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Schrilles Kindermädchen

16. März 2018

Ich war vor einiger Zeit etwas schockiert, als man mir erzählte, dass Menschen, die sich heute „Friends“ anschauen (diese wundervolle Serie gibt es ja mittlerweile schon lange auf Netflix), die Serie auf übelste als homophob und sexistisch und was nicht noch alles abstrafen. Da weiß ich dann nicht, was ich dazu sagen soll. Ich will mich auf solche Diskussionen eigentlich auch nicht unbedingt einlassen, weil gerade heutzutage, ist das ja alles ein ziemlich heißes Pflaster – und das Ganze einfach nur als Unterhaltung hinzunehmen, fällt den Leuten offensichtlich schwer (ich frage mich dann aber zum Beispiel auch, ob die gleichen Menschen irgendwann – nach dem sie „Friends“ zerfetzt haben, „How I Met Your Mother“ gucken und das dann auch als sexistisch verschreien). Ich kann das Gezicke zum Teil nachvollziehen, aber nicht wirklich verstehen. Ich mag „Friends“ und ich werde es weiterhin immer wieder mal gucken. Aber um „Friends“ soll es heute nicht gehen, sondern eine andere Serie, bei der ich mich (nachdem ich diese Aussagen über „Friends“ gehört habe) gefragt habe, wie die Leute das wohl auffassen: „Die Nanny“.

Der Inhalt ist eigentlich schnell erzählt, wird er doch immer wieder im Titelsong zur Serie wiederholt: Die junge Fran Fine (Fran Drescher) fliegt bei ihrem Freund nach einer Trennung raus und versucht sich als Vertreterin für Make-Up über Wasser zu halten. Dabei klingelt sie dann bei dem reichen Broadway-Produzenten Maxwell Sheffield (Charles Shaughnessy), der sie ziemlich schnell als Kindermädchen für seine drei Kinder engagiert: Grace (Madeline Zima), Brighton (Benjamin Salisbury) und Maggie (Nicholle Tom). Sehr zur Freude aller lebt sich Fran da schnell ein und entwickelt – sehr zum Frust von Maxwells Partnerin C.C. Babcock (Lauren Lane) – Gefühle für ihren Chef, der diese Gefühle zwar auch hat, aber ziemlich lange braucht, um sie sich einzugestehen. Dazu kommt dann noch der wunderbar ironische Butler Niles (Daniel Davis) und Frans verfressene Mutter Sylvia (Renée Taylor).

Wenn die Belegschaft cooler ist als die feinen Herrschaften…

Eine Serie wie „Die Nanny“ würde es heute wahrscheinlich nicht einmal bis in die zweite Staffel schaffen. Vielmehr würden sich alle aufregen, dass es eigentlich nur darum geht, dass Fran von ihrer Mutter eingetrichtert bekommt, dass sie schnellstmöglich heiraten und Kinder kriegen muss. Klar ist das keine moderne Botschaft, der man so zwanghaft hinterrennen sollte wie es „Die Nanny“ macht, aber es ist halt auch einfach nur eine Fernseh-Serie (Und eigentlich hasse ich mich jetzt schon dafür, dass ich das so „politisch“ begonnen habe).

Ich mochte die Serie früher und ich habe mir jetzt noch einmal alle sechs Staffeln angeschaut. „Die Nanny“ ist so ein Parade-Beispiel für eine unbeschwerte Sitcom. Es gibt nie wirkliche Konflikte und alles ist auf amüsante Art und Weise in 20 Minuten geregelt. Die Serie lebt von ihrer schrägen Hauptdarstellerin, bei der ich früher nie verstanden habe, warum immer wieder diese Witze über ihre Stimme gemacht werden – tja, bis zu dem Zeitpunkt, als ich mir das Ganze mal auf Englisch angeschaut habe. Kein Wunder, dass sich Fran Drescher selbst eine Serie schreiben musste, damit sie zur Hauptrolle werden kann. Die Frau hat eine Stimme – wie drei Reibeisen zusammengepresst. Der Wahnsinn. Aber sie lebt das wohl aus und kann ja zum Glück auch viel über sich selbst lachen (eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, was diese Frau schon alles durchmachen und erleben musste).

Drescher lässt gekonnt überspitztes jüdisches Familiengefühl und den Wahnsinn mit der Riesenfrisur und den verrückten Kleider gegen stocksteifes, britisches Spießertum krachen… und kostet die Beantwortung der Frage „Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht“ bis zum Letzten aus (obwohl bei einer Sitcom natürlich trotzdem sofort klar ist, wie diese Frage zu beantworten ist).

Aber nicht nur Drescher ist toll. Auch der Rest des Casts ist toll. Über sechs Staffeln sieht man vor allem den Kinder wahrhaftig beim Wachsen zu und wer sich die erste Staffel von „Californication“ anschaut, kann sehen, was aus der kleinen Madeline Zima so geworden ist. Mein persönliches Highlight ist und bleibt der wunderbar sarkastische Butler Niles. Daniel Davis ist – neben Drescher – so der zweite Hauptantrieb für diese Serie. Er ist wie Arthur in „King of Queens“ oder Walter Bishop in „Fringe“ – ein unverzichtbarer Charakter, ohne den die Serie einiges an ihrem Charme verlieren würde.

„Die Nanny“ hätte zwar mit der fünften Staffel in die Rente gehen sollen (immer gab’s im Finale die lang ersehnte Hochzeit und dann nur noch diese sechste Staffel, die so ein wenig an Pfiff verlor), aber es ist einfach eine witzige, unterhaltsame Serie, die wirklich einfach nur unbeschwert ist. In gewisser Weise ist es eine recht unschuldige Sitcom ohne krasse Überraschungen, aber dank Drescher und Co. kann man darüber hinweg sehen. Denn „Die Nanny“ macht einfach nur Spaß.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dieses Kindermädchen hat… die krasseste Stimme der Fernseh-Landschaft – und unterhält damit trotzdem /gerade deswegen so wunderbar)

9 Kommentare leave one →
  1. 16. März 2018 07:52

    Achja, eine der Serien, die ich früher (noch weit vor Streaming oder auch Serien auf DVD) immer mal wieder im klassischen Nachmittags-TV verfolgt habe. Nie komplett gesehen, aber doch immer gerne. Schön zu lesen, dass sie anscheinend auch heute noch funktioniert (wie „Friends“ 😉 ).

    • donpozuelo permalink*
      16. März 2018 09:55

      Ich hab sie jetzt auch das erste Mal überhaupt komplett und in ordentlicher Reihenfolge gesehen 😀

      Und ja, sie macht immer noch verdammt viel Spaß.

  2. 16. März 2018 12:17

    Eben klassisch 90iger. Fran Drescher ist schon eine extreme Person, aber hier passte einfach alles ineinander und zusammen, wobei ich mich bis heute frage wie Niles diesen Haushalt schmeißen konnte, da er ja 5 Riesenbabies zu versorgen hatte plus das große Haus :))

    • donpozuelo permalink*
      16. März 2018 13:27

      Ja, genau. Wirklich klassisch 90er. Aber wirklich super gemacht.

      Und ja, bei Niles habe ich mich sowieso gefragt, wie der überhaupt ohne Medikamente auskommt 😀

  3. 18. März 2018 09:52

    „Die Nanny“ hat mich irgendwie nie so richtig abgeholt. Und ich wusste gar nicht, das Madeline Zima da mitgespielt hat, die ich übrigens zuletzt in der neuen „Twin Peaks“ Staffel (wieder)entdeckt hab.

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2018 10:21

      Ahhh… keine Spoiler 😉 ich hab Staffel 3 noch nicht gesehen…

  4. 25. März 2018 16:20

    Ich habe Friends geliebt und auch die Nanny 🙂 Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht mehr sagen 😉 Aber ich bin mir nicht sicher, ob mich das Prinzip der Nanny-Serie heute noch acht Staffeln lang beschäftigen könnte trotz des berühmten Kriegen-sie-sich-oder-nicht …

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2018 07:53

      Sind ja zum Glück auch nur sechs Staffeln 😉 aber ja… Ich habe es jetzt auch nur geschaut, um es mal einmal von Anfang bis Ende gesehen zu haben. Das reicht dann auch erstmal

Trackbacks

  1. Supercalifragilisticexpialigetisch | Going To The Movies

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