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Area X

14. März 2018

Mit Buchverfilmungen ist es ja immer so eine Sache – es gibt nur wenige, die wirklich gut sind. Meistens ist man gerade als Leser dann doch schwer enttäuscht, weil der Film nicht die Fülle der Buchvorlage erreichen kann. Und dennoch versuche ich gerade bei Filmen, die mich interessieren und die auf einem Buch basieren, immer vorher das Buch zu lesen. Jetzt hatte ich aber bei Alex Garlands „Annihilation“ ein Problem, als der Film an diesem Montag auf Netflix herauskam – ich hatte die Trilogie von Jeff Vandermeer noch nicht komplett durch. Band 1, auf dem der Film basiert, hatte ich durch und Band 2 „Authority“ auch, aber an Band 3 „Acceptance“ saß ich noch und war mir unschlüssig, ob ich noch mit dem Film warten sollte. Doch zum Glück las ich mich noch einmal ein und erfuhr so, dass nicht einmal Garland alle Bücher gelesen hatte, bevor er das Drehbuch zu seinem zweiten Film nach „Ex Machina“ schrieb. Er hatte nur den ersten Band gelesen und den dann angeblich auch nur sehr grob übernommen. Also bestand für mich offensichtlich keine Gefahr, dass der Film mir das Ende der Trilogie spoilern könnte – und so saß ich dann erwartungsvoll auf meinem Sofa und guckte „Annihilation“.

Vor drei Jahren verwandelte ein unbekanntes Ereignis ein Küstengebiet in den USA in Area X, ein Gebiet, das von einer merkwürdig schimmernden Grenze umzogen wird, die sich immer weiter auszubreiten scheint. Eine Regierungsorganisation namens Southern Reach schickt immer wieder Expeditionen in dieses Gebiet, um herauszufinden, was da los ist. Die zwölfte Expedition besteht aus der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh), der Physikerin Josie (Tessa Thompson), der Geologin Cass (Tuva Novotny), der Ärztin Anya (Gina Rodriguez) und der Biologin Lena (Natalie Portman), die sich auf die Expedition gibt, weil ihr Mann (Oscar Isaac) mit der elften Expedition in Area X war und sehr merkwürdig zurückgekehrt ist.

Croco Doc…

Zwei Dinge vorweg: Es ist wirklich eine absolute Schande, dass „Annihilation“ nicht ins Kino gekommen ist und zweitens, Garland erschafft hier wirklich eine sehr freie Interpretation des Buches, das man getrost auch nach dem Film noch lesen kann. Denn Garland übernimmt eigentlich nur Area X aus dem Buch und die Frauen und denkt sich den Rest selbst aus. Es gibt enorme Unterschiede zwischen Buch und Film, die aber – wenn ich ehrlich sein soll – mehr zum Vorteil für den Film ausgelegt werden können (ich habe mittlerweile alle drei Bücher durch und der Film gefällt mir immer noch besser).

„Annihilation“ ist jetzt schon ein kleines, wunderbares Sci-Fi-Kleinod, das sich sicherlich noch zu einem Klassiker mausern wird. „Annihilation“ ist aber auch ein Film, der die volle Aufmerksamkeit seines Zuschauers erfordert – und diese auch mit Leichtigkeit bekommt. Die Darstellerinnen sind großartig und jede von ihnen stellt einen Charakter dar, der uns interessiert. Anders als im Buch lernen wir hier mehr über die einzelnen Frauen (im Buch ist nur die Biologin wirklich von Bedeutung) – und wir lernen vor allem sehr gut, warum diese Frauen sich auf diese Expedition wagen, die ihr Ende bedeuten könnte. Das ist dann auch der Punkt, den Garland verwendet, um sein ganzes Story-Gerüst rund um Area X und die Frauen aufzubauen. Man denkt erst gar nicht, wie das alles zusammenhängt, wenn man es dann aber doch schnallt, ist es wirklich faszinierend (und ich halte mich bewusst wage, um nicht zu viel zu verraten).

