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Vergiss ihren/seinen Namen nicht!

12. Januar 2018

Um wirklich fair zu sein, dürfte dieser Beitrag nur aus einem einzigen Satz bestehen. Denn ich möchte euch das Vergnügen nicht versauen, den folgenden Film in vollen Zügen zu genießen. Eigentlich müsste ich nur schreiben dürfen: „Guckt euch diesen Film an!“ Schließlich ist das selbst für mich mal wieder ein Film gewesen, über den ich eigentlich kaum was wusste. Ich kannte die Grundprämisse, mehr nicht. Gut, ich wusste noch, dass die Leute, die ihn schon gesehen hatten auch nur meinten: „Guck dir diesen Film an!“. Die Vorschusslorbeeren waren zahlreich, der Hype enorm, aber ich kann mich all dem nur anschließen. „Guckt euch diesen Film an!“ und verzichtet darauf, zu viel vorab zu lesen. Deswegen werde ich es zwar nicht bei diesem einen Satz belassen (was ich ja schon vor ein paar Sätzen aufgegeben habe), aber ich werde mich spoilerfrei durch diesen Beitrag winden und euch einfach nur sagen, was für eine wunder-, wunder-, wunderschöner Film „Your Name“ ist. So, jetzt ist der Titel auch endlich raus 🙂

Zum Inhalt will ich wirklich nur das sagen, was ich auch wusste: In dem kleinen, beschaulichen Städtchen Itomori lebt das junge Mädchen Mitsuha, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dem Land und den Traditionen ihrer Großmutter und ihrer Religion zu entkommen. Sie will nach Tokyo! Und eines Tages erfüllt sich auf merkwürdige Weise dieser Wunsch: Sie wacht im Körper von Taki auf, ein Junge aus Tokyo, der wiederum in Mitsuhas Körper aufwacht. So geht das eine ganze Zeit, die zwei kommunizieren über Notizen mit einander und schaffen sich so Regeln für ihr merkwürdiges Zusammenleben. Doch dann – eines Tages – bricht der Kontakt zwischen den beiden ab und Taki versucht herauszufinden, warum.

Nicht täuschen lassen, der Film ist mehr als Junge trifft Mädchen

Okay, ich habe gelogen. Ich habe jetzt doch mehr geschrieben, als ich wusste. Ich wusste eigentlich wirklich nur, dass „Your Name“ so etwas wie eine Körper-Tausch-Geschichte sein sollte, aber ich wollte mit der Tatsache, dass das irgendwann nicht mehr der Fall ist, einfach schon mal darauf hinweisen, dass „Your Name“ so sehr viel mehr ist. Die ganze Körper-Tausch-Sache beläuft sich auf die ersten 40 Minuten des Films, die restliche Stunde gibt es was anderes (mehr sage ich dazu aber nicht)!

Der Körper-Tausch-Aspekt ist unheimlich witzig geworden, albern, aber charmant sympathisch – mit einem Taki, der von den Brüsten Mitsuhas immer etwas zu abgelenkt ist, egal, wie oft er in ihrem Körper aufwacht. Und mit einer Mitsuha, die Takis Liebesleben sehr viel besser voran treibt, als er das jemals gekonnt hätte. In den ersten 40 Minuten ist „Your Name“ einfach nur gute Unterhaltung, die vor allem auf Spaß aus ist. Es geht dabei um eine etwas andere Coming-Of-Age-Story, es geht darum, wie sehr man sich als Jugendlicher doch manchmal wünscht, seinem Alltag zu entkommen. Es geht darum, dass das Gras auf der anderen Seite immer so viel grüner erscheint. Regisseur und Autor Makoto Shinkai fängt dieses Gefühl, diese Sehnsucht nach Neuem perfekt ein – und macht selbst aus dieser Körper-Tausch-Geschichte schon etwas absolut sehenswertes. Gerade weil seine beiden Protagonisten einfach nur sympathisch und sehr schön nachvollziehbar sind. Denn irgendwann hat man als Jugendlicher mal genau so gedacht: „Ich will hier raus!“, „Ich will was anderes!“ Das gelingt „Your Name“ einfach wunderbar.

Aber das Großartige an „Your Name“ ist, dass das nur die Einleitung für eine viel spannendere Geschichte ist. Die Verbindung zwischen Taki und Mitsuha kommt nicht von ungefähr… und ab hier halte ich meine Klappe. Nur so viel: „Your Name“ gewinnt durch den „Twist“ so viel mehr an Kraft, aus einer „simplen“ Körper-Tausch-Komödie wird eine Geschichte über Schicksal, über Vorherbestimmung, über Verbundenheit, über Liebe. Es ist eine spannende und packende und spirituelle Geschichte, die Makoto Shinkai da erzählt, die bewegt und einen bis zum Schluss mitfiebern lässt. Einfach nur toll!!!

Dazu muss man sagen, dass „Your Name“ einfach nur schön aussieht. Neben der faszinierenden Geschichte schwelgt Makoto förmlich in wunderschönen Bildern in prächtigen Farben. Ob nun das ländliche Itomori (in das ich persönlich viel eher ziehen wollen würde als nach Tokyo, aber ich bin ja auch schon ein alter Sack) oder das überfüllte Tokyo – Makoto Shinkai lässt das alles in tollen Bildern aufleben (und toller Musik – es gibt Passagen, da bleibt der Film stumm und lässt sich von der Musik tragen und auch das sind einfach nur schöne Momente in diesem wundervollen Film).

Es ist eine Schande, dass dieser Film nur an genau zwei Tagen in ausgewählten Kinos gezeigt wird. Aber wenigstens kommt der schon im Mai auf DVD raus. Und es ist noch eine größere Schande, dass sich Hollywood gleich wieder anmaßt, daraus eine Real-Verfilmung machen zu wollen. Federführend ist niemand Geringeres als J.J. Abrams, aber ich glaube nicht daran, dass er die Essenz dieses Films einfangen wird. Aber naja, wir werden sehen…

Auf jeden Fall bleibe ich bei dem einen Satz, aus dem diese Kritik eigentlich nur hätte bestehen sollen: „Guckt euch ‚Your Name‘ an!“.

Wertung: 10 von 10 Punkten (schon gleich so früh im neuen Jahr ein echtes Highlight – kann gerne so weiter gehen)

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One Comment leave one →
  1. 13. Januar 2018 10:18

    Es geht darum, dass das Gras auf der anderen Seite immer so viel grüner erscheint.

    Ich sehe offen gesagt nicht, wie das auf Taki zutrifft. Als angehender Architekt lernt er die Landschaft und Stadt von Itomori sicher schätzen, aber ich habe auch nach drei Sichtungen selbst nicht den Eindruck, dass er in Mitsuhas Körper etwas findet, was ihm in Tokyo fehlt (außer die Bindung zu ihr selbst). Sie selbst hingegen genießt den Körpertausch sicher mehr, äußert ja auch ihre Unzufriedenheit mit dem ländlichen Leben. Aus welchen Szenen hast du denn abgelesen, dass Taki „raus“ und „etwas anderes“ will?

    Vollends zustimmen zu der Äußerung, dass der Film so viel mehr Kraft aus dem Twist gewinnt, kann (oder mag) ich auch nicht. Ich glaube, Shinkai hätte ihn auch als reine Körpertausch-Komödie, in der beide Figuren lernen müssen, ihr eigenes Leben und das, was sie haben, mehr wertzuschätzen, während sie gleichzeitig reifen, zu Ende erzählen können. Der Twist gibt dem Film natürlich eine andere Dynamik und ich verurteile ihn auch nicht, sondern war positiv von ihm überrascht, da ich ihn auch nicht erwartet hatte (bin mit demselben Vorwissen in den Film gegangen wie du). Für mich waren aber auch die ersten 40 Minuten schon hervorragend und der Film nicht erst toll, als er zur Hälfte der Laufzeit plötzlich in eine andere Richtung kippt.

    Dass er scheinbar nur 2 Tage in Deutschland im Kino läuft (bundesweit überall so?) überrascht jetzt nicht enorm, da hierzulande Anime ja nicht allzu populär sind, selbst Ghibli-Filme sind bei uns keine wirklichen Kassenschlager (Chihiros Reise ins Zauberland lockte seiner Zeit keine 500.000 Leute ins Kino). Dass ihn hier jetzt nach 2 Jahren überhaupt jemand zu sehen kriegt, ist im Prinzip schon beachtlich genug (allerdings hinsichtlich eines möglichen Einspielergebnisses, das sich rentiert, auch etwas sinnfrei).

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