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Ein Oscar für ein Pferd?

26. Januar 2018

Jede gute Serie erlaubt sich irgendwann in ihrer Laufzeit mal den Spaß, ein bisschen mit dem üblichen Konzept zu spielen. Das sind dann Folgen, die sehr im Gedächtnis bleiben (egal, ob nun positiv oder negativ). Für mich sind das zum Beispiel die Bermuda-Dreieck-Folge bei „Akte X“, die Fliegen-Folge bei „Breaking Bad“ oder die „Stumm-Folge“ bei „Buffy“. Eine ähnliche Folge hat auch die dritte Staffel von „Bojack Horseman“ zu bieten (also eine stumme Folge), doch darüber hinaus liefert „Bojack 3“ auch noch einiges mehr.

Bojack (Will Arnett) ist auf Promo-Tour für seinen Film „Secretariat“, einen Film für den er in seinen Augen gar kein Lob verdient hat, da er ja in Staffel 2 erfahren musste, dass er digital ersetzt wurde. Dennoch versucht seine neue Agentin alles, um Bojack den Oscar zu besorgen. Doch das Leben ist für Bojack nicht leicht und Oscar-Hoffnungen werden bald von anderen Problemen um ihn herum gehemmt. Dazu kämpfen Diane (Alison Brie) und Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) mit dem Eheleben und Princess Carolyn (Amy Sedaris) wagt den Sprung in die Selbstständigkeit.

Horse Lost in Translation

Staffel 3 war harter Tobak… aber bevor ich dazu komme, kurz zu DER einen etwas anderen Folge der Staffel: Die Unterwasser-Folge (Folge 4) war spitze. Bojack soll bei einem Unterwasser-Film-Festival eigentlich seinen Film promoten, gerät aber auf Abwege und muss sich um ein Seepferd-Baby kümmern. Die ganze Zeit über sagt in dieser Folge niemand ein Wort, denn Fisch versteht Bojack nicht und unter seiner Atem-Glas-Kugel kann er auch nichts sagen. Eine schöne Stumm-Folge, die auf sehr stille Art und Weise zeigt, wie viel Herz doch in dieser nach wie vor sehr schrullig aussehenden Serie steckt.

Doch auch der Rest der Staffel zeigt das. Spannend sind hier dann auch wirklich mal die Geschichten der „Nebencharaktere“ (also die neben Bojack), die viel stärker wirken als noch in Staffel 2. Hier werden dann die wirklich harten Probleme des Lebens thematisiert, die Ängste vor einer Selbstständigkeit, Zukunftsängste, Lebensplanungen, etc. Allgemein schildern die Probleme von Diane, Todd, Mr. Peanutbutter und Princess Carolyn mehr die wirklich nachvollziehbaren Themen für uns Normalsterbliche. Bojack ist ja doch schon zu abgehoben, um sich daran noch orientieren zu können.

Weswegen die Macher sich wohl auch gedacht haben: „Wir reißen unsere Ikarus aus dem Himmel und lassen ihn knallhart auf die Erde fallen!“ Und wow, die letzten drei Folgen der Staffel hauen sowohl Bojack als auch dem Zuschauer ordentlich in die Magenkuhle. Todd (Aaron Paul) konfrontiert endlich Bojack, was allein schon ein kleiner Meilenstein für diese Beziehung ist. Doch dann kommt der an „Fear and Loathing in Las Vegas“ erinnernde Drogentrip in der vorletzten Folge, in der Bojack mit seiner einstigen Sitcom-Partnerin Sarah Lynn (Kristen Schaal, ja, die Kristen Schaal aus „Gravity Falls“) auf Tour geht, um sich bei den Menschen zu entschuldigen, die er verletzt hat. Erst einmal eine witzige Folge, die langsam mehr und mehr in den Abgrund rutscht und einen mit pochendem Herzen und einen unheimlichen letzten Bild zurücklässt. Und dann hätten wir da die letzte Folge, die unseren Pferde-Freunde komplett am Abgrund sieht.

In diesen letzten drei Folgen zeigt sich Staffel 3 wirklich von seiner herausragenden Seite und beweist einmal mehr, dass diese Serie über ein Pferd so viel mehr ist als nur eine Animationsserie über ein Pferd.

Mich hat das alles echt ziemlich geplättet und ich brauchte erst einmal einen Spaziergang an der frischen Luft. „Bojack Horseman“ ist eine Serie, die wirklich faszinierend ist, weil sie so erschreckend ehrlich ist und die Abgründe von Menschen und Beziehungen aufzeigt. Natürlich haben das auch schon andere Serien vor „Bojack“ gemacht, aber gerade weil die Serie den abstrakten Weg in einer Welt von Tieren und Menschen wählt, bringt das die Botschaft irgendwie noch ein bisschen härter zur Geltung. Man meint, man könne sich ein wenig von all dem lösen, eben weil es ein lustig animiertes Pferd ist, aber man schafft es dann doch nicht. Wir leiden mit diesem lustig animierten Pferd und es tut weh.

Wertung: 9 von 10 Punkten (harter Tobak in einer Welt, wo Pferde für den Oscar nominiert werden können)

3 Kommentare leave one →
  1. 24. Juni 2018 17:16

    Nochmal danke für den BoJack Tipp! Auch wenn ich dritte Staffel nun etwas schwächer fand, bleibt es eine überraschend starke und tragische Serie!

    • donpozuelo permalink*
      26. Juni 2018 10:01

      Freut mich sehr, wenn dir Bojack auch so gut gefällt… bin gespannt, was du von Staffel 4 hälst. 😀

Trackbacks

  1. Die Tochter des Pferdes? | Going To The Movies

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