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Pentameron

21. März 2018

So heißt eine italienische Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, die unter anderem auch unter dem Titel „Das Märchen der Märchen“ bekannt geworden ist und sogar die Gebrüder Grimm inspiriert haben soll. Und woher weiß ich das? Weil irgendwer es mal für wichtig hielt, daraus einen Film zu machen. Und dieser Jemand war der italienische Regisseur Matteo Garrone, der aus „Das Märchen der Märchen“ einen Film gemacht hat, ein Film von dem ich irgendwie immer nur nicht so gute Dinge gehört hatte, weswegen ich den trotz meines Interesses ignoriert hatte. Zum Glück war mir irgendwann letztens mal langweilig und Netflix bot mit „Das Märchen der Märchen“ an, weswegen ich mir den dann doch mal angeschaut habe.

„Das Märchen der Märchen“ erzählt drei Geschichten: Da hätten wir die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünscht. Dafür tötet ihr Mann (John C. Reilly) ein Seeungeheuer, dessen Herz die Königin dann isst und tatsächlich schwanger wird. Der Junge wird ihr Ein und Alles, über das sie mit brennender Eifersucht wacht. Dann hätten wir da den eitlen König von Strongcliff (Vincent Cassel), der sich unsterblich in eine junge Frau anhand ihrer Stimme verliebt. Doch die junge Frau ist in Wirklichkeit die alte Dora (Hayley Carmichael), die es dennoch schafft, im Bett des Königs zu landen, der sie am Tag darauf aber vor lauter Wut aus dem Fenster stürzt. Was aber noch lange nicht das Ende von Dora bedeutet, die hier eine Hexe trifft, die ihr hilft. Schlussendlich wäre da noch der König von Highhills (Toby Jones), der seine Tochter (Bebe Cave) für einen riesigen Floh vernachlässigt und später eben jene Tochter an einen furchtbaren Oger vermählt.

Happy Meal gab’s nicht…

Ich weiß wirklich nicht, woher ich die Information hatte, „Das Märchen der Märchen“ wäre nicht besonders gut. Wirklich nicht. Mir hat der Film echt ziemlich gut gefallen. In allererster Linie sieht „Das Märchen der Märchen“ einfach mal wirklich sehr beeindruckend aus. Garrone liefert kraftvolle Bilder, die echt im Gedächtnis bleiben (wie zum Beispiel eine Blut beschmierte Salma Hayek, die sich an einem Monsterherz gütlich tut). Aber natürlich nicht nur das. Die Landschaftsaufnahmen sind wirklich Märchenhaft – genau wie die Schlösser auch.

Dazu vernachlässigt Garrone auch nie das Märchenhafte in der Geschichte. Wenn John C. Reilly in bester Jules-Verne-Manier im Unterwasser-Anzug auf Monsterjagd geht, sieht das etwas albern aus, aber es passt irgendwie auch. Es ist halt ein Märchen… da gibt es halt riesige Flöhe und Oger und Monster und Zauberei. „Das Märchen der Märchen“ entwirft eine tolle Welt der Magie, die aber auch – wie es sich für ein Märchen gehört – eine Botschaft in sich trägt, die man auch jetzt noch nachvollziehen kann.

Letztendlich geht es immer wieder darum, wie die Obsessionen der einzelnen Menschen zu ihrem Niedergang beisteuern. Die Königin verkrampft sich so sehr darauf, Mutter zu sein, dass sie ihrem Sohn nichts anderes gönnt und ihn so mehr und mehr von sich stößt. Der geile Königin verzweifelt an seiner Oberflächlichkeit, während Dora ebenfalls daran scheitert, nur auf sich fixiert zu sein, nachdem die Hexe ihr geholfen hat. Und das Gleiche trifft dann auch auf den König zu, der ohne nachzudenken, seine Tochter einem Oger überlässt. Er verstößt sein Kind wegen seiner eigenen Dummheit und bringt sie dadurch in Gefahr.

Die einzelnen Episoden sind dabei unterschiedlich stark, das muss man leider sagen. Die Story mit Vincent Cassel war weniger aufregend, dafür fand ich die mit der jungen Prinzessin und dem Oger am stärksten und auch am emotionalsten, weil hier wirklich die Dramatik der Thematik (ein toller und vollkommen ungewollter Reim) wirklich deutlich heraussticht. Die Geschichte hat mich am Ende wirklich am meisten bewegt…

„Das Märchen der Märchen“ ist jetzt vielleicht nicht wirklich das ultimative Märchen, wie es der Titel so protzig verspricht, aber es ist ein schöner Film und ein nachdenklich stimmender Film – bestückt mit tollen Darstellern.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Märchen sind halt doch recht grausam…)

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