, was ich tue 😉 ). Man muss es aber auch gleich mal sagen: Die Easter Eggs und Anspielungen sind so eingebaut, dass sie nicht zwingend für den Spaß sind. Natürlich ist es cooler, wenn man alle erkennt. Aber selbst, wenn man sich überhaupt nicht auskennt, macht der Film immer noch Spaß. Dieser Spaß lebt halt einfach nicht von den Easter Eggs, was gut ist.

Wie schon erwähnt, die Darsteller sind gut. Sie füllen ihre nicht sonderlich stark ausgearbeiteten Charaktere gut aus. Tye Sheridan wäre jetzt allerdings nicht unbedingt meine erste Wahl für Wade Watts gewesen, dafür überzeugt der Rest.

„Ready Player One“ ist wirklich gutes Blockbuster-Kino. Sicherlich kein Spielberg-Meisterwerk, aber immer noch besser als so vieles, was uns als Blockbuster in letzter Zeit so angeboten wurde.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein rasanter Trip durch eine voll bepackte virtuelle Welt)

3 Kommentare leave one →
  1. 24. April 2018 11:39

    „Ben Mendelsohn spielt zwar gut, aber dieser Sorrento macht auch viele, ziemlich dumme Sachen.“ An der Stelle musste ich laut lachen. Sehr gut zusammengefasst. 🙂 Ich kenne die Buchvorlage nicht und hatte auch erst Sorgen, ich könnte die ganzen Referenzen nicht verstehen, aber das hat dann doch erstaunlich gut funktioniert. Spielberg hat’s halt drauf.

    Hier meine Kritik zum Film: http://adoringaudience.de/ready-player-one-ov-3d-da-2018/

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2018 09:46

      Spielberg hat’s wirklich drauf… 😀

Trackbacks

  1. Random Sunday #2: Ready Player One | Going To The Movies

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