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Vertraue keinem Fremden!

22. Januar 2018

Eigentlich könnte diese Aussage gefühlt auch aus dem Intro einer „Akte X“-Folge stammen. Denn wenn die Serie uns eins gelehrt hat, dann die Tatsache, dass wir am besten niemandem vertrauen sollten. Schließlich könnte jeder Teil der Verschwörung sein, schließlich könnte uns jeder was Böses wollen. Doch nicht nur „Akte X“ hat die Paranoia in uns geweckt, sondern gefühlt auch jeder postapokalyptische Film, der jemals ins Kino kam oder jede Serie, die uns vom Ende der Welt erzählt. Wenn die Menschheit irgendwann untergeht, überlebt man am besten, in dem man möglichst misstrauisch ist und einfach keinem Fremden jemals wieder vertraut. Wenn alles hart auf hart kommt, gilt die Devise: „Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Und doch gibt es in solchen Filmen und Serien immer wieder Menschen, die trotzdem vertrauen schenken wollen… und auch dann geht das mit der Paranoia wieder los. Wie jetzt zuletzt gesehen in „It comes at night“.

Paul (Joel Edgerton), seine Frau Sarah (Carmen Ejjogo) und ihr Sohn Travis (Kelvin Harrison Jr.) haben es irgendwie geschafft, den Ausbruch eines gefährlichen Virus zu überleben, der das Leben auf der Erde so gut wie zerstört hat. Die kleine Familie hat aber – dank strenger Regeln und einem abgeschiedenen Haus mitten im Wald – ihr Überleben sichern können. Doch dann taucht eines Tages ein Fremder auf – Will (Christopher Abbott) – der angeblich auf der Suche nach Vorräten für sich und seine kleine Familie ist. Nach langem Hin und Her überzeugt Sarah ihren Mann, dass es doch gut wäre, Will und seine Familie einziehen zu lassen. Paul willigt ein… und lädt so am Ende doch die Paranoia ein.

„It comes at night“ ist mal wieder so einer dieser Horror-Filme, der mit sehr viel Vorschusslorbeeren daher kommt. Und das in einem Sub-Genre, das eigentlich gefühlt komplett ausgelutscht ist. Ganz ehrlich, so wirklich kann man doch mit diesem „Letzte Überlebende“-Thema auch kaum noch jemanden ins Kino locken. Dachte ich mir auch und trotzdem bin ich neugierig genug ins Kino gegangen. Denn der Trailer mit dieser roten Tür (die mich immer ein wenig an „American Beauty“ erinnert hat) sah schon verdammt viel versprechend aus. Dennoch muss ich am Ende sagen, dass mich „It comes at night“ jetzt nicht vom Hocker gerissen hat.

Es ist ein guter Film, solide, aber für mich ragt der aus der Vielzahl ähnlicher Filme einfach nicht wirklich hervor. Regisseur Trey Edward Shults, der auch das Drehbuch geschrieben hat, baut die Paranoia gut auf. Mit kleinen Fehlern in seiner Geschichte sorgt Will dafür, dass nicht nur Paul, sondern natürlich auch wir als Zuschauer an ihm zweifeln. Es ist schon spannend zu sehen, wie diese kleine Gemeinschaft sich nach und nach doch selbst zerfetzt – und zerfetzen trifft es eigentlich ziemlich gut. Also gerade das Ende von „It comes at night“ liefert einem echt einen harten Schlag in den Magen.

Wirklich interessant an „It comes at night“ ist aber doch die Tatsache, dass Shults aber nicht nur einen blossen Survival-Film mit der üblichen Paranoia inszeniert. Nein, weil er Sohnemann Travis in den Vordergrund stellt, bekommt der Film noch eine andere Ebene: eine mystische Ebene, durch die verrückten und ziemlich brutalen Visionen, die Travis in seinen Träumen hat. Hier kommt dann aber auch der Punkt, an dem mich der Film ein bisschen verwirrt hat: Da wird mir die ganze Zeit suggeriert, diese Visionen hätten eine Bedeutung, aber entweder ist mir diese Bedeutung entgangen oder ich habe sie nicht verstanden oder was auch immer, doch so ein bisschen fand ich die Visionen verspielt. Es waren gute Schockmomente, die auch wieder mehr angedeutet als gezeigt haben und somit wird die bedrohliche Atmosphäre des Films noch mehr gesteigert.

Das ist eine Sache, die „It comes at night“ wirklich gut. Der Film ist bedrückend und schwermütig. Man spürt die Paranoia, man spürt die Gefahr und weiß eigentlich von Anfang an, dass diese kleine Gemeinschaft keine gute Zukunft haben wird. Trotzdem füttert der Film mir zu viele Geheimnisse, die nie wirklich aufgelöst werden.

„It comes at night“ ist gute, spannende und solide Unterhaltung – sticht aber auch nicht sonderlich aus dem Riesenpott an postapokalyptischen Thrillern heraus.l

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich wäre definitiv nichts für die Welt nach dem Untergang 😉 )

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