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Schwarzer Blick in die Zukunft

26. März 2018

„Wir werden alle Sklaven des Internets! Wir verlieren unsere Individualität! Wir werden zu offenen Büchern für jeden Werbemann. Während George Orwell uns noch Angst machen wollte mit seiner gruseligen Zukunftsvision in „1984“, würde er jetzt wahrscheinlich ungläubig mit dem Kopf schütteln. Denn wir sind selber zu unseren besten Überwachern geworden. Wir brauchen keinen Big Brother mehr, um alles von uns im Internet preiszugeben.“ Das sind so die gruseligsten Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, als ich jetzt das zweite Mal die erste Staffel von „Black Mirror“ geschaut habe. Warum schaue ich die ein zweites Mal und schreibe erst jetzt darüber? Keine Ahnung… aber ich tue es jetzt einfach mal 😉

In „Der Wille des Volkes“ entführt ein Unbekannter die britische Prinzessin der Herzen (nein, nicht Diana, sondern Susannah) und verlangt einen unglaublichen Akt vom Premier-Minister Michael Callow (Rory Kinnear, unser Frankenstein aus „Penny Dreadful„): Er soll im Live-Fernsehen Sex mit einem Schwein haben. In „Das Spiel als Leben“ sind die Menschen zu Hamstern im Laufrad verkommen: Der junge Bing (Daniel Kaluuya, unser Chris aus „Get Out“) verdient sich Punkte durchs Fahrrad fahren und kann sich damit in seinem Glaskasten, in dem er ständig von Werbung zugeballert wird, Dinge kaufen. Er lernt die junge Abi (Jessica Brown Findlay) kennen, der er aus diesem Alltag helfen will. Er schenkt ihr 15 Millionen seiner Punkte, damit sie an einer Casting-Show mitmachen kann – ohne zu wissen, was er damit auslöst. Und in der letzten Folge „Das transparente Ich“ haben die Menschen ein Implantat, das sämtliche Erinnerungen aufzeichnet und es ermöglicht sie per Knopfdruck abzurufen. Welche Schwierigkeiten das mit sich bringt, sehen wir auf traurige Weise an Liam (Toby Kebbell).

Der Blick, wenn man mit „Black Mirror“ durch ist…

Drei Folgen, die man in beliebiger Reihenfolge gucken kann, eine Serie, die nur aus Einzelepisoden besteht, in denen es darum geht, wie unsere Zukunft aussehen könnte – mit all den vermeintlichen Vorteilen und all den gruseligen Konsequenzen, die sich aus diesen Vorteilen ergeben.

Als ich damals mit meinem guten Freund Stefan das erste Mal die erste Folge geguckt habe, waren wir beide viel zu baff, um irgendwas sagen zu können. Aber die Schweine-Folge ist auch ein merkwürdiger Start, weil sie mir jetzt (nach dem zweiten Mal Gucken) so sehr plakativ vorkam. Ich hatte jetzt das Gefühl, die hatte man als erste Folge ausgewählt, weil sie schön provokant war und gleich auch schön gezeigt hat, das „Black Mirror“ immer mit einer Moral kommt, die uns als Zuschauer den Spiegel vorhalten wird.

Und das ist das schaurig schöne Gruselige an dieser ersten Staffel: Es kommt immer ein „Was würdest du machen?“ am Ende und man sitzt da und denkt sich: „1. könnte das alles gut wirklich so eintreffen und 2. ja, was würde ich machen?“ Die dritte Folge mit den gespeicherten Erinnerungen, die ich beim ersten Mal noch am schwächsten fand, fand ich jetzt beim zweiten Gucken am stärksten. Die hat mich echt fertig gemacht. Totale freiwillige Überwachung und dann diese wachsende Paranoia, dieses Reinsteigern von Liam in den Gedanken, dass seine Frau ihn betrogen hat und wie er zum Detektiv seiner eigenen Erinnerungen wird. Das war schaurig. Und gleichzeitig – was ja das Faszinierende an „Black Mirror“ ist – so glaubhaft. Ich meine, wir teilen ja jetzt schon viele Erinnerungen via facebook, Instagram und was die jungen Kids von heute sonst noch so verwenden.

Folge 2 fand ich vom Setting her ganz spannend und von der am Ende vorherrschenden Doppel-Moral von Bing. Das Setting war es aber, was mir so am meisten im Gedächtnis bleiben wird. Diese Fahrräder, die Punkte zählen, das Hassen aller Dicken, die ständige Werbe-Beschallung.

Ob man nun eine Folge mehr oder weniger mag, sie haben alle etwas interessantes, etwas, das einen zum Nachdenken anregt. Spannend an „Black Mirror“ ist am Ende dann doch immer der kleine Twist. Der Twist, der dem Ganzen noch mal einen drauf setzt – mal heftiger, mal weniger heftig, aber doch immer sehr denkwürdig.

Ich bin jetzt auf jeden Fall gespannt, wie es so weitergeht… obwohl ich mir immer denke, dass „Black Mirror“ eine Serie ist, die man mit mehreren Menschen gucken sollte, um danach in Ruhe über alles Mögliche diskutieren zu können. Denn genau das macht die Serie eigentlich am besten: zum Diskutieren anregen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Zukunft sieht verdammt trüb aus in diesem schwarzen Spiegel)

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5 Kommentare leave one →
  1. 26. März 2018 19:56

    Oh man, stimmt, die habe ich ja auch gesehen und gleich wieder vergessen :))
    Obwohl…die Schweine-Episode hat mich zuerst abgeschreckt, weil ich das Rory Kinnear nicht zumuten wollte :))
    Diese Implantat-Geschichte war ziemlich authentisch, ich denke, man ist schnell in diesem Kontrollding gefangen und bevor ich mich aufs Rad setze und in einer Werbebox lebe, würde ich Schluss machen. Das wäre nicht mein Leben und ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele Menschen aushalten könnten ohne suizidale Gedanken.

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2018 09:22

      Die Schweine-Episode ist auch wirklich fast schon zu abschreckend. Aber wie gesagt, man musste wohl einfach eine erste richtig fiese Folge machen, um zu zeigen, was man genau mit dieser Serie vorhat.

      Das mit dem Implantat ist wirklich erschreckend authentisch und ja, ich würde mich auch lieber umbringen wollen, als auf ewig im Laufrad zu hocken. Und jetzt legen wir eine kurze SChweigeminute für jeden Hamster dieser Welt ein 😀

  2. C.Cascade permalink
    17. April 2018 20:22

    Also, in meinen Augen ist ja die mit Abstand skurrilste Episode dieser „Black Mirror“- Staffel diejenige, in der dieser Typ durch Zufall feststellt, dass er von jemandem aus seiner Vergangenheit namentlich in dessen Online-Blog erwähnt wird…

    LG

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2018 21:42

      Tja, das Leben und seine Zufälle… 😉

Trackbacks

  1. Schwarzseherei | Going To The Movies

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