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Ärger im Familien-Urlaub

15. Januar 2018

Ich bin jetzt mal so frei und sage, dass Liam Neesons „96 Hours“ ein Grundpfeiler dieses Blogs ist. Klingt jetzt richtig abgedroschen, ich weiß, aber wer sich mal die Mühe macht, in der Zeit (oder halt im Archiv dieses Blogs) zurück zu reisen, der wird sehen, dass am 03. März 2009 zwei Filme den Anfang dieses Blogs darstellten: zum einen „The Wrestler“, zum anderen eben „96 Hours“ mit Liam Neeson. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich in der Bibliothek an einem Rechner saß und den sehr, sehr kurzen Text einfach direkt bei WordPress eintippte. Da war ich noch weit entfernt von ewig langen Einleitungen und Texten, die mich dann doch ein bisschen mehr Zeit als nur 10 Minuten kosten. Aber ich schweife vom Thema ab (wie so oft): Liam Neeson gebührt auch ein wenig die Ehre, diesen Blog mitbegründet zu haben. Immerhin fand ich „96 Hours“ damals so verdammt gut, dass ich es unbedingt teilen wollte. Um Neeson zu ehren, habe ich mich jetzt mal den anderen „96 Hours“-Filmen gewidmet – und den Anfang macht da jetzt „96 Hours – Taken 2“.

Bryan Mills (Neeson) ist beruflich in Istanbul, als er dort von Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) und Tochter Kim (Maggie Grace) überrascht. Doch die Freude über den Familien-Urlaub wird je zerstört, als Murad (Rade Serbedzjia) auftaucht und Mama und Papa Mills entführt. Er hat immerhin noch ein Hühnchen mit Bryan zu rupfen, hat der doch seinen Sohn und andere Mitglieder seines Dorfes getötet: denn Murad ist der Kopf der albanischen Menschenhändler, die einst Kim entführten.

Tja, „96 Hours – Taken 2“. Ich könnte mich jetzt wieder über den Titel aufregen, der jetzt zusätzlich noch verlängert wird, in dem man dem dummen deutschen Titel (der jetzt auch gar keinen Sinn mehr macht, denn im ersten Teil hatte Mills 96 Stunden um seine Tochter zu finden, jetzt ist er halt verschwunden – ohne Zeitlimit) noch den Original-Titel beifügt. Liest sich ja auch gleich viel schöner: „96 Hours – Taken 2“. Naja, aber ich will mich darüber nicht aufregen, wenn wir doch noch den ganzen „wunderbaren“ zweiten Teil vor uns haben.

„Taken 2“ (ich bleibe jetzt mal etwas kürzer) ist so ein Sequel, das eigentlich wieder kein Mensch gebraucht hat. Aber das Filmgeschäft ist nun einmal genau das: Ein Geschäft. Und deswegen muss jeder unerwartete Erfolg ordentlich ausgeschlachtet werden. Wenn auch mit einer sehr dürftigen Story. Gut, immerhin haben sich die Drehbuchautoren noch so halbwegs Gedanken gemacht und an und für sich ist die umgekehrte Rache-Story ja auch eine interessante Idee. Schließlich haben auch böse Schurken Kinder und wenn die jemand tötet, werden auch böse Schurken wütend auf den Killer. Also an und für sich eine spannende Idee, aus der man etwas hätte machen können. Denn die umgekehrte Rache-Story wird schnell einfach wieder die Bryan-Mills-Show – der hier aber mehr durch das Zählen von Minuten und dem Sich-Merken von Geräuschen brilliert.

Dieser Film braucht so seine Zeit. Während Teil 1 echt schnell zur Sache kam, lässt sich Regisseur Oliver Megatonne (oder Olivier Megaton im wahren Leben) echt viel Zeit, in der eigentlich nicht viel spannendes passiert. Mills fährt ein bisschen wild, dann kämpft er und dann gibt er erst einmal den Staffelstab an Töchterchen Kim an.

Hier wird der Film dann wirklich etwas absurd: Die Gute rennt auf Anweisungen von Daddy (der ja bei der Fahrt in sein Verlies mitgezählt hat – weil ihm leider die Augen verbunden waren) quer durch Istanbul und wirft fröhlich mit Granaten. Anhand der Explosionen weiß Papa dann, wie weit sie noch entfernt ist. Äh, ja. Okay, laufen wir also einfach mal fröhlich und kreuz und quer durch eine Riesenmetropole, werfen mit Granaten und kein Mensch kümmert sich so wirklich drum. Ja, das ist Film-Logik, die auch nur dort so funktioniert.

Genauso wie die Tatsache, dass Kim, die schon mehrmals durch die Fahrprüfung gefallen ist, auf einmal nach Papas Anweisungen mit einem geklauten Taxi in den kleinsten Gassen die gewagtesten Manöver durchführen kann, um am Ende die Umzäunung der amerikanischen Botschaft zu durchbrechen (und anstatt dort sofort durchlöchert zu werden, reicht ein Anruf und alles ist wieder in Butter). Ganz ehrlich, warum man Maggie Grace jetzt so in den Vordergrund rücken musste – als taffe Tochter, die nur ein bisschen Führung braucht, ist mir unverständlich. Man möchte doch meinen, dass sie nach allem, was sie erlebt hat, immer noch in Therapie sitzen und tierische Angst vor dem Reisen haben müsste. Aber nö, die macht Papa alle Ehre und zerstört halb Istanbul.

„Taken 2“ ist einfach keine gute Fortsetzung. Die Action-Sequenzen sind zwar auch hier nicht schlecht, aber der Rest ist es umso mehr. Es ist halt alles extrem gewollt und wirkt etwas albern… obwohl ich dabei bleibe, dass es ein guter Film hätte werden können, ein Film, der die Perspektive der Rache mal einfach umdreht. Aber naja… bleibt mir jetzt nur noch die Freude von „96 Hours – Taken 3“ 😀

Wertung: 4 von 10 Punkten (sollte Maggie Grace jetzt noch ein Spin-Off kriegen, dann weine ich)

4 Kommentare leave one →
  1. 15. Januar 2018 09:22

    Ich muss ja zugeben, dass mir der zweite Teil noch recht gut gefallen hat, der dritte Teil dann aber doch noch einmal ziemlich abbaut.

    • donpozuelo permalink*
      15. Januar 2018 14:01

      Ja, Teil 3 war wirklich furchtbar. Das ist einfach nur „Auf der Flucht“ in schlecht. Durch den musste ich mich noch sehr viel mehr quälen 😀

  2. 16. Januar 2018 11:23

    Bin ja eigt für jeden Actionschmarrn zu haben. Aber nach diesem mageren Teil habe ich nicht mal ein Fünkchen Interesse daran, noch den dritten zu schauen. Und das will was heißen.

Trackbacks

  1. Papa auf der Flucht | Going To The Movies

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