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Das Wort Gottes

24. November 2017

Keine Sorge, das ist jetzt kein Bibel-Blog geworden. Ich habe es nur endlich mal geschafft, mir die erste Staffel „Preacher“ anzuschauen. Ich kann euch sagen, dass war für mich nicht besonders einfach. Seitdem ich weiß, dass Seth Rogen und sein Busenfreund Evan Goldberg eine meiner absoluten Lieblingscomic-Reihen verfilmen wollten, fluche ich eigentlich nur darüber – natürlich erst einmal, ohne auch nur einen Schnipsel der Serie gesehen zu haben. Aber Garth Ennis‘ „Preacher“ ist einfach so verdammt gut, so verdammt böse, dass ich es mir nicht als amerikanische TV-Serie vorstellen konnte. Außerdem ist so ein Comic ja schon so visuell, da finde ich es immer noch schwieriger als bei einem Buch, dass mich die gefilmten Bilder überzeugen können. Schließlich hat man mir ja schon die Bilder vorgelegt. Aber gut… ich wollte ein weltoffener Leser sein und habe mich jetzt mal an die Serie herangetraut… und was soll ich euch sagen? Ich liebe die erste Staffel – was ich im Leben nicht für möglich gehalten hätte.

Priester Jesse Custer (Dominic Cooper) hat zwar eine dunkle Vergangenheit, doch davon ist im Moment nichts zu spüren. Stattdessen kümmert er sich um seine kleine Gemeinde in einem kleinen Örtchen mitten im Nirgendwo von Texas. Stress gibt es erst, als: 1) seine Freundin Tulip (Ruth Negga) auftaucht, 2) ein irischer Vampir namens Cassidy (Joseph Gilgun) bei Jesse einzieht, 3) der örtliche Fleisch-Magnat Odin Quincannon (Jackie Earle Haley) für Ärger sorgt und 4) ein Wesen in Jesse einfährt, das ihm das Wort Gottes gibt, mit dem er jedem wirklich alles befehlen kann und weswegen auch Engel aus dem Himmel auf die Erde kommen, um dieses Wesen wieder wegzusperren.

He is the son of a preacher man

Ich muss es noch einmal sagen: Ich liebe die erste Staffel. Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten, aber ich hatte unheimlich viel Spaß. Was vielleicht vor allem daran liegt, dass Rogen und Co. einen ziemlich cleveren Schachzug abgeliefert haben. Sie verfilmen nicht sofort und so richtig die Geschichte des Comics: Da fährt dieses Wesen in Jesse ein und der macht sich dann auf die Suche nach Gott, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei passieren ihm viele verrückte Dinge. Staffel 1 von „Preacher“ spart sich das erst noch auf – nur im Finale bewegt sich die Serie langsam in Richtung der Comics.

Für Staffel 1 wurde eine kleine Passage aus den Comics gekonnt umgeschrieben. Da gibt es – als kleine Füller-Episode – auch diese Quincannon-Geschichte (natürlich sehr viel heftiger – der macht da „Liebe“ mit einem komischen Wurst-Konstrukt und seine Anwältin ist die übelste Nazi-Verehrerin). Aber Rogen und Co. nutzen die hier, um in Ruhe ihre wichtigsten Charaktere aufzubauen: Jesse, Tulip und Cassidy. Gleichzeitig bauen die Macher aber auch schön diese Hillbilly-Stadt auf, in der es von merkwürdigen Gestalten nur so wimmelt. Und ich mochte sie alle – auf ihre Art und Weise.

Ich hatte ja zu Beginn davon gesprochen, dass gerade Comics einem ja schon ein Bild vorgeben, weswegen ich es da immer noch schwieriger finde, mich mit Verfilmungen anzufreunden. Aber gerade bei den Darstellern könnte ich bei „Preacher“ nicht zufriedener sein. Dominic Cooper ist ein toller Jesse Custer. Ein liebenswerter Typ, der aber auch mal zuschlagen kann. Dazu muss man sagen, dass Cooper zudem noch ganz gut an den gezeichneten Jesse rankommt, auch wenn der ein bisschen „hübscher“ aussieht, wenn ich das mal einfach so sagen darf. Joseph Gilgun als irischen Vampir find ich einfach nur spitze, aber den Vogel – im positivsten Sinne – abgeschossen hat die Serie mit Ruth Negga als Tulip. Da haben sie sich mal komplett für eine gegenteilige Besetzung entschieden, aber warum nicht? Ruth Negga ist super… mit diesen großen Rehaugen täuscht sie gekonnt darüber hinweg, was für ein Biest sie manchmal ist. Die perfekte Frau für Jesse Custer, um ihm das Leben so richtig schwer zu machen.

Dazu kommt, dass die Serie den „Saint of Killers“, eine äußerst wichtige Figur der Comics, verdammt gut umgesetzt haben.

Überhaupt treffen Rogen und Goldberg den Ton der Comics sehr gut – wenn natürlich auch in etwas abgeschwächter Form. Aber es muss ja nicht immer alles in absoluten Gewaltorgien enden, wenn man es einfach richtig macht. Ich bin auf jeden Fall schon jetzt gespannt, wie sie in Staffel 2 mit der Hauptgeschichte der Comics verfahren werden. Aber ich bin schon jetzt Feuer und Flamme.

Wertung: 9 von 10 Punkten (lest die Comics auf jeden Fall, aber gebt dieser Serie eine Chance)

5 Kommentare leave one →
  1. 10. Dezember 2017 12:29

    Mensch, ich hatte gar nicht erwartet, dass die Serie Fans des Originals so begeistert. Dass es in seinen teilweise ziemlich nihilistischen Handlungen und der Gewalt jetzt nicht ganz weit weg von den Comic ist, dachte ich mir schon. Allerdings habe ich sie nicht gelesen, sondern nur viel darüber gelesen. Da hatte ich den Eindruck, dass es nicht so 1:1 ist. Aber manchmal kommt es eben auch mehr darauf an, dass man den Geist des Originals einfängt.

    Aber beginnt die Handlung in den Comics auch so? Ich habe immer nur über Preacher gelesen, wo Jessie & Co. schon „on the road“ sind.
    Die Sache mit dem Saint of Killers hat mich auch ziemlich mitgenommen und fand es irre gut. Bin mal gespannt, was du zu Staffel 2 sagst. Ich finde da gibts einen starken Stimmungswechsel.

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2017 17:02

      Es ist überhaupt nicht 1:1, sondern sehr eigen. Die Comics fangen on the road an, die Serie nimmt sich eine kurze Zwischenetappe aus den Comics und macht daraus Staffel 1. Das ist sogar okay, weil ich die Story im Comic eher öde fand und sie sie gut für die Serie ausgeschlachtet haben.

      Bin auf jeden Fall gespannt auf Staffel 2.

  2. 7. Januar 2018 19:56

    Hast du dir mal ihre Interviews und Auftritte auf den Comic Cons etc. angeguckt? Ich habe da teilweise Tränen gelacht wegen meinem Baby Gilgun. Uuuuh, gleich mal Schleichwerbung: Guck „This Is England“ und alle dazugehörigen Serien, daher kenne ich unseren irischen Vampir nämlich noch. ❤

    • donpozuelo permalink*
      9. Januar 2018 09:15

      Nein, habe ich nicht. Muss ich dann aber wohl mal machen. 😀

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