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Der beste schlechteste Film?

2. Februar 2018

War nicht irgendwann mal „Plan 9 from Outer Space“ der unglückliche Träger des Titels „Schlechtester Film aller Zeiten“? Mir war immer so. Doch seit ein paar Jahren geistert ja ein neuer Kandidat für diesen Titel herum. Ein Film, den irgendwie jeder, der ihn schon gesehen hat, wegen seiner Schlechtigkeit abfeiert – ein Film, der als so schlecht abgetan wird, dass er schon wieder gut sei. Aber geht das überhaupt? Wenn etwas schlecht ist, wie kann es dann gut sein? Der Film bleibt schlecht, aber vielleicht verbreitet er ein gutes Gefühl, weil er Menschen versammelt, die sich den Scheiß zusammen anschauen und sich darüber amüsieren, wie furchtbar das Machwerk doch geworden ist. Und ja, bevor ich noch lange um den heißen Brei herumrede, es geht natürlich um Tommy Wiseaus Film „The Room“, der dank James Francos „The Disaster Artist“ wieder in aller Munde ist – eben als der schlechteste Film aller Zeiten. Aber wie furchtbar kann so ein Film sein? Habe ich mich auch gefragt und mich dann durch die anderthalb Stunden gequält, die „The Room“ ausmachen.

Willkommen in San Francisco, das uns in den ersten Bildern schon mit schönen Aufnahmen (wohlgemerkt die schönsten Aufnahmen, die der Film zu bieten hat) präsentiert wird und dabei ein bisschen so aussieht, als würde gleich eine Folge „Full House“ losgehen. Hier lebt Johnny (Tommy Wiseau), der schon bald seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) heiraten möchte, in der er super super doll verliebt ist und die er mit seiner Liebe und Geschenken überschüttet. Doch Lisa liebt Johnny gar nicht mehr – doch egal, wie sehr ihre Mutter (Carolyn Minnott) ihr auch ins Gewissen redet (denn Johnny kann sie doch finanziell so wunderbar versorgen und das ist doch alles, was zählt), Lisa lässt sich nicht umstimmen. Schließlich hat sie schon einen Neuen gefunden: Johnnys besten Freund Mark (Greg Sestero).

Was sollte das eigentlich immer mit dem Football?

Das ist „The Room“ mal kurz zusammen gefasst, da gibt es dann aber noch den merkwürdigen Stalker Denny (Philip Haldiman), der auch noch irgendwas mit Drogen am Hut hat, da gibt es dann noch irgendwelche Freunde von Lisa, die Johnnys Apartment für ihre Schokoladen-Sex-Spielchen verwenden.

„The Room“ ist wirklich ein Film, den man nur in guter Gesellschaft und mit viel Alkohol schauen sollte, ansonsten ist man in einem Film gefangen, der einen innerlich einfach nur kaputt macht. Denn man fragt sich die ganze Zeit, was man da eigentlich guckt. Erst einmal gibt es merkwürdige Sex-Szenen, bei denen das Vorspiel aus einer Kissenschlacht besteht und Tommy Wiseau scheinbar Liebe mit dem Bauchnabel von Juliette Danielle zu machen scheint. Dazu wurde das Ganze auf übelste Weise nach synchronisiert und mit schwülstiger Musik unterlegt. Aber gut, somit ist dann wenigstens erst einmal etabliert, dass wir hier die große Liebe sehen.

Danach fängt dann das dramatische Liebesdreieck an… mit Schauspielern, die auf Teufel-komm-raus nicht schauspielern können, mit Dialogen, die selbst ein Fünf-Jähriger aufregender geschrieben hätte und mit einer Dramaturgie und Film-Mach-Kunst, die äußerst grenzwertig ist. Man möchte doch meinen, dass jemand, der das Geld hat (und angeblich hatte Wiseau ein paar Millionen für diesen Film zur Verfügung), sich ein paar mehr Gedanken machen würde. Aber „The Room“ macht sich nirgends Mühe. Der Film lässt einfach laufen.

Man kann eigentlich nicht normal über diesen Film schreiben. Das ist wirklich kein Film-Film. Anschauen kann man sich das Ding einfach nicht. Dieser Film folgt keiner Struktur, Charaktere tauchen auf und verschwinden wieder, ohne das man weiß, wieso, weshalb, warum. Es ist wie absurdes Theater, was sich in diesem „Raum“ abspielt.

Und trotz seiner apathischen Darsteller, trotz der furchtbaren Dialoge und der merkwürdigen Film-Arbeit an sich schafft Wiseau mit „The Room“ doch eine Sache: Er schafft es irgendwie, eine tatsächlich hassenswerte Figur zu erschaffen. Lisa ist wirklich ein mieses, dreckiges Miststück, die man mit jeder Minute ein bisschen mehr hasst und durch die man mit jeder Minute ein kleines bisschen mehr Mitleid mit dem armen Johnny hat, der so blind vor Liebe ist, dass er es einfach nicht schnallt, was da vor sich geht. Da muss ich tatsächlich sagen, dass mir Johnny – trotz Wiseaus nicht vorhandenem Schauspiel – einfach Leid getan hat und ich Lisa verflucht habe.

Ansonsten war ich aber sehr froh, als dieses etwas irgendwann vorbei war. Am Ende funktioniert der Film am besten über die bekannten kleinen Schnipsel, die es auf youTube gibt, ein bisschen das debile Lachen von Wiseau, das ständige „Oh hi“ und fertig… ich muss ja gestehen, ich finde es schon schlimm, dass der Film als der „Citizen Kane der schlechten Filme“ bezeichnet wird. Der arme Citizen Kane, das hat er nun wirklich nicht verdient.

Wertung: 2 von 10 Punkten (ein Film für Gesellschaftsabende mit viel Alkohol, ansonsten sollte man echt die Finger davon lassen)

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15 Kommentare leave one →
  1. 2. Februar 2018 10:48

    Himmel, ich kann mir nicht mal das *Best of* ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=yIDa8sIWeW0
    Noch unsympathischer als der Hauptdarsteller geht es ja gar nicht mehr, die Schauspielleistungen erinnern an *Englisch für Anfänger*, diese Lehrserie für den Fernunterricht, falls die jemand kennt. Das ist echter Schrott.

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2018 10:56

      😀 😀 😀 Ja, da hast du vollkommen Recht. Aber das „Best Of“ anzuschauen, ist immer noch einfacher als den kompletten Film. Ist schneller vorbei 😉 Obwohl man sich fragen muss, ob dieser Film überhaupt in der Lage ist, ein „Best Of“ haben zu können – nichts daran ist „Best“ 😉

      • 2. Februar 2018 11:18

        Ich finde, das Schlimmste ist der Hauptdarsteller, wie kann jemand so unsympathisch sein?

        • donpozuelo permalink*
          2. Februar 2018 11:20

          Weil er so absolut nichts menschliches ausstrahlt 😀

        • 2. Februar 2018 11:58

          Da die Schauspieler ohnehin komplett talentfrei sind, hätte man besser den Drogendealer von der nächsten Ecke nehmen können, der wäre wahrscheinlich sympathischer gewesen.

          Jetzt weiß ich auch, warum mich der Film als die Lehrreihe *Englisch für Anfänger* erinnert: Die sprechen ein viel zu überdeutliches Englisch in dem Film. Also wirklich so, als wenn selbst Ausländer alles klar und deutlich verstehen sollen. Total unnatürlich.

  2. 2. Februar 2018 10:49

    Hier gibt es den vollen Film: https://www.youtube.com/watch?v=jkBTRgR_U5o

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2018 10:56

      Da hab ich ihn auch gesehen 😀

  3. 2. Februar 2018 11:06

    Ich glaube, das spezielle an „The Room“ im Gegensatz zu Gurken wie Plan 9 ist, dass er eben kein Genrefilm ist und dabei trotzdem so dermaßen banane. Ein Drama so bescheuert zu machen ist ja auch schon fast eine Kunst für sich. Ich sehe aber auch einige andere Filme über diesem (oder unter diesem; je nach Auslegung), was den ganzen Müll da draußen angeht. Für den König der schlechten Filme hat dieser dann einfach zu viele Längen.

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2018 11:20

      Welche Filme hättest du denn da noch im Angebot? 😉

      Als König der schlechten Filme würde ich den hier auch nicht bezeichnen, aber ich finde es schon sehr interessant, wie der sich so heimlich still und leise seinen Weg in die Köpfe der Leute gebahnt hat.

      • 2. Februar 2018 11:35

        Ist natürlich immer schwierig, weil sehr subjektiv, aber ich würde SHE, DAMNATION ALLEY oder auch HELL SQUAD einfach unterhaltsamer auf ihre beschissene Art. Aber die haben eben auch den Vorteil, dass es eben Genrefilme sind. Und die bieten ja von Natur aus kaum Langeweile (außer wenn Hollywood sie als Blockbuster macht). Da hat es ein Drama eben schwerer. Ein schlechteres Drama würde mir aber beispielsweise jetzt spontan nicht einfallen.

    • 2. Februar 2018 18:17

      Plan 9 ist keine Gurke. Und The Room ist großartig.

      • donpozuelo permalink*
        2. Februar 2018 19:37

        Wer’s mag… 😉

      • 2. Februar 2018 20:26

        In diesem Fall ist das Wort „Gurke“ dann schon objektiv zu verstehen. Es sind nun mal eigentlich keine guten Filme im Sinne von Darstellern und Produktion usw. Dass mir solche Filme eine Menge Spaß machen, sollte ja kein Geheimnis mehr sein.

  4. 4. Februar 2018 13:23

    Habe ihn auch erstmals vor ein paar Tagen gesehen und war ziemlich sprachlos… Wir stimmen in nahezu allen Punkten überein, außer bei der Sympathie zu Johnnie. Sorry, aber ich konnte mit keiner dieser Figuren etwas anfangen, da regte sich gar nichts

    • donpozuelo permalink*
      5. Februar 2018 19:31

      Ich glaube, ich mag Johnnie einfach nur, weil er so ein dummer und naiver Typ ist. Keine Ahnung. Ein bisschen hat er mir halt einfach Leid getan.

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