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Über dem Höllenschlund

6. Dezember 2017

Wir alle kennen das übliche Horror-Klischee, dass die blonde Schönheit im Cast möglichst knappe Röcke (gegebenenfalls sind auch Hot-Pants okay) tragen muss, eine kurze Sex-Szene hat und danach von Monster, Killer, was auch immer, ermordet wird. Natürlich nicht, ohne vorher schön zu kreischen… die Geburtsstunde der klassischen Scream-Queen. Die gleichnamige Serie „Scream Queens“ hat sich ja dieses Konzept genommen und es mal ein bisschen anders definiert. Doch wer das Ganze noch viel früher über einen Haufen geworfen hat, war Joss Whedon. Der dachte sich nämlich, was wäre wohl, wenn das blonde, hübsche Mädchen auf einmal zum richtigen Bad-Ass werden und zurückschlagen würde? So oder so ähnlich entstand dann wohl „Buffy – The Vampire Slayer“. Und da ich von der Serie wirklich eigentlich nur die Anfänge kenne, die ich als Junge leider viel zu sporadisch verfolgt habe, hole ich jetzt die ganze Serie einfach mal nach… was einem nicht besonders leicht gemacht wird, wenn man sich jetzt so die erste Staffel anschaut.

Buffy Summers (Sarah Michelle Gellar) zieht mit ihrer Mutter ins beschauliche Sunnydale, nachdem sie an ihrer alten Schule die Turnhalle niedergebrannt hat (um dort Vampire zu töten – denn Buffy ist die Vampir-Jägerin, deren Bestimmung es ist, Vampire zu töten – klingt doch logisch, nicht wahr?). Sunnydale soll nun also für etwas Ruhe sorgen, doch leider ist es damit schnell wieder vorbei. Durch den Bibliothekar Rupert Giles (Anthony Stewart Head), der gleichzeitig auch Buffys neuer Mentor und Trainer in Sachen Vampire-und-Monster-Töten ist, erfährt unsere junge Heldin, dass Sunnydale direkt über dem Höllenschlund liegt und ungewöhnliche Aktivitäten hier an der Tagesordnung sind. Die größte Bedrohung geht aber vom Meister (Mark Metcalf) selbst aus, ein Vampir-Meister, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Höllenschlund unter Sunnydale zu öffnen, um die Apokalpyse einzuläuten und so endlich wieder über die Erde zu herrschen. Zum Glück für Buffy ist sie aber nicht ganz auf sich allein gestellt. Neben Giles helfen ihr auch noch Xander (Nicholas Brendon), Willow (Alyson Hannigan) und der Vampir Angel (David Boreanaz).

Bei dem Gesicht hätte ich auch Angst

Zu keiner Show passt das Label „Monster of the Week“ besser als zu „Buffy“. Denn in die erste Staffel besteht nur daraus: in jeder Folge ein neues Monster, in jeder Folge ein neuer Feind, der irgendwie besiegt werden muss. Zugegebenermaßen tut sich die Serie in der ersten Staffel dabei ein bisschen schwer, so richtig in Fahrt zu kommen. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass ich das Ganze jetzt zum ersten Mal wirklich bewusst gucke – doch in der ersten Staffel braucht man noch sehr viel Geduld und Sinn dafür, die Sachen, die man hier so sieht, nicht zu ernst zu nehmen. Denn einige der Monster, gegen die die gute Buffy hier antreten muss, sind schon verdammt albern – ob es die riesige Gottesanbeterin ist; die Schüler, die aus irgendwelchen Gründen von Hyänen besessen sind (und sogar den Direktor der Schule auffressen) oder ein Dämon, der durch das Einscannen eines alten Textes erst im Internet landet und sich später einen schwerfälligen Roboter-Körper baut, die Kreaturen der ersten Staffel sind alle ein bisschen amüsant und weniger gruselig.

