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Das Herz von Atlantis

21. Februar 2018

Atlantis – das erste Bild, dass sich von dieser sagenumwobenen Stadt in meinem Kopf gebildet hat, verdanke ich unserem aller Lieblingsarchäologen Indiana Jones. Mein Gott, was habe ich „Fate of Atlantis“ geliebt (und mir insgeheim immer gewünscht, Teil 4 der Film-Reihe hätte einfach eine Verfilmung des Spiels sein können – aber ist es ja dann doch nicht geworden, wie wir ja alle leider nur zu gut erfahren haben). Doch je mehr ich jetzt so darüber nachdenke: Wirklich viel von Atlantis hat man da auch nicht gesehen – gut, war halt eine versunkene Stadt, aber es hatte immerhin das Gefühl dieser aus mehreren Kreisen angeordneten Stadt gut übertragen – auch wenn man natürlich viel mehr damit beschäftigt war, diese doofen Nazis davon abzuhalten, das Geheimnis von Atlantis für sich zu beanspruchen. Ein sehr viel schöneres Bild der untergegangenen Stadt lieferte 2001 ausgerechnet Disney – in einem für das Studio doch eher ungewöhnlich, aber nicht weniger tollen Film: „Atlantis: The Lost Empire“.

Der junge Linguist Milo Thatcher (im Original: Michael J. Fox) hat ein geheimnisvolles Manuskript gefunden, dass angeblich den Weg nach Atlantis beschreibt. Natürlich glaubt ihm anfangs niemand diese absonderliche Geschichte, doch schon bald findet er jemanden, der ihm ein Expeditionsteam zur Verfügung stellt. Und so macht sich Milo auf den Weg, um Atlantis zu finden, das er dann auch tatsächlich entdeckt. Die Prinzessin Kida, die schon seit über 8000 Jahren lebt, heißt die Expedition auch willkommen, denn Milo ist der Einzige, der Atlantisch lesen und ihr vielleicht helfen kann, ihr Volk zu retten. Doch leider hat Milos Expeditionsleiter Commander Rourke ganz andere Pläne.

Unterwasser-Sightseeing

Ich habe damals „Atlantis“ gesehen, als er in die Kinos kam und wusste nicht so wirklich, was mich erwarten sollte. Stand Disney drauf, ich hatte also erwartet, dass das Ganze mit viel Gesang und Tanz und einer taffen Prinzessin abgespult wird, die sich dann unsterblich in den jungen Milo verliebt. Sprich: So eine Art Unterwasser-Pocahontas. Doch Pustekuchen! „Atlantis“ wirkt wie ein sehr erwachsener Film. Allein wenn man mal überlegt, dass bei einem ersten großen Höhleneinsturz relativ früh zu Beginn des Films mal eben mehr als 50 Prozent der Expeditionsteilnehmer sterben. Für einen Disney-Film dann doch recht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist halt auch, dass Milo die ganze Zeit im Vordergrund steht – und dabei aber auch nicht Aladdin-mäßig ein taffer Held, sondern doch ein schüchterner Bücher-Wurm ist, der mit seinen Aufgaben erst wachsen muss. Dafür ist dann sein Team herrlich Disney: von dem stinkenden, aber sympathischen Buddler Boudelaire über den Sprengstoff-Experten Vinny bis hin zur Funkerin Ms. Packard (die in der deutschen Version zwar sehr schön Berliner Dialekt von sich gibt, aber dadurch gefühlt noch weniger in diese Welt reinpasst) und die Technikerin Anna. Es ist hauptsächlich dieses Team, dass den Humor in „Atlantis“ verkörpert, aber auch hier ist es wieder weniger so ein Slapstick-Humor (den es auch gibt), sondern auch ein Humor, der viel durch das Gesagte übermittelt wird. Auf niedliche Tiere wird in „Atlantis“ als Sidekicks verzichtet.

Womit der Film dann wirklich so richtig punktet, ist der erste Blick auf Atlantis selbst. Hier konnte ich mir aber jetzt – beim zweiten Mal Gucken – es nicht verkneifen, ständig an Miyazakis „Das Schloss im Himmel“ zu denken. Und das jetzt nicht nur wegen der Roboter. Ich weiß auch nicht, tatsächlich hat der Film in mir ein ähnliches, faszinierendes Gefühl ausgelöst wie Miyazaki. Diese Stadt sieht einfach so toll aus, dass man am liebsten den Rest des Films damit verbringen möchte, sie einfach in Ruhe zu erforschen. Gut, und dann gibt es da natürlich noch das Herz von Atlantis, das schon sehr stark an das Herz von Laputa erinnert. Man könnte schon sagen, dass Disney sich stark hat inspirieren lassen von der Stadt im Himmel, um die Stadt unter Wasser zu erschaffen. Woran ja nichts verwerfliches ist, Hauptsache, es ist eine tolle Entdecker-Erfahrung damit verbunden, diese sagenumwobene Stadt zu sehen.

In Atlantis gibt es dann auch endlich die taffe Disney-Prinzessin, die sich aber auch wohltuend von ihren üblichen Disney-Vertreterinnen abgrenzt, in dem sie halt nicht auf der Suche nach der großen Liebe ist, sondern erst einmal damit zu tun hat, ihr Volk zu retten. Kida ist eine aufgeschlossene junge Frau, die den Staub der Jahrtausende aus Atlantis entfernen will und Risiken eingeht, die nicht immer gut für sie sind (und ja, ein bisschen was hat sie auch von Sheeta aus „Das Schloss im Himmel).

„Atlantis: The Lost Empire“ ist erfrischend anders als übliches Disney-Kino, es ist mehr Action-Abenteuer als Fantasy-Musical (denn gesungen wird halt einfach mal gar nicht), es wird mehr getragen von starken Charakteren, die nicht auf der Suche nach der Liebe sind und es steht gefühlt auch sehr viel mehr auf dem Spiel als sonst meist üblich.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein tolles Atlantis mit ordentlich Action und Abenteuer – Indy wäre sicherlich stolz)

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7 Kommentare leave one →
  1. 21. Februar 2018 09:23

    Ich liebe diesen Film!

  2. 21. Februar 2018 14:22

    Das erinnert mich daran, dass ich den Film auch endlich einmal wieder sehen wollte. Ich mag die Abenteuer-Atmosphäre sehr.

    • donpozuelo permalink*
      21. Februar 2018 18:32

      Mach das. Der Film macht echt Spaß. Hätte auch eine gute Vorlage für Indiana Jones sein können 😉

      • 21. Februar 2018 19:59

        Dann hätten sie ja gleich das LucasArts-Adventure nehmen können… 😉

        • donpozuelo permalink*
          21. Februar 2018 20:22

          Das wäre sowieso so ein toller Indy-Film geworden. Ich hatte ja damals bei Indy 4 immer gehofft, das würde die Vorlage dazu sein.

Trackbacks

  1. Die Mächte von Atlantis | Going To The Movies

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