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Die Hutmacherin und der Zauberer

11. Dezember 2017

Ich beneide Hayao Miyazaki um seine große, große Fantasie – aber noch mehr um seine Fähigkeit, diese auch bildgewaltig wahr werden zu lassen. Ich liebe seine Familie, weil sie einen einfach jedes Mal in eine so wunderbare Welt eintauchen lassen, in der man sich einfach nur verlieren kann. Tausend kleine, wunderbare Details erschaffen Bilder, die man sich immer und immer wieder anschauen kann, ohne das einem jemals langweilig dabei wird. Und da ich ja mal vor Ewigkeiten die wunderbare Miyazaki-Box geschenkt bekommen und kann daher immer wieder in den Welten des Zeichentrick-Meisters schwelgen. Das habe ich jetzt mal wieder gemacht – mit einem Film, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe: „Das wandelnde Schloss“

Die junge Hutmacherin Sophie wird von der Hexe aus dem Niemandsland mit einem Fluch belegt, der sie in eine alte Frau verwandelt. Als solche flieht sie aus ihrer Stadt und trifft außerhalb nicht nur eine lebendige Vogelscheuche, sondern auch das wandelnde Schloss des Zauberers Hauro, bei dem sie als Putzkraft anfängt. Hier trifft sie auch auf Hauros Schüler Markl und den Feuerdämon Calcifer, der das wandelnde Schloss – ebenfalls wegen einem Fluch – antreibt… und erlebt mit, wie Hauro vom Kriegsgeschehen mehr und mehr eingenommen wird.

Ich muss gestehen, als ich „Das wandelnde Schloss“ das erste Mal gesehen habe, hatte mir der Film nicht so sehr gefallen. Nach Filmen wie „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ wirkt der Film so… so… anders. Dieses Kriegsthema, die Magie – all das hatte damals für mich nicht so einen schönen Flow, wirkte etwas harsch und die Story erschien mir so wirr, weil eigentlich nie jemand so wirklich klärte, was dieser Krieg jetzt soll, wer sich so wirklich warum bekriegt. Ich gebe zu, beim ersten Mal habe ich den Film einfach nicht verstanden. Der wirkte für mich nicht so rund in der Geschichte wie die vorangegangenen Filme des japanischen Regisseurs.

Und ja, auch heute tue ich mich, ehrlich gesagt, mit der Story von „Das wandelnde Schloss“ ein bisschen schwer. Die Geschichte von Sophie in diesen Wirren des Krieges ist mir auch heute noch ein bisschen zu schwammig. Gerade die ganze Sache mit dem Krieg. Sophies Geschichte und wie sie versucht hinter Hauros Geheimnis zu kommen und auch versucht, ihren eigenen Fluch zu lösen, ist schöner – und hätte meiner Meinung nach mehr noch im Vordergrund stehen können. „Das wandelnde Schloss“ ist storytechnisch der Miyazaki-Film, der mir am wenigstens gefällt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Miyazaki hier einen westlichen Stoff adaptiert. Ich weiß es nicht, aber so richtig zieht mich die Story nicht in diese Welt.

Das macht zum Glück die Welt dann von ganz allein. Und da sind wir dann wieder bei dem Punkt, wie wundervoll Miyazaki Welten erschaffen kann. Ich liebe diese Steam-Punk-Elemente mit diesen wunderbar skurrilen Flugschiffen, die wie Insekten durch die Luft schweben und ein bisschen an „Nausicaä“ erinnern. Und dann ist da natürlich noch das Titel gebende Schloss selbst, dass ich immer wieder toll finde. Schade nur, dass man zwar viel von außen sieht, aber so wenig von innen. Ich hätte gerne dieses Schloss an sich noch sehr viel intensiver erforscht. Dennoch ist es einfach toll. Und irgendwie ist es eigentlich auch ganz clever, dass Miyazaki nicht zu viel vom Schloss zeigt: denn Kopfkino ist immer nochmal besser als alles vorgesetzt zu bekommen. So darf sich jeder Zuschauer noch individuell sein eigenes wandelndes Schloss vorstellen.

Ebenfalls toll sind die Charaktere – und mein persönlicher Favorit ist (nicht schwer zu erraten, da bin ich mir sicher) der Feuerdämon Calcifer. Ich mag es jedes Mal, wie Miyazaki selbst solche „Sidekick“-Charaktere zu besonderen Wesen werden lässt. Die sind nie nur blosse Sidekicks, sondern erfülllen immer einen wichtigen Zweck. Calcifer finde ich toll. Aber natürlich sind auch die anderen Charaktere von Sophie über Hauro bis hin zur Hexe aus dem Niemandsland und Markl einfach nur schön gezeichnet.

Selbst wenn mich die Story nicht so hundertprozentig überzeugen kann, sind es doch einfach Miyazakis Fantasie-Welt und die Charaktere, die sie beleben, die „Das wandelnde Schloss“ so absolut sehenswert machen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (erzählerisch  nicht so stark, aber der Rest ist grandios wie immer)

4 Kommentare leave one →
  1. 19. Dezember 2017 18:53

    Mir hat das wandelnde Schloss tatsächlich bisher auch immer etwas weniger gefallen als viele andere Stoffe Miyazakis. Aber des gibt so begeisterte Lobeshymnen da draußen, dass ich mir immer dachte, dass mehr dahinter stecken muss – irgendwas, dass ich (noch) nicht sehe.Jetzt bin ich doch neugierig, ob er mir beim zweiten Sehen besser gefällt.

    • donpozuelo permalink*
      19. Dezember 2017 21:20

      Mir gefällt der auch weniger als Miyazakis andere Stoffe, aber er hat doch seine Wirkung auf mich. Auch wenn ich den Film nicht so häufig gucken würde wie andere Filme von ihm. Aber solltest du auf jeden Fall machen. Auch das wandelnde Schloss ist imer noch ein toller Film!

    • 7. Januar 2018 19:51

      Ist vielleicht auch echt ne Typfrage. Ich meine, ich mag gefühlt als einzige auf der Welt „Prinzessin Monoke“ nicht, liebe aber „Das wandelnde Schloss“ total. ❤

      • donpozuelo permalink*
        9. Januar 2018 09:15

        Kommt immer darauf an. Mononoke war halt mein erster Miyazaki, deswegen wird der Film immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

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