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Die Liebe in Zeiten von AOL

1. Dezember 2017

Ich liebe Buchläden. Egal, in welcher Stadt ich mal zu Besuch bin, ich bleibe meistens in irgendeinem Buchladen hängen. Dabei ist es mir – und ja, Schande über mein Haupt – meistens auch egal, ob es sich um einen Laden einer großen Kette handelt oder ob es ein kleiner gemütlicher Laden. Hauptsache, es gibt eine gute Auswahl von Büchern. Dann kann man mich da absetzen und in drei Stunden wieder abholen. Doch natürlich ist es jetzt verwerflich von mir, keine Unterschiede zu machen – schließlich ist der kleine, gemütliche Laden viel persönlicher als der große. Aber in Zeiten von amazon und Co. ist mir alles Recht. Diesem Thema nimmt sich auch Nora Ephron in einem weiteren „Schnulzen-Klassiker“ an – „E-M@il für dich“ (da fand sich beim deutschen Verleiher sicherlich auch jemand verdammt cool, als er sich das mit @-Zeichen ausgedacht hat).

Kathleen (Meg Ryan) betreibt eine kleine Buchhandlung mit jahrelanger Tradition – sie hat den Laden von ihrer verstorbenen Mutter übernommen. Doch ganz in der Nähe eröffnet bald darauf ein riesiger Bücher-Mega-Store von Geschäftsmann Joe Fox (Tom Hanks). Natürlich hassen die beiden sich, immerhin bedroht er ihre Existenz. Was die beiden nicht wissen, ist, dass sie sich seit Wochen anonym per Mail unterhalten.

Ohne Mail geht’s auch

Meg Ryan und Tom Hanks sind wieder vereint. Nachdem sie sich in „Schlaflos in Seattle“ ja kaum zu Gesicht bekommen haben, gönnt ihnen Regisseurin Nora Ephron noch mal einen zweiten Film, in dem sie sich öfter sehen dürfen. Und jetzt spart sich Ephron auch nervige kleine Kinder (beziehungsweise frühstückt die zu Beginn des Films relativ schnell ab) und konzentriert sich darauf, die Liebe in Zeiten von AOL (und Kapitalismus) zu thematisieren. Dabei muss ich gestehen, dass ich „E-M@il für dich“ über weite Strecken sehr viel stimmiger fand als „Schlaflos“. Was auch viel daran liegt, dass dieser wunderbare E-Mails-verherrlichende Film sich nicht so extrem ins Kitschige drängen lässt.

„E-M@il für dich“ hat ein bisschen was von klassischer Screwball-Komödie, in der sich die beiden „Liebenden“ erst einmal so ordentlich Paroli geben, sich eigentlich hassen – frei nach dem Motto: „Was sich jetzt neckt und hasst, wird sich später unsterblich verlieben!“ Dabei dreht sich dann alles auch noch um ein aktuelles Thema: Die Verdrängung von Familien-Betrieben durch große Konzerne. Wer vermutet sowas schon in einer romantischen Komödie? Doch man darf sich davon jetzt auch nicht zu viel erwarten. Letztendlich ist dieser Kampf David gegen Goliath nur schmückendes Beiwerk, immerhin gewinnt am Ende „Goliath“ und „David“ freut sich mehr oder weniger drüber – nicht so ganz das, was in der Realität statt findet (zumindest freut sich „David“ eher weniger). Aber immerhin gibt es uns das viele Möglichkeiten zu sehen, wie sich Hanks und Ryan kabbeln.

Das ist putzig, weil die beiden einfach putzig sind. Sorry, mir fällt da einfach kein besseres Wort zu ein. Die beiden geben schon ein verdammt süßes Pärchen ab und den eiskalten Geschäftsmann kann ein Tom Hanks auch einfach nicht spielen. Da weiß man schon von vornherein, dass der gut ist, auch wenn er der „Goliath“ in diesem Film ist. Dabei muss ich mich auch jetzt bei „E-M@il für dich“ wieder fragen: Wieso sind die Verlassenen bei Nora Ephron immer so unfassbar cool drauf? In „Schlaflos“ räumt Bill Pullman lächelnd und freundlich den Platz und sagt seiner Meg Ryan, dass sie glücklich werden soll. Mehr oder weniger das Gleiche passiert jetzt in „E-M@il für dich“ mit Greg Kinnear, den Ryans Kathleen ja eigentlich schon hintergeht. Aber dann reden die kurz und sehen ein, dass sie sich beide eigentlich gar nicht lieben, lachen ein bisschen und alles ist in bester Ordnung. Entweder es hat noch nie jemand mit Nora Ephron richtig Schluss gemacht oder sie will in ihrem eigenen kleinen Film-Universum einfach nicht, dass Leute tiefe Trauer tragen. Ein bisschen verrückt, aber sie ist hier die Chefin und darf das wohl.

Und trotzdem: „E-M@il für dich“ für dich ist ein schöner Film – toller Soundtrack, niedliche Geschichte, ein gut funktionierendes Pärchen, mit dem man gut mitfühlt. Das ist schon eher ein „Schnulzen-Klassiker“, den man weiter empfehlen kann. Plus, es ist schon fast nostalgisch schön, das alte Fiepen und Piepen des Internet-Modems zu hören, wenn sich jemand ins Internet einwählt. Das waren noch Zeiten.

Wertung: 9 von 10 Punkten (heute würde das dann wohl „WhatsApp für dich“ heißen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 1. Dezember 2017 16:44

    Hatte dir ja neulich gesagt, dass ich den um einiges besser finde als den grauenhaften Seattle-Streifen, mit Stalker-Meg und dem Stiernackensohn. Die Charaktere hier sind einfach nicht so fürchterlich nervig und irgendwie funktioniert das alles viel besser. Sicher kein Meisterwerk aber im Liebeskomödienbereich auf jeden Fall mit oben dabei.

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2017 12:05

      Ich hatte dich quasi auch im Ohr, als ich den geguckt habe 😀 der ist schon wirklich sehr viel süßer als Schlaflos

  2. 10. Dezember 2017 12:15

    Ja, den fand ich auch sehr cool. Und ein Teil davon spielt glaube ich in der Weihnachtszeit, könnte ich echt auch mal wieder schauen.
    Und was die Verflossenen betrifft, hast du recht – das ist mir noch nie aufgefallen. Das geht bei denen im Film immer sehr einfach, ohne Tränen, große Dramen. Erstaunlich XD

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2017 17:02

      Ja. Absolut. Sehr weltfremd, fast schon Bollywood-like.

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