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Unterwasserliebe

28. Februar 2018

Der Hype war riesig – und natürlich bin ich dem ganzen Theater mal wieder hoffnungslos verfallen. Warum gebe ich eigentlich auch noch immer einen Mist darauf, für wie viele Oscars ein Film nominiert ist? Immerhin habe ich mir dieses Jahr fest vorgenommen, die Oscars nicht zu gucken (ihr habt es hier als erstes erfahren!!!). Und trotzdem… es war ja schon eine kleine Überraschung, dass Guillermo del Toros Fantasy-Liebesfilm „The Shape of Water“ gleich für 13 Oscars nominiert wurde. Aber schon davor hackelte es Preise und Lobpreisungen und dann ist es immer noch del Toro… ich wollte ihm „Crimson Peak“ verzeihen und mich von der Hype-Welle mitreißen lassen. Doch dann im Kino ebbte die Welle verdammt schnell ab und ich fragte mich: Wo kommt dieser Hype eigentlich her?

Aber fangen wir von vorne an: „The Shape of Water“ erzählt die Geschichte von Elisa (Sally Hawkins), eine stumme Putzkraft in einem geheimen Regierungslabor, die als Waise aufwuchs und auch jetzt nur wenige Leute in ihrem Leben hat. Da wäre einmal ihre Arbeitsfreundin Zelda (Octavia Spencer) und ihr Nachbar Giles (Richard Jenkins). Eines Tages wird eine Kreatur im Labor untergebracht – eine Art Wasser-Mensch, den der fiese Colonel Strickland (Michael Shannon) in Südamerika gefangen hat. Zwischen Elisa und der Kreatur entwickelt sich langsam eine Freundschaft…

Die Abe Sapien Origin-Story

Ich wollte „The Shape of Water“ so sehr mögen. Ich wollte endlich mal wieder einen tollen Guillermo del Toro sehen, der mich sowohl visuell als auch erzählerisch verzaubert. Ich wollte so viel und wollte wahrscheinlich zu viel, denn ich habe nur wenig von dem bekommen, was ich eigentlich wollte. Optisch ist „The Shape of Water“ schon ein schön anzuschauender Film, der Andeutungen von del Toros üblicher Verspielheit hat, doch von der es ruhig noch ein wenig mehr hätte geben können. Aber gut, am Ende ist dieses Konzept vom Kalten Krieg nicht unbedingt das, womit ein del Toro seine Verspieltheit ausleben kann. Kalter Krieg ist halt etwas steril, so ein Geheimlabor ist eben nicht so spektakulär, von daher war ich da noch gewillt, Abstriche zu machen.

Doch auch das Kreaturen-Design hat mich jetzt nicht so vom Hocker gerissen. Es erinnert wirklich an eine Mischung aus Abe Sapien aus den „Hellboy“-Filmen und eben „Der Schrecken vom Amazonas“, jenes Kult-Fischmonster der 50er Jahre. Er sieht nicht schlecht aus, aber ist halt auch einfach nur so ein Fischmonster, von dem man nicht wirklich viel erfährt – außer das, was wirklich absolut notwendig ist. Dennoch hätte ich mir dafür dann doch ein wenig mehr gewünscht.

Womit wir dann vielleicht zu meinem größten Kritikpunkt an „The Shape of Water“ kommen: Die Geschichte an sich. Wenn wir mal ehrlich sind, ist der Film „Free Willy“ mit einer etwas verkorksten Liebesgeschichte. Ich sage verkorkst, weil ich nie so richtig verstanden habe, warum Elisa denn nun so unbedingt, unbedingt den Fischmann retten möchte. Was ist ihre Motivation – außer der Tatsache, dass sie beide stumm sind? Dass sie ihm helfen will, kann ich noch nachvollziehen. Warum sie aber gleich die große Liebe erfahren, konnte ich beim besten Willen nicht verstehen. Ich bin ja nun wirklich der letzte, der nicht eine gute Liebesgeschichte zu würdigen weiß, aber „The Shape of Water“ hatte nicht einmal im Ansatz eine. Ich fand die Story, gelinde ausgedrückt, einfach sehr plump und nicht besonders aufregend und das Finale war dann auch irgendwie sehr an den Haaren herbei gezogen (und das sage ich jetzt bei einem Film, der von einem Fischmann aus dem Amazonas-Gebiet handelt).

Womit wir dann mal zu den Darstellern kommen. Sally Hawkins war gut, ich fand sie sympathisch und charmant – und dennoch hätte ich mir gewünscht, del Toro hätte ihr ein bisschen mehr Tiefe gegeben. Wie gesagt, ich habe diese ganze Liebesgeschichte nicht wirklich abgekauft. Wesentlich interessanter fand ich in „The Shape of Water“ die Nebencharaktere: Michael Shannons Strickland war ein großartig widerliches Arschloch (obwohl mir da auch mal jemand erklären muss, woher seine plötzliche Obsession mit Elisa auf einmal herkam). Wirklich grandios fand ich Giles. Richard Jenkins liefert eine großartige Performance ab, aber sein Giles hatte für mich mehr Tiefe als Elisa und der Fischmann zusammen. Er hatte eine interessante Hintergrundgeschichte, er war ein spannender Charakter, der nachvollziehbarer war als Elisa zum Beispiel.

„The Shape of Water“ ist kein schlechter Film, das möchte ich hier nicht sagen. Aber es ist ein Film, der mich zu keiner Minute so wirklich vom Hocker gerissen hat. Der Film hatte viele nette Ideen, aber irgendwie hat mir das Fantasie-Volle dann doch zu sehr gefehlt. Ich hätte mir tatsächlich eine noch größere Verspielheit gewünscht, damit aus „The Shape of Water“ wirklich ein kleines, modernes Märchen hätte werden können. Für mich bleibt damit „Pans Labyrinth“ nach wie vor del Toros absolutes Meisterstück und „Hellboy 2“ sein Kreaturen-Feuerwerk schlechthin.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Form des Wassers lässt mich traurigerweise kalt)

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8 Kommentare leave one →
  1. 28. Februar 2018 18:31

    Also wirklich: 5 Punkte?!
    Hast Du geschlafen? Elisa war so wie das Ding, darum konnte sie nicht sprechen und war zu ihm hingezogen :)) Die Kiemen kamen ja nicht von ungefähr.
    Aber natürlich war ich auch etwas enttäuscht, weil ich Sally Hawkins hier nicht so sehr mochte. Sie ist mir meist zu viel und zu süßlich.
    Shannon war großartig widerlich. Das kann er wie kein anderer 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. Februar 2018 20:05

      Aber allein das mit ihren Kiemen fand ich auch so albern. Klar war mir bewusst, warum sie sich zu dem hingezogen fühlte, aber so richtig aufrichtig fand ich das von der Story nicht… Und dann halt das mit den Kiemen. Hmmm… war einfach insgesamt nicht so meins.

      Aber ja, Shannon war super und wie gesagt, ich mochte Jenkins extrem.

      • 28. Februar 2018 21:07

        Hast schon recht, irgendwie war das alles nicht so geschickt erzählt und je mehr ich darüber nachdenke, desto doofer finde ich den Film :))

        • donpozuelo permalink*
          1. März 2018 06:53

          😀 das war jetzt auch nicht meine Absicht. Aber ich kann es durchaus verstehen.

  2. 5. März 2018 14:14

    Witzig, ich fand ihn zu verspielt, dir ist er nicht verspielt genug 😄

    • donpozuelo permalink*
      5. März 2018 16:12

      Wie das halt immer so ist 😀

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