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Poppys Drogen-Paradies

9. März 2018

Mit ein wenig Stolz kann ich behaupten, dass ich vielen Menschen die Liebe zu Matthew Vaughns „Kingsman“ näher bringen konnte. Ich weiß noch, ich hatte mich damals schon tierisch auf den Film gefreut – und irgendwie wollte keiner mit mir hin. Gefühlt unter Zwang musste ich Leuten vermitteln, dass ich an diesen Film glaube… und siehe da, mein Glaube wurde nicht enttäuscht (und somit zum Glück auch nicht die anderen Menschen, die ich zu diesem Film „zwang“.) Dennoch habe ich es nicht geschafft, mir „Kingsman: The Golden Circle“ im Kino anzuschauen – Schande über mein Haupt. Aber im Heimkino habe ich das jetzt endlich mal nachgeholt.

Eggsy (Taron Egerton) hat den Platz von Harry (Colin Firth) bei der Geheimorganisation der Kingsman eingenommen. Er ist zudem glücklich mit der schwedischen Kron-Prinzessin Tilde (Hanna Alström) liiert, die er ja im letzten Film rettete. Es könnte also alles nicht besser für Eggsy laufen. Doch dann wird ein schwerer Anschlag auf die Kingsman verübt, der bis auf Eggsy und Merlin (Mark Strong) alle Königsmänner tötet. Hinter dem Anschlag steckt Poppy Adams (eine großartig fiese Julianne Moore), die ihr Drogen-Imperium ausbauen will. Um sich ihr und ihrem „Golden Circle“ entgegen zu stellen, brauchen Eggsy und Merlin Hilfe… die sie von den Statesman aus den USA bekommen (darunter Halle Berry, Jeff Bridges, Channing Tatum und der großartige Pedro Pascal).

Eddie the Eagle spielt Spion

„Kingsman“ ist auch im zweiten Teil die durchgeknallte und völlig abgedrehte Version von James Bond und macht einfach nur Spaß. Das mochte ich schon am ersten Teil: Der nahm sich nicht zu ernst und umarmte vor allem dieses Comic-Konzept – Action durfte hier einfach nur absurd sein. Physik konnte vernachlässigt werden. Matthew Vaughn inszenierte einfach nur tolle Action zu einer Spionage-Story, die unterhaltsam war. „Kingsman: The Golden Circle“ macht eigentlich genau da weiter… dennoch hatte ich genau zwei Probleme mit dem Film.

Problem Nummer 1 war einfach mal die Länge. Wir reden hier von zweieinhalb Stunden. Zweieinhalb Stunden, die Vaughn nicht immer gut füllen kann und die man dem Film leider gerade zum Ende hin doch sehr anmerkt. Es zieht sich dann doch extrem – allerdings faszinierender Weise so, dass es nicht langweilig an sich wird. Es zieht sich einfach nur. Ich mochte die Statesman-Einführung und diese ganzen neuen Charaktere. Channing Tatum war spitze und Pedro Pascal ein mehr als willkommene Ergänzung zu diesen Agenten. Es war eigentlich alles gut, nur halt manchmal an einigen Stellen etwas zu lang – und dann dauert es noch ein bisschen länger, bis das Finale kommt und so weiter und so fort. Es ist ein angenehmes, aber auffälliges In-die-Länge-Gezogen-Werden, bei dem Matthew Vaughn es schafft, jedem Charakter immer noch ein bisschen mehr Spielraum zu geben.

Problem Nummer 2 war die ganze Tilde-Eggsy-Story. Gerade wenn er einen Sender vaginal bei einer anderen Frau einführen muss und deswegen die Beziehung zwischen den beiden erst einmal in die Brüche geht. Was zur Hölle sollte das? Allein diese Methode war super albern. „Kingsman“ hat zwar immer verrückte Gadgets, aber das war jetzt echt so krass unnötig und vorpubertärer Humor, der einfach nicht hätte sein müssen. Dazu wirkte es halt einfach super gewollt: Wir haben diesen Agenten, der entgegen jedes Bond-Klischees treu ist und jetzt zwingen wir ihn zum Wohle der Menschheit dazu, dass er untreu sein muss. Warum? Das war so verdammt unnötig.

Aber abgesehen davon war „Kingsman: The Golden Circle“ ein würdiger Nachfolger. Ich fand sogar die herrlich absurde Erklärung, wie Colin Firth in diesem Film wieder auftauchen konnte, einfach nur spitze – es war halt genau die Art von absurdem Quatsch, der perfekt zu dieser Bond-Parodie passt. Die Action war einmal mehr großartig – zwar konnte Matthew Vaughn die geniale Kirchen-Szene aus dem ersten Teil nicht toppen, hat ja aber auch keiner verlangt. Die Action-Sequenzen, die wir zu sehen bekommen, sind reich an verrückten Stunts, irrwitzigen Moves und coolen Kamera-Fahrten und Schnitten. Mit „Kingsman“ zeigt Vaughn einfach mal, wie man auf bestmögliche und vor allem unterhaltsame Art und Weise over-the-top-Action inszeniert – und dazu noch eine Story abliefert, die besser ist als das, was Mr. Bond zuletzt abgeliefert hat. „S.P.E.C.T.R.E.“ war schon eine harte Enttäuschung und ich hoffe einfach mal, dass Bond 25 es besser macht. Und ganz ehrlich, ich könnte mir auch noch mehr „Kingsman“-Filme anschauen, wenn sie dieses herrlich verrückte Niveau halten können.

Wertung: 8 von 10 Punkten (etwas zu lang, aber immer noch eine großartige Bond-Version, bei der sich vielleicht mal ein wirkliches Cross-Over anbieten würde)

4 Kommentare leave one →
  1. 9. März 2018 13:18

    Deine Idee von Kingsman goes Bond finde ich klasse!!!! Und da Mark Strong und Daniel Craig gut befreundet sind, könnte der ihn ja vielleicht sogar dazu überreden :mrgreen:

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2018 16:11

      Das wäre sooo cool, wenn die wirklich ein Cross-Over machen würden. Ich würde es mir auf jeden Fall angucken und es würde irgendwo auch perfekt Sinn ergeben 😀

  2. 24. April 2018 09:53

    Ich fände ein Cross-Over von Bond und Kingsman auch großartig, aber ich würde es eher in einer anderen Form machen. In etwa so wie in NOW YOU SEE ME 2, wo Daniel Radcliffe, der als Harry Potter berühmt wurde, einen „Zauberlehrling“ spielt. Ich fände es super, wenn Craig – nachdem er dann endlich mal Bond in den Ruhestand geschickt hat – bei KINGSMAN wieder auftaucht. Entweder als Bösewicht (wäre mal was anderes) oder als Parodie von James Bond.

    Hier meine Kritik zum Film: http://adoringaudience.de/kingsman-the-golden-circle-2017/

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2018 09:47

      Okay, das klingt auch nach einer guten Idee, obwohl in meinem Kopf zieht ein Treffen zwischen den Kingsmen und Bond einfach zu cool aus. 😀 😀 😀

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