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Schwarzseherei

2. April 2018

Ich liebe diese wunderbar kurzen britischen Serien, die sich mit maximal 6 Folgen pro Staffel zufrieden geben. Eigentlich echt schlimm geworden, oder? Wenn ich überlege, dass eine ordentliche Serie früher 24 Folgen pro Staffel hatte und ich mich jetzt darüber freue, wenn ich nur noch sechs Folgen brauche, um durchzukommen, ist das ein komischer Gedanke. Die Aufmerksamkeitsspanne wird scheinbar geringer… oder vielmehr das Angebot wird so viel größer, dass es gut ist, mit kurzen Staffeln mehr Serien gucken zu können. Da passt ja „Black Mirror“ wirklich perfekt mit rein. Immerhin besteht Staffel 2 auch – wie schon Staffel 1 – nur aus drei Episoden… und als Zusatz: einer vierten Weihnachtsepisode. Hurra, so kann ich schnell gucken und dann zur nächsten Staffel oder Serie springen (wahrscheinlich wird es über dieses schon wirklich krankhafte Verhalten auch eine Black-Mirror-Folge geben oder gibt es vielleicht schon und ich werde sie noch sehen).

Folge 1 „Der Wiedergänger“ beschäftigt sich damit, wie Technologie den Tod überwinden und doch ziemlich unheimlich werden kann. Folge 2 „Böse Neue Welt“ beschreibt eine gruselig-grausame Art der Justiz, bei der der Schuldige schon fast selbst zum Opfer wird (aber halt als Strafe). In Folge 3 „Die Waldo-Kandidatur“ wird ein Cartoon-Bär zu einer unerwartet wichtigen politischen Figur. Und schließlich im Weihnachtsspecial werden zwei Männer (Jon Hamm und Rafe Spall) mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Nach dem ich Staffel 1 endlich durch hatte, musste Staffel 2 natürlich direkt folgen. Und auch die weiß, zum Nachdenken anzuregen. Auch bei zweiten Durchlauf gelingt es den Machern wieder, interessante Themen zu finden, die wie Science Fiction klingen, aber dennoch glaubhaft wirken. Der Mensch als Speichermedium kann wieder aufgebaut werden. Der Schuldige als Zur-Schau-Gestelltes-Wesen für ein Sensationsgeiles Publikum. Eine Witzfigur, die den Nerv der Leute trifft und somit zu einer Übermacht wird. Alles faszinierende Themen, die auch stark umgesetzt wurden… und dennoch muss ich gestehen, dass mich Staffel 2 nicht so krass umgehauen hat wie die erste.

Die erste Folge beeindruckte mehr durch die Darsteller Domhnall Gleeson und Hayley Atwell, die diesem Wiedergänger-Märchen eine wunderbar emotionale Note gegeben haben. Folge 2 war eigentlich eher langweilig nach einer Weile und gewann für mich an Erinnerungswert, weil der Twist am Ende die Folge einfach mal in ein ganz anderes Bild rückt. Das Gleiche versucht auch Folge 3, aber die konnte mich so gar nicht überzeugen – was vielleicht daran liegt, wie sehr das schon irgendwie Realität geworden ist: Witzfiguren, die Politik eigentlich nicht ernst nehmen und dann von der breiten Masse doch gewählt werden, um Politik zu machen.

Ich glaube, mein Problem war ein wenig, dass Staffel 1 enorm krass vorgelegt hat und ich mit jeder Folge noch krassere Erwartungen hatte. Dabei sind ruhige Folgen wie „Der Wiedergänger“ eigentlich sehr schön. Und diese Folge wird mir am ehesten im Gedächtnis bleiben – die und das Special.

Denn das Special war großartig – und entschädigte mich für die sonst eher etwas schwächere Staffel. „Weiße Weihnacht“ spielt mit der gruseligen Idee: Was wäre, wenn Siri, Alexa oder wie diese Smart-Home-Dinger alle heißen, eine Kopie unserer Seele wären? Wobei das nur ein Thema dieser Folge ist, aber ein sehr, sehr interessantes – zumal auch gefragt wird, ob diese Kopie unserer Seele immer noch uns vollkommen (nur halt ohne Körper) widerspiegelt und ob man Mitleid mit diesem „Ding“ haben muss, dass fortan nur dafür da ist, uns wie ein Sklave zu dienen.

Diese Spezialfolge war spannend, weil sie auf verschiedenen Ebenen funktionierte, aus verschiedenen Perspektiven, mit Rückblenden und netten kleinen Easter Eggs zur ersten Staffel (vor allem zur zweiten Folge der ersten Staffel). Die Folge war emotional – vor allem, wenn Rafe Spalls Charakter seine Geschichte offenlegt. Das ging dann wirklich ganz schön an die Nieren.

Diese Folge hat die zweite Staffel für mich echt gerettet – und ist definitiv eine wiederholte Sichtung wert.

Wertung: 7 von 10 Punkten (zu viel glaubhafter Horror kann einen auch ein wenig fertig machen 😉 )

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5 Kommentare leave one →
  1. 2. April 2018 13:15

    Nun muss man bei Serien auch Unterschiede machen. Mittlerweile haben wir ja viele gute Serien, die eigentlich Spielfilme sind und Black Mirror besteht ja mehr oder weniger aus Kurzfilmen oder Einzelgeschichten, die viel sorgfältiger gemacht werden, als vergleichsweise Big Bang oder ähnliche Wohnzimmerserien, die in Endlosstaffeln laufen und deren Faszination ich noch nie nachvollziehen konnte.
    Na mal sehen, solche Geschichten sind immer nett für zwischendurch oder zum Frühstück :))

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2018 23:05

      Zum Frühstück sind mir die manchmal zu hart. Da brauche ich was kurzes und dummes zum Lachen 😀

  2. 18. Juli 2018 19:56

    Ja leider bemerke ich öfter den Effekt, dass sich das Black Mirror Prinzip bei vielen Zuschauern schnell abnutzt, obwohl die Serie eigentlich nichts an Strahlkraft verliert. Obwohl ich gestehen muss, dass mich die Waldo-Episode auch nicht so besonders abgeholt hat. Aber auch heute begeistert mich Black Mirror noch sehr und ich bin immer sehr glücklich, wenn eine neue Staffel angekündigt wird. Ich habe ja schon gesehen, dass du weitergeschaut hast, aber ich finde Staffel 4 bietet wieder mehr interessante Szenarien.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2018 11:28

      Ja, Staffel 4 muss ich mir noch anschauen. mal gucken, ob die mich ein wenig mehr fesseln kann. Hatte ja schon arge Schwierigkeiten mit Staffel 3, die ich zwar thematisch unheimlich spannend finde (und das trifft auf alle Staffeln zu), aber erzählerisch eher mau.

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  1. Social Media tötet! | Going To The Movies

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