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Wakanda forever!

16. Februar 2018

Es ist tatsächlich endlich passiert. Ich bin satt. Satt von all den Superhelden-Filmen. Ich habe mich wirklich gefragt, wann diese Erscheinung bei mir eintreten wird, habe mich gefragt, ob es jemals wirklich passieren könnte. Und ja, in der Vorstellung zu Marvels nunmehr 18. Film „Black Panther“ schlich sich bei mir der Gedanke ein, dass ich langsam satt bin. Dazu vorweg: Ich mag den Film wirklich sehr und dazu komme ich ja gleich auch noch, aber dieses Sättigungsgefühl hat sich mit diesem Film nun in meinen Kopf geschlichen. Genau so ging es mir tatsächlich irgendwann auch mit den Comics. Ich brauchte einfach mal eine Pause von übermächtigen Helden und fiesen Schurken. Diese Pause brauche ich jetzt wohl auch von Superhelden (was mich trotzdem nicht davon abhalten wird, mir die Filme weiterhin anzuschauen – ein irrsinniges Paradoxon). Aber ich fange am besten mal ganz in Ruhe an.

Wir kennen T’Challa (Chadwick Boseman) ja bereits aus seinem ersten wirklich coolen Auftritt in „Civil War“, wo er den Winter Soldier (Sebastian Stan) für den Mord an seinem Vater, dem König von Wakanda, verantwortlich machte. In „Black Panther“ kehrt T’Challa nun in dieses sagenumwobene Land zurück – ein Land, dass das des wertvollen Metalls Vibranium dem Rest der Welt technologisch extrem weit voraus ist, aber auch ein Land, in dem alte Traditionen mit Würde aufrecht gehalten werden. Hier wird T’Challa nun zum König und zum Black Panther, doch muss er seinen Thron nicht nur gegen den Wilderer Ulysses Klaue (Andy Serkis) verteidigen, sondern auch gegen den gefährlichen Erik Killmonger (Michael B. Jordan), der Wakanda in seinen Grundfesten erzittern lassen will.

Miauuuu

„Black Panther“ ist ein großartiger Film, vor allem, weil er eigentlich aus diesem ganzen Sammelsurium von Marvel-Filmen enorm heraussticht. Wann hatten wir schon mal einen Helden, der gleichzeitig ein König war? Der sich nicht nur ums Heldsein kümmern musste, sondern auch noch um das Wohlergehen seines Volkes? „Black Panther“ bietet vielleicht den ersten Superhelden, der tatsächlich schwer an seinen zwei Rollen – im Kostüm und ohne Kostüm – zu knabbern hat. T’Challa hat wichtigere Entscheidungen zu treffen als jeder Marvel-Held vor ihm… und das, ohne ein Kostüm anzuhaben. Allein das ist schon verdammt cool. Ich habe in vielen Kritiken den Vergleich zu „Der Pate“ gelesen – und ja, es ist etwas weit hergeholt, aber es passt eigentlich ganz gut. Wie Michael Corleone ist T’Challa nicht scharf auf seine neue Aufgabe, aber er stellt sich ihr.

Dazu kommt mit Erik Killmonger mal wieder ein Antagonist, der dem Ganzen ebenbürtig ist. Killmonger, wenn man denn einmal seine ganze Geschichte kennt, ist nachvollziehbar – man versteht seinen Zorn, man versteht, warum er so drastisch reagiert. Er ist ein Schurke, der ein wenig an Vulture aus „Spider-Man: Homecoming“ erinnert: Er wurde in eine Situation gedrängt, die er nicht beeinflussen konnte und hat sich dann etwas zu sehr seiner Wut ergeben. Und gibt T’Challa mit seinen Taten zu denken: Wie soll man umgehen mit den Errungenschaften von Wakanda, die man vor der Welt geheimgehalten hat? Sollte man teilen? Wie gefährlich könnte dieses Teilen werden? Also tatsächlich wird „Black Panther“ zu einem Film, der einen doch sehr zum Nachdenken anregt, der im Gedächtnis bleibt, weil er doch ein paar mehr Fragen aufwirft als man es sonst von einem Marvel-Film erwarten würde.

Creed“-Regisseur Ryan Coogler durfte sich – ganz wie Taika Waititi in „Thor 3“ – richtig austoben und liefert zum komischen Thor ein interessantes Kontrast-Programm, das jetzt nicht einen Witz nach dem anderen abfeuert, sondern unseren Helden auch mit sehr ernsthaften Situationen konfrontiert. Außerdem beeindruckt Coogler durch einen großartigen Cast, bei dem der Hauptdarsteller fast schon ein wenig in den Hintergrund gerät, weil eben all die anderen Charaktere so unglaublich faszinierend sind: da hätten wir Danai „Michonne“ Gurira als knallharte Generälin, Letitia Wright als Technik-Expertin, die schon fast Bonds Q Konkurrenz machen könnte, Lupita Nyong’os Naika ist eine coole Spion und Andy Serkis, der als Klaue einen umwerfenden Nebenschurken in diesem Film abliefert. Der Cast ist wirklich stark und trägt enorm zur Story bei. Es geht halt nicht nur um den Black Panther, sondern eben auch um Wakanda (das, nebenbei bemerkt, verdammt gut aussieht – diese Mischung aus Futurismus und Altem ist wirklich gekonnt inszeniert).

