Zum Inhalt springen

Der Prinz des Waldes

30. März 2018

In der Kategorie „Filme, die ich bislang noch nie gesehen habe und bei denen Leute mich ungläubig anschauen, wenn ich ihnen das gestehe“ kommen wir heute zu einem Film, der viele, die ihn in der frühen Kindheit gesehen haben, nachhaltig geprägt hat. Natürlich geht es um einen Disney-Film – und vielleicht um den Disney-Film schlechthin, der Kinder auf harte Art und Weise mit der Realität des Todes in Berührung bringt: „Bambi“, Disneys fünfter Zeichentrick-Spielfilm und, wenn ich Wikipedia glauben darf (was ich natürlich immer nur bedingt tue), auch Walt Disneys persönlicher Lieblingsfilm.

Die Geschichte muss ich wahrscheinlich niemandem mehr zusammenfassen, oder? Kleines Rehkitz wird im Wald geboren, bekommt den etwas merkwürdigen Namen Bambi (wobei ich immer noch an die „Akte X“-Folge denken muss, in der Mulder eine Wissenschaftlerin namens Bambi trifft und Scully sich ein wenig eifersüchtig über diesen Namen lustig macht) und genießt das Leben im Wald mit Mama und seinen Freunden – dem Hasen Klopfer und dem Stinktier Blume und vielen anderen. Bis das schöne Leben je durch Jäger zerstört wird und Bambi mit der kalten Realität des Überlebens konfrontiert wird.

Süß hoch zwei

Ich sage es gleich vorweg: Ich habe viel vom Tod von Bambis Mutter gehört und mir immer wieder sagen lassen, dass das für viele wirklich der Schock der Kindheit war. Wenn ich „Bambi“ in jungen Jahren gesehen hätte, hätte mich das auch fertig gemacht – obwohl ich im ersten Augenblick wahrscheinlich gar nicht richtig geschnallt hätte, dass Bambi gerade seine Mama verloren hat. Denn gnädigerweise spielt sich das komplett im Off ab. Wir sehen nur Bambi fliehen, wie hören den Schuss der nie sichtbaren Jäger und wir warten verzweifelt mit dem jungen Kitz auf seine Mama, die nie kommt. Eine tragische Szene, die mich jetzt, der ich ja ein abgehärteter Filme-Gucker bin, zum Glück nicht mehr zu Tode schockiert hat – zumal ich ja jetzt auch wusste, das sie kommt.

Aber reden wir hier nicht die ganze Zeit vom Tod, sondern von „Bambi“ selbst. Und da muss ich wirklich sagen, ärgere ich mich zwar, dass ich den jetzt erst gesehen habe, aber ich bin auch froh, dass ich ihn endlich gesehen habe. Was für ein verdammt schöner Film. Ein süßer, herzerweichender Film. Der ganze Anfang baut einfach mal so rührend das Leben im Wald auf. Man fiebert ja regelrecht mit, wenn Bambi so super verholfen seine ersten Schritte wagt. „Bambi“ ist ein süßer Film, der alles hat, was ein Disney-Film so braucht: einen Helden, der erst noch lernen muss, zum Helden zu werden, eine süße Liebesgeschichte, eine tragische Eltern-Geschichte (wobei ich Papa Bambi als Leithirsch ja nicht so sehr mag, einfach weil er so durch Abwesenheit glänzt und nur diese strahlende Figur im Hintergrund ist) und natürlich ein cooler Sidekick.

Und jetzt mal ehrlich: wie cool ist denn bitte Klopfer???? Für mich hat der Bambi selbst einfach mal komplett die Show gestohlen. Allein für Klopfer lohnt sich der Film schon, aber natürlich auch wegen allem anderen. Er sieht einfach toll aus und ist in seiner Darstellung des Lebens im Wald erstaunlich realistisch und weniger märchenhaft als man es sonst von den Disney-Filmen gewöhnt ist. Hier wird es im Winter kritisch und die Nahrung knapp, da bedroht der Mensch mehrmals den Lebensraum der Tiere – durch Feuer, durch die Jagd, einfach durchs Da-Sein.

So wird aus „Bambi“ wirklich ein bewegender Film, der mehr als einmal an die Substanz geht, aber natürlich nie aus den Augen verliert, dass das Leben nicht nur furchtbar ist 😉

Ich habe bei „Bambi“ auch meine Disney-Fortsetzungsregel gebrochen und mir auch „Bambi 2“ angeschaut… und war nicht schlecht überrascht, dass ich den gut fand. Anders als eine bloße Fortsetzung zu sein, die mal eben 64 Jahre nach dem Original herauskam, ist „Bambi 2“ vielmehr so etwas wie eine Art Zwischenstück oder, wenn man so möchte, ein alternatives Ende. Der Film fängt mit dem Tod von Bambis Mutter an – und wie schon im Original rettet ihn sein Vater, doch anders als im Original bleibt sein Vater bei ihm und versucht sich, um seinen Sohn zu kümmern.

„Bambi 2“ kommt emotional nicht ansatzweise an das Original heran, ist aber trotzdem ein lustiger Film, der sich natürlich viel auf das schwere Zusammensein von Vater und Sohn stürzt… und (was ein Glück für mich) Klopfer und seine Familie noch ein wenig mehr in den Vordergrund stellt. Wie wir ja alle wissen, mag ich Klopfer 😀

„Bambi 2“ ist nichts überragendes und man kommt natürlich auch bestens ohne den Film aus, wenn man sich aber drauf einlässt, ist er durchaus unterhaltsam. Nur halt nicht ganz so gefühlvoll.

Wertung:

Bambi – 10 von 10 Punkten (ein wunderschöner Klassiker)

Bambi 2 – 7 von 10 Punkten (eine zwar unnötige, aber dennoch witzige „Fortsetzung“)

8 Kommentare leave one →
  1. 30. März 2018 10:48

    Über „Bambi“, „Tarzan“ und „Das Dschungelbuch“ habe ich im Studium mal eine Hausarbeit geschrieben. Thema „Humans and Nature in a world of Disney Culture“ oder so ähnlich.
    Hat Spaß gemacht dran zu arbeiten und ich habe Bambi, den ich als Kind furchtbar langweilig fand, schätzen gelernt.

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2018 23:05

      Echt? Cool. Ich habe nur mal ein Seminar besucht zum Körperbild in Disney-Filmen, war auch sehr interessant 😀

  2. 7. April 2018 11:28

    Gleich den doppelten Bambi? Wenn schon (nachgeholt), denn schon (richtig nachgeholt)… 😉

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2018 23:02

      Jupp… lief auf dem Disney Channel direkt hintereinander, da dachte ich, ich lasse Teil 2 einfach mal direkt an.

Trackbacks

  1. TWB VII: Willkommen in Las Vegas | Going To The Movies
  2. Seeing is believing! | Going To The Movies
  3. Wenn Elefanten fliegen | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: