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Der stumme Barkeeper

7. März 2018

Duncan Jones feierte sein Debüt mit dem starken Sci-Fi-Film „Moon“, in dem Sam Rockwell wortwörtlich den Mann auf dem Mond spielt. Danach kam dann „Source Code“, in dem Jake Gyllenhaal per Zug durch die Zeit reiste – ein Film, den ich nicht sooo stark fand. Danach kam „Warcraft“, den ich einfach komplett ausgelassen habe, weil ich mit der ganzen „World of Warcraft“-Sache nichts am Hut habe und ich, ehrlich gesagt, auch von den nicht sonderlich guten Kritiken, sowieso eher abgeschreckt war. Doch irgendwann nach „Warcraft“ hieß es dann auf einmal, Jones würde als nächstes einen Film drehen, den er schon seit Jahren im Kopf hatte, den er als damals noch unbekannter Regisseur jedoch nicht machen konnte: „Mute“ (der Mann mag seine kurzen Titel).

„Mute“ entführt uns in ein Berlin der Zukunft, in dem der stumme Barkeeper Leo (Alexander Skarsgard) seiner Arbeit nachgeht und eigentlich ein recht trostloses Leben in diesem Moloch aus Sex, Drogen und Gewalt führt. Einziger Lichtblick für ihn ist seine Freundin Naadirah (Seyneb Saleh)… doch dann auf einmal verschwindet Naadirah spurlos und der verzweifelte Leo macht sich auf die Suche nach ihr – und trifft dabei die merkwürdigsten Gestalten wie unter anderem das Chirurgen-Pärchen Cactus Bill (Paul Rudd) und Duck (Justin Theroux).

Er ging bei Tom Cruise in die Cocktail-Schule

Nach meinem Erfolgserlebnis mit „The Ritual“ war ich heiß darauf, noch einen coolen Netflix-Film zu schauen – da bot sich „Mute“ natürlich an, immerhin ist Duncan Jones ja kein Unbekannter – und wer selbst von sich sagt, dass er diesen Film schon so lange in der Pipeline hat, der muss aus seinem vermeintlichen Herzensprojekt doch wirklich einen Wahnsinnsfilm machen, oder??? Oder???

Scheinbar nicht unbedingt… ich weiß auch nicht, das größte Problem, das ich mit „Mute“ hatte, erinnerte mich ein wenig an das Problem, das ich schon mit „Bright“ hatte: Ich habe diese Welt nicht wirklich verstanden. Ja, cool, dass der Film in Berlin spielt und unter all den Computer-Animationen konnte ich sogar den ein oder anderen Platz erkennen, der tatsächlich in Berlin ist (und nein, ich meine jetzt nicht nur das Brandenburger Tor), aber so wirklich bin ich mit dieser Welt nicht klar gekommen. Ständig werden da Aufrufe gemacht, dass US-Soldaten gemeldet werden sollen, Cactus Bill versucht auch irgendwie zu entkommen und man fragt sich, warum überhaupt so viele US-Soldaten in Berlin sind? Gab es irgendeinen Krieg? Was ist vorher geschehen? Warum besteht Berlin auch nur noch aus Wolkenkratzern in der Ferne und dunklen, engen Gassen voller Sex-Shops, Strip-Clubs und Bars und dem ein oder anderen Supermarkt? Duncan Jones versucht verzweifelt, sein Berlin der Zukunft so aussehen zu lassen wie Ridley Scotts Los Angeles in „Blade Runner“. Das funktioniert mit einigen Bildern ganz gut, mit anderen eher weniger. Allgemein kommt dieses Noir-Blade-Runner-Gefühl, auf das Jones abzielt, nicht so richtig rüber. Trotzdem sieht diese Version von Berlin auch irgendwie ein bisschen cool aus…

Doch Looks sind ja nicht alles und daran scheitert „Mute“ dann – vor allem an der Story und den Charakteren. Kommen wir mal kurz zur Story: Ganz ehrlich, Leos Geschichte hat wahrscheinlich auf einen Bierdeckel gepasst. Freundin verschwindet, er zieht los, fertig. Auf recht blöde Art und Weise lässt uns Jones wissen, dass sie möglicherweise ein Geheimnis hat – das sie Leo verraten, der aber gar nicht erst hören will. Am Ende denkt man sich dann nur: „Hättest du ihr mal zugehört, dann hätten wir uns zwei Stunden Film sparen können!“. So fängt die Geschichte an, Typ will nicht zuhören und deswegen verschwindet Freundin auf einmal spurlos. Die dann folgende Suche durch die anrüchigen Orte im Berlin der Zukunft verläuft holperig und sehr unaufgeregt. Irgendwie will in „Mute“ einfach nie wirklich Spannung aufkommen. „Mute“ möchte gerne Detektiv Noir sein, aber das Detektiv will nie so richtig hinhauen. Jones deuten einfach jede Menge an, lässt uns als Zuschauer aber gefühlt genau so sehr im Dunkeln wie seinen Protagonisten Leo.

Dazu kommt dann noch die äußerst merkwürdige Geschichte von Cactus Bill und Duck. Die will gefühlt erst gar nicht in den Film passen, bis sie dann doch einige Parallelen zu Leo aufweist – und selbst dann wirkt sie einfach nur komisch. Bis sie zu einem Punkt kommen, an dem Jones eine Linie überschreitet, die nicht unbedingt Not getan hätte – und vor allem, a) so nicht wirklich in den Film gepasst hat und b) auch einfach nicht zur „Story“ gepasst hat. Keine Ahnung, warum dieser eine Punkt für Jones so wichtig war, dass er ihm am Ende so viel Aufmerksamkeit schenkt.

„Mute“ ist einfach nicht das, was ich von einem Film erwartet habe, an dem der Regisseur angeblich schon so lange arbeitet. Die Story ist mau, uninspiriert und langatmig ohne Ende. Die Darsteller wirken ebenso uninspiriert – bei Skarsgard weiß man nie so richtig, was ihn eigentlich motiviert, bei Rudd hat man das Gefühl, der fand nur die Idee cool, den verrücktesten Bart seiner Karriere in einem Film zu haben und Theroux wollte mal blond tragen, keine Ahnung.

„Mute“ ist ein Film, der zu Teilen ganz nett aussieht, aber mehr ist dann auch nicht dazu zu sagen. Was echt schade ist…

Wertung: 4 von 10 Punkten (das wilde Berlin der Zukunft ist nicht so wild, wie es hätte sein können)

5 Kommentare leave one →
  1. 7. März 2018 19:48

    Schade, das manifestiert sich damit, dass der Film nix taugt. Ich habe wirklich noch nichts Gutes darüber gehört 😦 Schade

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2018 12:20

      Ich fand’s auch schade, weil Duncan Jones ja schon ein viel versprechender Regisseur war. Aber „Mute“ ist wirklich eher öde…

  2. 17. März 2018 20:34

    Ich glaube es hilft, wenn man sich in der ungewohnten Hässlichkeit von Justin Theroux und der eigenen Heimatstadt verlieren kann. *lach*

    • donpozuelo permalink*
      19. März 2018 10:17

      In der Hässlichkeit von Berlin konnte ich mich noch nie verlieren 😀

Trackbacks

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