Doch wo, werdet ihr euch jetzt fragen, kommt bei so einem tollen Film meine Übersättigung auf einmal her? Nun ja, es ist am Ende doch die Story. Ja, klar, sie wirft interessante Fragen auf und ist zeitgemäßer und auch politischer als jeder andere Marvel-Film, aber am Ende ist es doch Comic-Buch-Schema-F: Held tritt auf, Bösewicht tritt auf, Held kommt nicht gegen scheinbar unbesiegbaren Bösewicht an, muss seine Wunden legen, Schurke scheint übermächtig. Held kommt zu irgendeiner Art Erkenntnis, stellt sich erneut dem Schurken, Held siegt. Coogler kann das zwar alles geschickt hinter tollen Charakteren und guter Action verstecken, aber am Ende ist die Story dann doch wieder einmal sehr vorhersehbar.

Wertung: 8 von 10 Punkten („Black Panther“ ist der James Bond des Marvel-Universums, der gleichzeitig auch noch König ist)

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11 Kommentare leave one →
  1. 16. Februar 2018 09:14

    Been there with Thor 3. Im Moment überwiegt noch die Neugier, sonst würde ich mir das gar nicht mehr erst antun.

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2018 16:38

      Bei „Thor 3“ ging es bei mir noch. Aber jetzt kommt es so langsam 😉 Und ja, die Neugier wird natürlich schon immer bleiben.

  2. 16. Februar 2018 11:20

    ZeitOnline hat dies auch schon unter einer leicht anderen Fragestellung festgestellt: http://www.zeit.de/kultur/film/2018-02/david-benioff-db-weiss-star-wars-film . Offenkundig ist diese Übersättigung Trend, vor allem, wenn man die Kommentare liest.

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2018 16:39

      Uff… ja, bei Star Wars ist das auch ein gutes Thema. Letztens hat mir ein Freund so ein Oprah-Meme gezeigt, nur mit Kathleen Kennedy und darunter stand auch einfach nur: „You get a trilogy. You get a trilogy! And you get a Star Wars trilogy!“

      Je mehr sie das Star Wars Universum vollballern mit Filmen, desto unspektakulärer wird das wahrscheinlich irgendwann. Dann ist es nichts Besonderes mehr, sondern einfach nur einer von weiteren 100.000 Filmen der Reihe.

      Ist echt schade.

      • 16. Februar 2018 17:51

        Wenn ich mich an die Kommentare zum Artikel richtig erinnere, dann steht das dasselbe was du schriebst: Die Zuschauer sind übersättigt.

        • donpozuelo permalink*
          17. Februar 2018 18:12

          Ist ja auch echt so. Aber das gab es ja schon immer bei so ziemlich jedem Genre.

  3. 16. Februar 2018 18:01

    Ich habe heute noch Kopfschmerzen von diesem Film. Ich muss das 3D wirklich sein lassen, das geht mir so auf die Nerven.
    Aber zum Film: fand ich jetzt nicht so berauschend und sieht für mich ganz nach Marvels Weg aus, die Black Community zufriedenzustellen. Sicherlich gibt es einige Aspekte, die hier wirklich gut gemeint sind, im Großen und Ganzen fand ich das Gesamtwerk einen bunten aufgeblähten Schmu.
    Ganz schlimm war in weiten Teilen der Score. Ich glaube, es gab nicht eine Millisekunde ohne Gedudel, an manchen Stellen war es wie bei Indiana Jones – furchtbar.
    Für Danai Gurira hätte ich mir eine andere Rolle gewünscht. Sie ist zwar auch hier toll, aber wieder so einseitig besetzt wie auch Lupita Nyong.
    Also der Black Panther ist nicht so meins und ich frage mich, ob die Welt jetzt durch Wakanda besser wird. Ich bin gespannt.
    Das Highlight war übrigens der Deadpool Trailer vorher :)) Da freue ich mich richtig drauf!

    • donpozuelo permalink*
      17. Februar 2018 18:15

      Hab den zum Glück nicht in 3D gesehen. Kann ich echt drauf verzichten.

      Und ja, dass mit dem Zufriedenstellen der Black Community trifft wohl auch zu.

      Den Score fand ich auch nicht so super. Dafür aber tatsächlich Gurira. Hat mir echt ganz gut in der Rolle gefallen.

      Und ja… auf Deadpool bin ich auch so gespannt. Das könnte dieses Jahr der originellste Superhelden-Film werden.

  4. 12. März 2018 20:15

    Ein Held der gleichzeitig König ist, mag Thor zwar nicht sein, aber zumindest gibt es ein Volk, um das er sich kümmern muss 😉 Oder sollte …
    Bei mir hat sich leider auch der Sättigungseffekt eingestellt. Thor 3 habe ich schon nicht mehr gesehen, werde den aber mal aufgrund des ganzen Lobs nachholen.

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2018 20:47

      Thor 3 war noch witzig, weil es wirklich viel von Taika Waititi hat. Aber ja… satt bin ich trotzdem auch…

Trackbacks

  1. Donnergott vs. grünes Monster | Going To The Movies

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