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Making of… The Room

26. Februar 2018

Ich gestehe, dass ich mir „The Room“ von Tommy Wiseau – jenen vermeintlich schlechtesten Film aller Zeiten – niemals hätte alleine anschauen dürfen. Da erträgt man diesen grausamen Versuch von Dramaturgie mal eben so gar nicht, sondern quält sich durch einen Film, der eigentlich nicht einmal Film genannt werden darf. Das ist ein Film, den man in einer großen Gruppe anschauen sollte. Dann kann man dieses Ding, das sich da Film nennt, vielleicht sogar genießen – das machen ja viele Abertausende von Fans weltweit auch. Das immerhin muss man ja schon ein wenig neidvoll anerkennen: Auch wenn sein Film als der schlechteste Film aller Zeiten gefeiert wird, wird er eben genau das – gefeiert. Am Ende hat Tommy Wiseau doch einen Film gedreht, der genau das geschafft hat, was er erreichen wollte: Leute schauen ihn sich an, kommen dadurch zusammen und erfreuen sich daran. Wenn das nicht das perfekte Ziel ist – naja, gut, wenn man darüber hinwegsehen kann, dass die Leute sich darüber lustig machen, ist es vielleicht wirklich das perfekte Ziel.

James Franco hat nun mit dem Film „The Disaster Artist“ das Making-Of zu „The Room“ gedreht. Mit sich selbst als Tommy Wiseau in der Hauptrolle und seinem Bruder Dave als Tommys besten Freund Greg Sestero. In diesem Film erfahren wir… wie „The Room“ entstand… obwohl ich mir – und damit greife ich schon mal ein paar Dinge vorweg – mehr zur Entstehung von „The Room“ und zu seinem Macher gewünscht hätte.

Wahre Brüder dürfen auch doof zusammen sein

Normalerweise versuche ich immer, die Bücher zu lesen, auf denen Filme basieren (deswegen lese ich ja auch gerade die Southern-Reach-Trilogie, um mich auf Garlands „Annihilation“ vorzubereiten). „The Disaster Artist“ von Greg Sestero habe ich nicht gelesen, deswegen kann ich nicht genau sagen, wie gut Franco das Buch adaptiert. Herausgekommen ist auf jeden Fall ein unterhaltsamer Film. Ein Film, der eine schöne Hommage an den schlechtesten Film aller Zeiten ist. Was mich allerdings schon ein wenig gestört hat, ist die Tatsache, dass ich nicht sonderlich viel von diesem Mysterium Tommy Wiseau erfahren habe. Das ist natürlich auch ein wenig die Masche von Wiseau. Er will eben nicht, dass die Leute wissen, woher er wirklich kommt, woher sein Akzent stammt oder warum er einfach ist, wie er ist. Er ist eine Kunstfigur geworden, die er sich selber ausgedacht hat. Und diese Figur spielt James Franco durchaus sehr überzeugend. Er hat all die merkwürdigen Lacher, Bewegungen und Arten von Wiseau gut drauf. Wir lernen ihn als sehr offenen Menschen kennen, der sich vor nichts schämt und seinen eigenen amerikanischen Traum voll auslebt. Er geht seinen Weg und lässt sich davon nicht beirren. Nach „The Disaster Artist“ muss man ihn schon ein wenig bewundern. Und fragt sich dennoch weiterhin, wer dieser Typ eigentlich wirklich ist.

Das Gleiche gilt auch für die Dreharbeiten zu „The Room“. James Franco lässt seine Darsteller die bekanntesten Szenen nachspielen. Er lässt die Filmcrew zum gewöhnlichen „The Room“-Zuschauer werden, die sich immer wieder fragen, warum Tommy Sex mit einem Bauchnabel hat oder warum er lacht, nachdem ihm sein bester Freund von einem Gewaltakt gegen eine Frau erzählt. Wir sehen die merkwürdigen Eigenarten des Wiseau am Set… aber irgendwie hätte ich mir davon noch viel mehr gewünscht. Man lernt zwar viel allgemeines (wie zum Beispiel, dass der Film angeblich knapp 6 Millionen Dollar gekostet haben soll), aber nichts besonderes. „The Disaster Artist“ bietet nichts überraschendes, sondern feiert und parodiert einfach dieses verrückte Wesen Tommy Wiseau.

Darstellerisch ist der Film top besetzt, da taucht sogar ein Zac Efron auf oder ein Josh Hutcherson und alle haben sichtlich Spaß daran, dem schlechtesten Film aller Zeiten einen guten Film zu geben. Aber wie gesagt, irgendwie hatte ich mir schon mehr ulkige Geschichten vom Set erwartet, etwas, dass „The Room“ ein bisschen mehr Tiefe an sich verleiht – oder eben seinem Macher.

Dennoch ist „The Disaster Artist“ ein unterhaltsamer Film, nach dem man zumindest vor Tommy Wiseau schon ein bisschen mehr Respekt hat. Der Mann ist ein komischer Vogel und hat sich nicht brechen lassen. Franco erschafft diesem Mann ein filmisches Denkmal, das der Mann wohl nie so erwartet hätte.

Wertung: 7 von 10 Punkten (statt „The Room“ kann man lieber diesen Film schauen – dann hat man alles Wichtige gesehen, ohne sich quälen zu müssen)

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