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Supercalifragilisticexpialigetisch

19. März 2018

Offenbarung Nummer… keine Ahnung, die wievielte Offenbarung bezüglich eines vorher nie gesehenen Klassiker das jetzt hier wird, aber es ist auf jeden Fall eine, denn so richtig hatte ich den Disney-Klassiker „Mary Poppins“ nie gesehen. „So richtig?“ – ja, genau, „Mary Poppins“ war für mich immer einer dieser Filme, von dem ich einzelne Passagen kannte bzw. einzelne Lieder, die natürlich stellvertretend für den Film sind (wie halt den hier Titel gebenden Song). Weil ich jetzt mit meiner Freundin in Hamburg das Musical besuchen war, musste ich natürlich vorher den Film gucken (und kann schon mal vorab sagen, dass mir das Musical an sich sehr viel besser gefallen hat).

Im Londoner Kirschbaumweg Nr. 17 lebt die Familie Banks. Mama Banks Winifred (Glynis Johns) versucht für die Rechte der Frauen zu kämpfen und gleichzeitig dennoch eine gute Hausfrau zu sein. Papa Banks George (David Tomlinson) ist gestresster Bankangestellter. Für die scheinbar schwer erziehbaren Kinder Jane (Karen Dotrice) und Michael (Matthew Garber) suchen die beiden ein Kindermädchen, eine Stelle für die sich viele bewerben, doch auf magische Weise sind alle Bewerberinnen wie vom Winde verweht… und so stellen die Banks Mary Poppins (Julie Andrews) ein, eine zauberhafte Nanny, die das Leben der Banks ganz schön durcheinander wirbelt.

Fisch ist dann wohl aus…

Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich bei „Mary Poppins“ erwarten würde. Ich dachte, dass wäre die ganze Zeit so ein Mix aus Real-Film und Zeichentrick – doch am Ende ist das nur eine kurze Sequenz, wenn Mary mit Bert (Dick Van Dyke) und den Kindern in dessen Bildern einen Ausflug machen. Ansonsten war ich doch sehr überrascht, wie sehr der Film auf verschiedene, doch recht erwachsene Themen eingeht. Eingehen ist vielleicht bei einigen Sachen zu viel gesagt, aber das sie überhaupt angesprochen werden, war schon ein Ding. Da wäre zum Beispiel die Suffragetten-Bewegung, der Mama Banks angehört. Das wird zwar nur so nebensächlich angesprochen, aber immerhin. Genau so wie auch das Leben der Unterschichten im London kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein bisschen unter die Lupe genommen wird (mit der Vogelfrau) und das böse Bankenwesen. Wie gesagt, das sind alles Themen, die ich in der Form nicht erwartet hatte.

Dennoch ist „Mary Poppins“ jetzt natürlich kein todernstes Drama, dass die unglaublichen Missstände der damaligen Zeit aufdeckt. Es ist hauptsächlich natürlich noch ein aufregendes Kinderabenteuer mit einer magischen Nanny, die wie ein Schutzengel vom Himmel kommt, um der Familie Banks zu helfen, wieder zu einander zu finden. Und das ist ja dann auch eine schöne Story an sich – wie die unkonventionellen Methoden von Mary und ihr amüsantes Intrigenspiel alle dazu bringt, sich endlich wieder selbst zu finden und die Banks wieder eine richtige Familie werden (da möchte man ja wirklich fast meinen, Fran Drescher hätte mit „Die Nanny“ die Mary-Poppins-Sitcom gemacht – nur halt ohne Fliegen).

Ich habe jetzt gelesen, dass die Bücher von P.L. Travers auch mehr aus Kurzgeschichten bestehen – und das ist etwas, dass sich nicht so gut auf den Film überträgt. Der besteht ja auch hauptsächlich aus einzelnen Episoden, die dann wiederum zu einer Gesangs- und Tanznummer führen. Das ist bei einer Laufzeit von knapp zwei Stunden dann irgendwann doch eher etwas ermüdend gewesen, zumal ich viele der späteren Tanznummern auch einfach nicht wirklich mochte. Die „Mary Poppins“-Klassiker wie „Supercalifragilisticexpialigetisch“ oder „Wenn ein Löffelchen voll Zucker“ oder „Chim Chim Cheree“ sind toll und funktionieren als perfekte Ohrwürmer. Aber alles andere hat mir dann nicht so sehr zugesagt. Ich gebe zu, ich bin kein großer Musical-Fan, das mag da mit reinspielen. Allein die ewig lange Einlage der Schornsteinfeger am Ende des Films war mir einfach irgendwann zu lang. So habe ich also nicht viel von den Songs gemocht. Dennoch ist „Mary Poppins“ natürlich schon ein optisch beeindruckendes Musical geworden. Gerade die Trickfilm-Einschübe sind toll… und die einzelnen Effekte sehen trotz ihres stolzen Alters immer noch gut aus.

Julie Andrews als Mary Poppins verkörpert den etwas anderen Schutzengel perfekt. Sie ist ein wenig streng und irgendwie auch hochnäsig, aber auf eine super sympathische Art und Weise. Sie passt perfekt in die Rolle. Ich mochte auch Dick Van Dyke, obwohl sein britischer Akzent natürlich eine Katastrophe war 😀

Alles in allem ist „Mary Poppins“ ein Film, der mir wegen ein paar toller Szenen im Kopf bleiben wird, den ich jetzt aber nicht unbedingt als den Disney-Klassiker in mein Repertoire an immer wieder zu guckenden Filmen aufnehmen würde. Ich bin nur mal gespannt, wie sich Emily Blunt in „Mary Poppins Returns“ schlagen wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (irgendwie hatte ich mehr erwartet…)

14 Kommentare leave one →
  1. 19. März 2018 08:26

    Schade, dass der Film bei dir nicht so komplett punkten konnte. Für mich ist es einer meiner liebsten Disney-Filme und ich würde ihn auch generell als Lieblingsfilm bezeichnen.

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2018 10:23

      Vielleicht habe ich ihn auch einfach zu spät in meinem Leben gesehen…

  2. 19. März 2018 20:38

    Dann kannst du dir ja jetzt auch Saving Mr. banks anschauen, der die Entstehung des Films beleuchtet. Sehr empfehlenswert, obwohl er Disney ziemlich abfeiert. Das Musical ist also einen Besuch wert?

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2018 15:51

      Das Musical ist wirklich toll. Sehr zu empfehlen.

      Und danke für den Tipp. Das ist der mit Tom Hanks als Walt Disney, oder? Werde ich mir auf jeden Fall mal merken.

  3. 24. März 2018 10:12

    Ach, es gibt eine Neuauflage des Films? Wer hätt’s gedacht…

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2018 07:51

      Naja… mehr so eine Art Fortsetzung. Mit Emily Blunt als Super-Nanny

      • 7. April 2018 12:55

        Daher kenne ich die nicht. Emily Blunt mag ich nicht besonders. 😉

        • donpozuelo permalink*
          12. April 2018 23:01

          Kann ich nicht mal sagen. So viel kenne ich gar nicht von Emily Blunt… außer „Edge of Tomorrow“ und dieser Film mit Matt Damon, der auf dieser Kurzgeschichte von Philip K. Dick basiert.

  4. 25. März 2018 16:42

    Dieses „Da hätte ich mir mehr erwartet“-Gefühl hatte ich auch. Habe es letztes Jahr mal im Zuge eines irren Musical-Schauens angesehen und fand da beispielsweise „The Sound of Music“ viel interessanter. Mit der Figur der Mary Poppins konnte ich mich gar nicht anfreunden – ich fand sie gar nicht so besonders sympathisch, aber ich habe immer Angst das in der Öffentlichkeit zu sagen …

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2018 09:24

      So ganz konnte ich mich mit Mary Poppins auch nicht anfreunden. Interessanterweise fand ich das aber noch schlimmer beim Musical in Hamburg 😀 Im Film ging es immer gerade noch so….

      Sympathisch fand ich sie auch nie. eher etwas hochnäsig und unheimlich 😀

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