Doch schon hier merkt man, dass die Monster nicht einfach nur Monster sind. Whedon spielt gekonnt mit den Ängsten der Teenager und lässt seine Monster zu Metaphern für diese Ängste werden. So geht es dann auch nicht immer nur um die Monster an sich, sondern auch viel um das alltägliche Leben, die Sorgen, Nöte und Ängste, die das Leben an einer High School ohnehin schon zur Hölle werden lassen. Somit ist Sunnydale nichts besonderes… bis auf den Höllenschlund, über dem es steht. Und das alles macht „Buffy“ auch schon in seiner ersten Staffel unheimlich sympathisch.

Dazu kommt einfach, dass Whedon hier einfach mal wieder zeigt, das er ein perfektes Händchen für großartige Besetzungen hat. Ich meine, man schaue sich alle seine Serien an – ob nun „Firefly“, „Dollhouse“ oder jetzt halt „Buffy“: die Darsteller passen perfekt zu ihren Rollen und leben diese in all ihren Nuancen sehr feinfühlig und natürlich aus. Sarah Michelle Gellar ist eine umwerfende Vampir-Jägerin, Xander ein witziger, sympathischer Sidekick, der zum Glück aber auch so viel mehr sein kann als nur „comic relief“. Alyson Hannigan spielt die schüchterne, unscheinbare Willow mit genau dem richtigen Taktgefühl, dass durchscheinen lässt, dass diese stillen Wasser wirklich tief sind (und man durchaus noch mehr von ihr erwarten kann – auch wenn ihr Kleidungsstil mehr als nur fragwürdig ist). Und Anthony Stewart Head war schon damals einer meiner Lieblingscharaktere – etwas verschroben, ein bisschen verwirrt, irgendwie nicht von dieser Welt und dennoch sehr sympathisch und wissend – der perfekte Mentor.

Die erste Staffel „Buffy“ hat schon irgendwie alles, was man von einem Joss Whedon erwartet – auch wenn die Geschichten manchmal etwas sehr absurd sind, punktet Whedon doch immer wieder mit tollen Dialogen, seinem trockenen Humor und starken Charakteren, die einen auch gerne mal die schwachen Effekte, die etwas holperigen Kämpfe und den etwas langweiligen großen Bösewicht vergessen lassen (außerdem finde ich, sollte man jeder ersten Staffel seine Fehler ein bisschen verzeihen – es ist ja immerhin die erste Staffel)

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein holperiger, aber viel versprechender Anfang mit tollen Darstellern, die für vieles entschädigen)

15 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2017 09:14

    Da sind wir mal komplett auf einem Level, selbst was die Punkte angeht. Schon die erste Staffel bietet tolle Figuren und gute Unterhaltung, wirkt aber noch seeehr undefiniert und trashig. Wird in den kommenden Jahren ja deutlich besser. Viel Spaß noch damit! 🙂

    • 7. Dezember 2017 19:39

      Hatte einmal die ersten 4 Folgen begonnen, die waren grausig schlecht. Habe auch gehört ab Staffel 2 oder 3 soll die Serie langsam gut werden. Aber da hatte ich doch zu wenig Geduld, mich zuerst durch 20-40 schlechte Folgen kämpfen zu müssen. Buffy und Angel bleiben daher wohl „Bildungslücken“ in meiner TV-Vita.

      • 7. Dezember 2017 19:50

        Ich finde schon ab der zweiten Staffel (die erste hat nur 12 Episoden) wird die Qualität deutlich besser. Durch soo viel muss man sich da gar nicht durchkämpfen.

        • donpozuelo permalink*
          7. Dezember 2017 20:39

          Das stimmt. Staffel 2 ist schon viel besser. Obwohl ich auch zwischendurch bei Staffel 1 echt fast das Interesse verloren hätte. Bin das ja schon kaum noch gewohnt, eine Staffel mit nicht zusammenhängender Story zu gucken 😀

      • donpozuelo permalink*
        7. Dezember 2017 20:39

        Ja, man braucht tatsächlich ein bisschen Geduld, aber ich muss mal sagen, dass Staffel 2 doch schon sehr viel besser anläuft als noch Staffel 1 😀

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