Zum Inhalt springen

Agent Orange

29. November 2017

Ich hänge mit den Marvel Netflix-Serien ein ganzes Stück hinterher. Eigentlich hatte ich mir ja brav vorgenommen, alle ordentlich hintereinander zu gucken. Doch nach „Daredevil“ Staffel 2 war für mich ein bisschen die Luft raus. Ich mochte „Daredevil“, weil er den Anfange gemacht hatte, aber schon mit „Jessica Jones“ war die Aufregung über die Mini-Superhelden aus New York schnell wieder verflogen. „Luke Cage“ habe ich nicht gesehen, weil es mich – ehrlich gesagt – nicht so wirklich interessiert hat: „Oh wow, seine Haut ist unzerstörbar.“ Hat mich nicht gereizt, auch wenn ich höre, dass der Schurke sehr gut sein soll. Dann kam „Iron Fist“, bei dem ich diesen mystischen Touch eigentlich mochte, bis die ganzen eher negativen Kritiken reinschneiten. Zu den „Defenders“ bin ich dann gar nicht erst gekommen – und ich will ehrlich sein, ich weiß nicht, ob ich das noch aufholen werden (es sei denn, jemand sagt mir hier und jetzt, dass es das alles wert ist).

Dennoch schreibe ich jetzt über eine Marvel Netflix-Serie – aber auf die habe ich mich auch sehr gefreut: „The Punisher“ mit Jon Bernthal in der Hauptrolle. Er war für mich ein Highlight in der zweiten Staffel von „Daredevil“ und ich mochte Bernthal in der Mini-Serie „Mob City“ und ja, ich mochte seinen Shane in „The Walking Dead“ ganz gerne. Jon Bernthal hat so etwas Rohes, Hartes in seinem Auftreten und in seiner Stimme, der ist ein guter Punisher. Einer, der eine eigene Serie verdient. Nur was Netflix ihm da liefert, wird Bernthals Punisher meiner Meinung nach nicht gerecht.

Was vor allem an der Story liegt: Frank Castle (Bernthal) ist untergetaucht, doch seine Vergangenheit beim Militär holt ihn ein, als eine junge Homeland-Agentin (Amber Rose Revah) versucht, den Mord an ihrem Partner aufzudecken, der undercover in Afghanistan gearbeitet hat. Unerwartete Hilfe bekommt Castle dabei von dem Whistleblower David „Micro“ Lieberman (Ebon Moss-Bachrach). Als Subplot gibt es dann noch ein bisschen Veteranen-Einblicke und die absolut unnötige Story von einem jungen Soldaten (Daniel Webber), der seinen traumatischen Erlebnissen erliegt und schreckliche Dinge anstellt.

Hoffentlich liest er meine Kritik nicht

Ich sage unnötig, weil die Story mit dem jungen Soldaten sich über ganze sechs Folgen streckt und eigentlich nur als Grundlage genutzt wird, um in Castles Vergangenheit blicken zu können. Zwar gibt es eine coole Folge, die „Rashomon“-mäßig aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, aber das war’s dann auch schon. Die Geschichte hat nicht besonders viel Tiefgang und ist eher extrem platt und plakativ. Öde einfach. Hätte man sich sparen können.

Nach den sechs Folgen kommt dann die „Agent Orange“-Story und das entwickelt sich zu eine Art Polit-Thriller mit extrem viel Gewalt. Problem dabei ist, dass diese zweite, größere Story nicht die Kraft hat, sieben Folgen zu tragen. Das hätte nicht einmal einen 90-Minuten-Film getragen, weil es – vorsichtig ausgedrückt – in der Welt des Punishers schon beinah belanglos wirkt. Der Mann ist bekannt dafür, einfach alles niederzumähen und dann ohne ein Schulterzucken weiterzugehen. Jetzt auf einmal hat er Gefühle.

Nicht das ich was gegen die Auslotung von sonst eher eiskalten Charakteren habe, aber bei „The Punisher“ sehe ich das gleiche Problem, wie mit den Wolverine-Filmen („Logan“ schließe ich jetzt mal gnädigerweise aus): Die haben alle versucht, diesem Haudrauf eine tiegründige und emotionale Story zu geben. Und haben am Ende nur herausgestellt, dass ein Wolverine besser im Team funktioniert. Das Gleiche trifft für mich auf den „Punisher“ zu. Das war mir zu viel posttraumatisches Stresssyndrom in einer Comic-Verfilmung, in der ich nur coole Action und wilde Schießereien erwarte.

Das gab es zum Glück dann auch, aber eben nicht ganz so, wie ich es mir erhofft hatte. Immerhin überzeugt Jon Bernthal absolut in der Rolle und ich mochte tatsächlich auch seinen Sidekick Micro und die Geschichte mit seiner Familie und allem Drumherum. Auf den Sack ging mir die Homeland-Agentin und diese ganze Liebelei mit Castles einstigem Freund und Kameraden („Westworld“-Schönling Ben Barnes).

Alles in allem war mir „The Punisher“ gut sieben Folgen zu lang. Die Story war einfach zu verkopft und viele der Charakter eben auch. Ich hätte mir mit „The Punisher“ eher eine schlichte Hau-Drauf-Serie gewünscht – gerne auch nur als Mini-Serie, um das Serien-Universum ein bisschen zu erweitern.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Bernthal ist gut, der Rest ist so lala)

4 Kommentare leave one →
  1. 8. Dezember 2017 19:02

    Die Sichtung steht bei mir noch aus, denn irgendwie hatte ich wenig Lust auf die Figur des Punishers. Obwohl ich Jon Bernthal sehr mag. Die Figur wurde mit zu konfus eingeführt in Daredevil Staffel 2. Aber irgendwann hole ich Punisher nach.

    Was den Rest angeht und diene Frage ob es sich lohnt … jein.
    Luke Cage fand ich persönlich sehr cool, weil es in seiner eigenen Welt mit eigenen Regeln spielt und den Afroamerikanern und dem black spirit eine richtig gute Plattform gibt. Es gibt einfach mal keine Weißen in dieser Serie und das ist gut so. Aber Iron Fist hat mich ganz kalt erwischt. Ziemlich verpfuscht, weil man zuviel wollte.

    Für mich hat es sich aber schon gelohnt, weil es ziemlich klasse ist wie in Defenders dann alle zusammentreffen und sich fiese Sprüche zuwerfen und rumrangeln dürfen. Aber die Geschichten bleiben auch dort ähnlich simpel und vorhersehbarer als es bei Daredevil und Jessica Jones war. Leider.

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2017 17:05

      Hmmm… ja. So ähnlich habe ich mir das fast schon gedacht. Naja… mal schauen, ob ich die Zeit noch finde, dass alles nachzuholen.

Trackbacks

  1. Krieg in Hell’s Kitchen | Going To The Movies
  2. The Real Sin City | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: