Skip to content

Mamas wütende Plakat-Werbung

31. Januar 2018

Regisseur Martin McDonagh gewinnt dieses Jahr wohl definitiv den Preis für den sperrigsten Titel des Jahres mit seinem „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ – und vielleicht auch den Preis der Tourismus-Branche von eben jenem beschaulichen Städtchen in Missouri, das mit Sicherheit schon drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing aufgestellt hat, um Film-Fans auf makabre Art und Weise zu beglücken (denn schließlich steht da ja im Film nichts Gutes auf diesen Werbetafeln). Aber mal abgesehen davon wird „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ auch noch ein paar andere Preise gewinnen können, bei den Golden Globes wurde der Film schon in zahlreichen Kategorien ausgezeichnet – Drehbuch, Hauptdarstellerin, Nebendarsteller, etc. Bei den Oscars geht „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ mit sieben Nominierungen ins Rennen und und und… wer mich ein wenig kennt, wird schon gemerkt haben, dass ich versuche Zeit zu schinden, um zum Punkt zu kommen – nämlich folgendem: So mega super duper krass hat mich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ nicht umgehauen. Jetzt ist es raus… aber fangen wir von vorne an.

Mildred Hayes (Frances McDormand) mietet sich drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing in Missouri, auf denen sie den Sheriff von Ebbing, Bill Willoughby (Woody Harrelson), anprangert. Mildreds Tochter wurde vor sieben Monaten vergewaltigt und ermordet und noch immer hat die Polizei keine einzige Spur des Täters gefunden. Mildreds Plakat-Werbung kommt allerdings nicht überall in der Stadt gut an, weswegen es bald Stress gibt – besonders auch wegen dem wütenden Officer Jason Dixon (Sam Rockwell).

Gerechtigkeit durch Werbung

Bevor ich sagen will, warum ich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ jetzt nicht mega super duper krass finde, will ich doch sagen, warum ich ihn für einen guten Film halte. Nach den ersten Trailern und Inhaltsangaben hatte ich Angst, der Film würde sich sehr einseitig nur auf die betroffene Mama stürzen und die Polizei bis ins Kleinste verteufeln. Doch McDonagh gelingt in seinem eigenen Drehbuch eine gute Gratwanderung, er verdeutlicht einem extrem gut beide Seiten dieses Konflikts. Gerade Sheriff Willoughby geht ja auch sehr offen und ehrlich mit der Sache um und findet sogar Verständnis für das aggressive Anprangern. Gleichzeitig schafft es McDonagh auch dieses doch sehr schwere und düstere Thema durch seinen besonderen Humor, den wir schon aus „Brügge sehen… und sterben“ oder „7 Psychos“ kennen, aufzufangen. Er weiß, wann er uns in tragischen Momenten so richtig runterziehen muss und er weiß auch, wann er uns mit tiefschwarzem Humor zum Lachen bringen kann. Auch diese Gratwanderung gelingt ihm extrem gut.

Doch damit kommen wir dann zu dem Problem, das ich mit dem Film habe: Wir reden hier vom letzten Drittel des Films. Es passiert etwas mit den Werbetafeln, daraufhin tut Mildred etwas ziemlich krasses und es passieren noch ein paar andere Dinge in Bezug auf den Fall mit ihrer Tochter. Das wurde mir – blöd ausgedrückt – etwas zu „fantastisch“. Dass Mildred so drastisch reagiert, fand ich – ja – irgendwo doch zu drastisch. Und beim Rest, den ich jetzt nicht zu offen ansprechen will (außer dass ich damit den einen besonderen Besucher ansprechen möchte, den Mildred trifft – um es mal kryptisch genug auszudrücken, damit es kein Spoiler ist), ging es mir mit dem „zu fantastisch“ ähnlich. Da hatte ich das Gefühl, dass McDonagh sich toll viele gute Sachen ausgedacht hatte, aber dann nicht so recht wusste, wie er das Ganze beenden sollte. Das hat mich dann doch alles sehr aus diesem Film gerissen. Es ist immer noch ein toller Film, aber zu oft habe ich schon Dinge wie „Film des Jahres“ und was weiß ich nicht gelesen: So perfekt war der Film dann in meinen Augen doch nicht.

Dennoch kann ich mich bei einem Teil der Lobeshymnen auf jeden Fall anschließen – die Darsteller sind großartig. Jede einzelne Rolle ist stark besetzt. Frances McDormand fand ich wirklich sehr toll, sehr fies und an vielen Stellen konnte sie dennoch meine Sympathien für ihre harten Methoden gewinnen, konnte man sich doch so gut in sie hinein versetzen. Woody Harrelson war das gute Gewissen dieses Films, ein toller Sheriff, ein fairer „Gegner“ für Mildred. Aber wer mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird (und wem ich den Oscar als Bester Nebendarsteller auch wirklich gönnen würde), ist Sam Rockwell. Sein Jason Dixon durchläuft eine irre Wandlung – dieser Macho-Affe, ein dummer Hund, ein blöder Kerl, der handelt ohne nachzudenken. Ein Muttersöhnchen, das nicht wirklich alleine klar kommt, der im Sheriff seine Vaterfigur sucht, um sich irgendwie selbst zu finden. Dixon ist ein schriller Vogel – ganz typisch für einen McDonagh-Film. Aber ein schriller Vogel, der einen starken Wandel vollzieht und für mich somit zur interessantesten Figur im ganzen Film wurde. Allein für Sam Rockwells Performance lohnt sich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ schon.

So… damit haben wir wohl klargestellt, dass „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ so etwas wie mein „La La Land“ ist: Allen feiern ihn, ich feiere ihn etwas vorsichtiger 😉 Es ist ohne Frage ein toller Film, der mir nur im Finale etwas zu sehr schwächelt, das aber immerhin durch starke Charaktere wieder auffangen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Sam Rockwell ist einfach nur spitze!!!!)

8 Kommentare leave one →
  1. 1. Februar 2018 11:52

    Immer schön zu lesen, wenn jemand den Film nicht derart abfeiert, wie der Rest der Kritik. Bin mit dir auf einer Linie: Am Ende schwächelt er dann doch ganz schön

    • 1. Februar 2018 15:38

      Ich gebe Christian Recht. Man muss nicht immer alles toll finden. Allerdings habe ich auch schon Kommentare auf einer deutschen Filmaggregator-Seite gesehen, die dem Film 3/10 gegeben haben. :-O Weil der Film die Selbstjustiz verharmlost und ein rassistisches Muttersöhnchen/Brutalo-Cop sympathisch rüberkommt, heißt es da. Das kann man natürlich so sehen(,wenn man total humorbefreit ist und gute Filme nicht zu schätzen weiß). Bei mir (http://adoringaudience.de/three-billboards-outside-ebbing-missouri-o-2017/) sind es übrigens 9.5/10 geworden. Abzug gab’s für den Zahnbohrer im Fingernagel. Eklig.

      • 1. Februar 2018 18:42

        Wer behauptet, dass der Film Selbstjustiz verharmlost, ist zwischendurch wohl mal eingenickt ^^
        Je weiter meine Sichtung weg ist (habe ihn schon im Herbst auf dem Filmfest Hamburg gesehen) und je mehr ich über ihn lese, desto weniger kritisch sehe ich ihn auch. Finde aber nach wie vor, dass die zweite Hälfte einen deutlichen Rückschritt macht. Deshalb – ich wiederhole mich ^^ – finde ich ihn „nur“ gut.

        • donpozuelo permalink*
          1. Februar 2018 22:38

          Ach, die Leute müssen doch heutzutage an allem rummeckern. Die können das auch nicht mehr einfach nur als Film betrachten, sondern müssen das dann gleich auf die Realität beziehen. Aber gut…

      • donpozuelo permalink*
        1. Februar 2018 22:37

        Der Zahnbohrer war wirklich schon ziemlich eklig. Das stimmt. Und ja, ich kann auch deine 9,5 von 10 nachvollziehen. Für mich hat’s gerade am Ende halt einfach ein bisschen gehapert. Ihn nur mit 3 von 10 zu bewerten, finde ich auch hart – aber gut, jedem seine Meinung.

    • donpozuelo permalink*
      1. Februar 2018 22:36

      Danke! Finde ich auch, zum Ende nimmt der einfach ab.

Trackbacks

  1. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Der beste Film des Jahres? | Ma-Go Filmtipps
  2. 6 Meilen durch die Schneehölle | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: