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Käuflich oder nicht?

27. November 2017

Ich habe jetzt ja mal angefangen, die „Schnulzen-Klassiker“ zu gucken – nachdem ich vor kurzem mal wieder „Harry und Sally“ geguckt habe und es draußen ja furchtbar kalt und dunkel ist. Das ist eine Zeit um entweder Horror-Filme zu gucken oder halt Schnulzen. Da ich schon genug Horror-Filme gesehen habe, war es mal Zeit für Schnulzen (obwohl: Kennt jemand eine gute Horror-Schnulze??? Das wäre doch mal was 😉 ). Mit „Schlaflos in Seattle“ habe ich angefangen, der war nett, aber so richtig gefesselt hatte der mich nicht. Also dachte ich, gehe ich mal in eine etwas andere Richtung – und ob ihr es jetzt glaubt oder nicht, ich wurde in meinem eigenen DVD-Regal fündig: Da stand (schon seit gefühlten Ewigkeiten) ungesehen Adrian Lynes „Ein unmoralisches Angebot“.

Archtitekt David (Woody Harrelson) und seine Frau, die Immobilienmaklerin Diana (Demi Moore) haben Geld-Sorgen. Und was macht ein verliebtes junges Paar, wenn es Geldsorgen hat? Na klar, es fährt nach Las Vegas, um da ein bisschen zu zocken. Zuerst gewinnen sie auch (und können eine Nummer auf ihrem neugewonnen Geld schieben), doch am nächsten Tag verlieren sie alles und sind wieder traurig. Da treffen sie auf den Milliardär John Cage (Robert Redford), der den beiden ein unmoralisches Angebot macht: eine Million Dollar für eine Nacht mit Diana.

Jeder Cent zählt.

Adrian Lyne hat in seiner Zeit „Flashdance“, „9 ½ Wochen“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ gedreht und sogar den sehr guten Film „Jacob’s Ladder“. Und dann halt dieses Filmchen hier, das eigentlich nur interessant ist wegen der unmoralischen Frage, die dem Zuschauer vorgestellt und somit auch selbst gestellt wird: „Würdest du, Zuschauer, deinen Partner für eine Nacht für eine Million ‚abgeben‘?“ Ein spannendes Thema für einen Film, wo man solche moralischen Fragen ja eigentlich am besten beleuchten könnte. Sei es nun eine Million für eine Nacht oder wie in „The Box“ Geld für den Tod einer unbekannten Person – Filme können wunderbar mit diesen moralischen Dilemmas spielen.

Nur leider ist „Ein unmoralisches Angebot“ darauf aus, es halt einfach als Liebesschnulze abzutun, ohne da wirklich näher drauf einzugehen. Allein der Weg zu einer Entscheidung hätte ja schon für einen Film gereicht, aber Lyne frühstückt das in 5 Minuten ab: Erst sagen sie „Nein“, dann irgendwie doch „Ja“ und dann ist es soweit – und dann fängt der Film eigentlich auch erst richtig an, denn er konzentriert sich mehr auf das Danach: die Zweifel in Davids Kopf, die vielen Fragen, die er sich stellt und Diana, die einfach nur vergessen will.

Hier wird der Film dann leider zu typisch Hollywood-Romanze und spielt gekonnt alle Klischees aus, die man sich nur vorstellen kann. Es ist die klassische Geschichte von der Liebe, die auf die harte Probe gestellt wird. Das Einzige, was wirklich interessant an sich bleibt, ist, dass man als Zuschauer selbst nicht weiß, ob Diana nun wirklich mit John Cage geschlafen hat. Wir gehen zwar davon aus, zu Gesicht bekommen wir es dennoch nicht.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich glaube, dieser Film hätte wirklich interessant sein können, wenn man ihn mehr als Drama ausgebaut hätte und mehr auf dieses unmoralische Angebot und all seine Konsequenzen eingegangen wäre. So ist es eine nette Schnulze, die versucht, die Tränendrüsen zu animieren, aber so richtig gefesselt hat es mich nicht. Weil es einfach zu vorhersehbar war, zu konstruiert.

Dazu muss ich auch gestehen, war mir ein junger Woody Harrelson irgendwie ein Dorn im Auge. Der hat einfach nicht so recht für mich in die Rolle gepasst. Vielleicht liegt es daran, dass Harrelson für mich immer ein bisschen der knallharte Mickey aus „Natural Born Killers“ sein wird, aber in „Ein unmoralisches Angebot“ hat er für mich überhaupt nicht gepasst. Er wirkte in jeder Szene steif, er hat sich zwar alle Mühe gegeben, den verzweifelten Ehemann zu spielen, aber so richtig konnte er das nicht rüberbringen. Und Demi Moore… naja, die kennt sich mit sowas aus, sieht nett aus und das war’s. Der Einzige, den ich wirklich gut fand, war Robert Redford. Redford hat die richtige Ausstrahlung, das richtige Charisma für diese Rolle, er ist irgendwie eklig, aber gleichzeitig auch so charmant, dass man ihm nicht wirklich böse sein kann.

„Ein unmoralisches Angebot“ ist damit also auch abgehackt, definitiv kein Date-Movie, aber ein Film mit interessanter Frage-Stellung. Und ein Film, der in überarbeiteter Form (sprich: Remake oder ähnliches) sicherlich spannender sein könnte.

Wertung: 6 von 10 Punkten (und bevor jemand fragt, ich würde „Nein“ sagen)

6 Kommentare leave one →
  1. 27. November 2017 08:31

    Den Film habe ich vor Jahren gesehen und das einzige an das ich mich meine zu erinnern, ist eine Szene auf der Jacht von Robert Redford und ständig war ein püscheliges Mikro im Bild, ich konnte es nicht glauben, dass das beim Cut niemand entdeckt hatte. Gabs das in deiner Version auch? Ansonsten wünsche ich Dir einen guten nächsten Film und sorry, leider kenne ich auch keine Horror-Schnulze, würde ich aber auch durchaus gucken 😉

    • donpozuelo permalink*
      27. November 2017 19:11

      Ist mir jetzt tatsächlich nicht aufgefallen 😀 oder ich war komplett blind.

      Sollte ich eine gute Horror-Schnulze finden, sag ich Bescheid 😀

  2. Ma-Go permalink
    27. November 2017 15:15

    Das oftmals unterschätzte Genre der „Schnulzen-Klassiker“. 😁😁😁

    • donpozuelo permalink*
      27. November 2017 19:12

      😀 😀 😀 klingt irgendwie trotzdem besser als RomCom-Klassiker 😉 das ist mir zu neudeutsch.

      • Ma-Go permalink
        27. November 2017 21:33

        Richtig so. Dann doch lieber das offizielle Fach-Chinesisch und Szenen-Jargon

        • donpozuelo permalink*
          27. November 2017 21:41

          Genau so und nicht anders.

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