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Auf der Suche nach Gott

20. Dezember 2017

Ich trommel jetzt noch einmal die Werbetrommel Garth Ennis‘ und Steve Dillons Comic-Reihe „Preacher“. Die abgeschlossene Reihe (es gibt sechs sehr schicke Sammelbände dazu) erzählt von einem Priester, der die Macht des Wortes Gottes bekommt (durch das Wesen Genesis) und erfährt, dass Gott den Himmel verlassen hat. Gemeinsam mit einem Vampir und seiner Freundin macht sich eben dieser Priester auf den Weg, um Gott zu finden. Die Comic-Reihe besticht durch einen extrem fiesen Humor, der sich vor allem gegen die Religion und die Leichtgläubigkeit richtet. Die Welt von „Preacher“ ist eine eklige Welt voller widerwärtiger Menschen – ein klares Zeichen, dass Gott nicht mehr da ist. Die Welt von „Preacher“ ist aber auch unglaublich faszinierend, weil Ennis und Dillon sie so wunderbar aufgebaut haben. Die „Preacher“-Reihe ist wirklich gelungene Unterhaltung. Weswegen ich mich ja immer sehr gegen die Serien-Adaption gewehrt habe. Doch Staffel 1 von „Preacher“ war wirklich verdammt gut, was vor allem an der Besetzung lag. Dominic Cooper ist ein lässig-cooler Preacher, Ruth Negga eine noch coolere Tulip (seine Freundin) und Joseph Gilgun als Vampir Cassidy einfach nur spitze!

Jetzt habe ich nach Staffel 1 natürlich gleich Staffel 2 gesuchtet, die nun mehr den Comics folgt: Jessie Custer (Cooper) ist auf der Suche nach Gott. Und den vermuten sie New Orleans. Doch mit ihrer Suche sind Jessie, Tulip und Cassidy nicht allein. Der Saints of Killers (Graham McTavish) ist dem Priester immer noch dicht auf der Spur – und ein neuer Gegner betritt ebenfalls die Bühne: der ruchlose Herr Starr (Pip Torrens), ein Mitglied der Organisation „Grail“, die ihre eigenen Pläne mit Jesse Custer haben.

Kuscheln mit Priester

Staffel 2 von „Preacher“ schließt eigentlich wirklich gut an die erste Staffel an. Klar, die Charaktere sind jetzt gut etabliert und endlich kann die große Suche nach Gott beginnen. Da ist es auch gut, dass schon jetzt – im Vergleich zu den Comic relativ früh – die Organisation Grail und Herr Starr eingeführt worden sind. Das passt zu der Art und Weise, wie Sam Catlin, Seth Rogen und Evan Goldberg die Geschichte für die Serie erzählen. In den Comics erfahren wir zu diesem Zeitpunkt erst einmal sehr viel mehr zu Jesse Custers Vergangenheit, wie seine Eltern waren, wie er bei seiner furchtbaren Großmutter unter Qualen aufwuchs. In der Serie wird das bislang nur angedeutet, doch der Cliffhanger von Staffel 2 lässt sehr stark vermuten, dass es in „Preacher“ Staffel 3 mehr um Jesses Vergangenheit gehen wird – eine Episode in den Comics, die ich unheimlich gut fand und die wichtig ist, weswegen die Serie sie demnächst auch dringend braucht.

Dennoch bleibe ich dabei, gerade Starr hat jetzt gut in die Serie gebracht und das Schöne ist, dass die Serie fast nichts von seinem herablassenden, ekligen Wesen aus den Comics ignoriert. Pip Torrens spielt ihn soooo gut, es ist wirklich unglaublich. Also gerade bei den Darstellern ist „Preacher“ wirklich so penibel und präzise an den Bücher, da verschmerzt man dann gerne die Eigenkreationen der Serie (obwohl ich Starrs „Origin“ wirklich sehr unterhaltsam fand).

So sehr ich die Suche nach Gott in Staffel 2 auch mochte, hier und da schwankte doch auch mal mein Interesse. Ich weiß zum Beispiel noch nicht so ganz, wie ich die ganze Story mit Eugene „Arseface“ (Ian Colletti) wirklich finden soll. Die war schon sehr gestreckt (und übrigens vollkommen neu für die Serie erfunden – denn ein Hitler [Noah Taylor] taucht in den Comics nicht auf). Dass Eugene eine noch größere eigene Story bekommt, ist zwar nett, lenkt aber ein bisschen von der Suche nach Gott ab.

Vollkommen überflüssig fand ich Denis (Ronald Guttman), der alte Sohn von Cassidy (ebenfalls für die Serie geschaffen). Die ganze Geschichte hat mir überhaupt nicht gefallen. Cassidys Rolle hat sie nicht wirklich weiter gebracht. Dafür finde ich bei ihm ganz interessant, wie sie in der Serie seine Beziehung zu Tulip aufbauen. In den Comics ist sie ja extrem verschossen in Jesse und Cassidy entwickelt erst etwas später Gefühle für sie. Das dreht die Serie gerade jetzt in Staffel 2 einfach mal um. Tulip entfernt sich gefühlt mehr und mehr von Jesse und Cassidy findet mehr zu ihr. Eine interessante Entwicklung, die sich in Staffel 3 sicherlich noch weiter verstärken könnte.

„Preacher“ Staffel 2 geht weiterhin auf guten Wegen, auch wenn es hier und da ein paar Stolpersteine gibt. Doch dank der tollen Besetzung und der Tatsache, dass sich die Serie nicht davor scheut, den fiesen Humor der Comics beizubehalten ist, ist auch Staffel 2 sehr zu empfehlen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Gott liebt Jazz, wer hätte das gedacht?)

6 Kommentare leave one →
  1. 10. Januar 2018 21:04

    Das ist ja interessant mal zu lesen, was die Unterschiede zwischen Serie und Comics sind. Nach Staffel eins habe ich danach gesucht, nach der zweiten Staffel dieses Mal nicht.
    Das mit Eugene und Hitler fand ich eigentlich sehr gelungen. Auch alleine die Darstellung der Hölle etc. Auch das mit Denis fand ich ganz gelungen, wenn auch etwas vorhersehbar und konventionell im Gegensatz zum Rest der Serie. Da sind unsere Geschmäcker doch mal etwas anders gepolt 😉
    Womit ich aber große Probleme hatte, war Tulips Storyline und ich empfand die Staffel etwas behäbig.

    • donpozuelo permalink*
      11. Januar 2018 08:59

      Ja, die Hölle war wirklich interessant, obwohl ich auf Hitler echt hätte verzichten können. Aber ich bin mal gespannt, ob sie sich jetzt bei Eugene wieder mehr an den Comics orientieren. Dazu wäre jetzt quasi die perfekte Gelegenheit in Staffel 3.

      Tulip war, zugegeben, wirklich etwas schwierig. Überhaupt finde ich, dass sie die Beziehung zwischen ihr und Jesse sehr viel härter darstellen als in den Comics. Da sind die ja wirklich fast ein Herz und eine Seele (bis auf ein paar Ausnahmen).

      Und ja, Denis mochte ich gar nicht 😀

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