Zum anderen sieht der Film, wie schon angesprochen, einfach nur verdammt umwerfend aus. Rein optisch ist „Annihilation“ schon einer der interessantesten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre. Auch darin toppt Garland die Bücher bei weitem, die zwar ein paar spannende Aspekte aufgreifen, aber nicht ansatzweise so beeindruckend wie Garland. Gemeinsam mit den Frauen reisen wir durch ein Gebiet, das voller Geheimnisse steckt, voller Dinge, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Und wenn wir sie dann entdecken, faszinierend und schockieren sie uns gleichzeitig.

Je mehr wir im Verlauf des Films über dieses mysteriöse Gebiet lernen, desto mehr spannende Fragezeichen bilden sich auf unserer Stirn. So wickelt uns Garland nach und nach um den Finger – wir wollen Antworten, wir wollen mehr von Area X. „Annihilation“ ist dabei nicht nur einfach ein Sci-Fi-Film, sondern nimmt auch stark philosophische Züge an, hinterfragt gekonnt die Motivationen der Frauen und auch die von Area X. Gerade am Ende wird es dann so herrlich abgedreht und unglaublich, dass man eigentlich zwei Dinge tun muss: den Film noch einmal schauen und sich dann auf eine ausführliche Diskussion mit Freunden zu diesem Film einlassen. Denn „Annihilation“ will mehrfach geguckt werden, das Ende ist so wunderbar ambivalent, das man wunderbar darüber reden kann (und selbst da übertrumpft Garland meiner Meinung nach Vandermeers Trilogie, die ich am Ende einfach nur schnell hinter mich bringen wollte).

„Annihilation“ ist intelligentes Sci-Fi-Kino (und läuft nicht mal im Kino), es ist ein spannender Abenteuer-Film, der uns auf eine der visuell aufregendsten Reisen in diesem Jahr mitnimmt. Es ist zudem aber auch ein tolles Charakter-Drama mit starken Charakteren und ein Horror-Film, der für ein paar wirklich eklige Bilder sorgt, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Wertung: 9 von 10 Punkten (eine absolute Schande, dass dieser Film nicht in den Kinos lief…)

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10 Kommentare leave one →
  1. 14. März 2018 09:43

    Kann ich nur so unterschreiben, auch wenn ich die Bücher noch nicht gelesen habe und die hier vor sich hindämmern :))
    Zumindest waren Produktion und Garland standhaft und haben sich keine Änderungen aufzwingen lassen, damit er ins Kino kommt.
    Wäre Oscar nicht, wäre ich allerdings noch glücklicher mit dem Resultat :))

    • donpozuelo permalink*
      15. März 2018 10:03

      Ja, Oscar fand ich jetzt auch nicht so wichtig für den Film, aber gut…

      Die Bücher finde ich so lala… Band 1 war noch wirklich richtig gut, danach hat es in meinen Augen eher abgenommen.

      Ja, dass sie sich da nicht haben reinreden lassen, ist wirklich gut. Am Ende wäre Mist rausgekommen.

  2. 18. März 2018 16:32

    Stimme dir zu: Das Ding hätte definitiv ins Kino gehört!

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2018 10:22

      Definitiv. Vielleicht richtet Netflix in Zukunft eigene Kinoketten ein, damit die Netflixfilme auf die große Leinwand kommen.

      • 19. März 2018 15:22

        Der ist ja nur auf Netflix gelandet, weil sich der Verleih nicht getraut hat, ihn in die Kinos zu bringen. Aber ja, vielleicht/hoffentlich setzt Netflix bei seinen richtig großen Produktionen bald auch auf eine Kinoauswertung.

        • donpozuelo permalink*
          19. März 2018 16:20

          Ja. Das habe ich auch gelesen. Wäre zu klug und hätte geschnitten werden müssen. Da kann man eigentlich fast schon wieder froh sein, dass das nicht passiert ist

        • 19. März 2018 20:41

          Wie ich bei mir geschrieben habe, vermute ich mal, dass es vor allem am weiblichen Cast liegt. Da haben die Marktforscher bestimmt irgendwelche kruden Einwände gehabt

        • donpozuelo permalink*
          20. März 2018 16:03

          Ich habe halt auch gelesen, dass die Testvorführungen nicht so gut liefen, weil der da nicht verstanden wurde. Kann natürlich beides sein. Obwohl gerade weiblicher Cast heutzutage doch mehr ansprechen sollte.

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